Von Susanne Amann
Auch der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) kritisiert die bisherige Handelspolitik der Industriestaaten und hat sehr genaue Vorstellungen, was sich verändern müsste. "Gerade Entwicklungsländer brauchen mehr eigenen Spielraum, um ihre eigenen Märkte erst mal aufbauen zu können", sagt Michael Frein, Welthandelsexperte im EED. Sonst habe die einheimische Wirtschaft von Anfang an keine Chance im weltweiten Wettbewerb.
Der EED fordert dafür zum einen, die Zollpolitik zu verändern, damit Entwicklungsländer ihre Zölle bei Bedarf auch erhöhen können - zum Beispiel um einheimische Produzenten vor hoch subventionierten Lebensmitteln aus der EU zu schützen. Zum anderen fordert der Entwicklungsdienst die Rechte am geistigen Eigentum, also dem Patentschutz, flexibel zu handhaben. "Wir brauchen hier ein unterschiedliches Schutzniveau, vor allem bei Medikamenten", sagt Frein.
Gerade die Deutschen säßen hier auf einem "hohen moralischen Ross", da sie selbst im 19. Jahrhundert genügend Produkte nachgeahmt hätten, etwa Messer und Scheren aus England. "Ländern lernen ja auch durch das Kopieren", sagt Frein, "deshalb halten wir einen Patentschutz von 20 Jahren für zu lang."
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