Wirtschaft



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08.06.2007
 

Pharma-Werbung

Wie Ratiopharm die Welt wieder ins Gleichgewicht bringen will

Von Susanne Amann

Der Chef des Pharma-Unternehmens Ratiopharm tingelt mit einer seltsamen Mischung aus Esoterik und Weltverbesserungswillen durch die Republik. Seine "Aufbruch Tour" soll aber auch einen Skandal um geschmierte Ärzte und Apotheker vergessen machen.

Berlin - Die Symbolkraft ist offensichtlich: Ausgerechnet auf Schiffe hat Philipp Daniel Merckle eingeladen, um die Dynamik seiner bundesweiten "World in Balance - Aufbruch Tour Deutschland" zu unterstreichen. Um den Startschuss für ein "neues Miteinander in der Wirtschaft" zu geben, hat der Ratiopharm-Chef schon in Köln, Hamburg und Frankfurt an Bord gebeten. In Berlin hat er die MS "La Paloma" auf dem Wannsee gechartert. Ein Eventschiff, auf dem man sonst Veranstaltungen wie "Wannsee in Flammen" buchen kann.

Ratiopharm-Chef Merckle: "Bedürfnis nach einer gerechteren Welt"
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Ratiopharm-Chef Merckle: "Bedürfnis nach einer gerechteren Welt"

Der 41-Jährige will von seiner Vision erzählen, von Vertrauen und der Verantwortung, die er als Unternehmer übernehmen will. "Das sind Begriffe, die mir wichtig sind, die unser Leben prägen", sagt Merckle. Im weichen Schwäbisch von Merckle klingt das wie "Läben" und "Unternähmer". Er habe das "unumstößliche Bedürfnis", sich für eine gerechtere Welt einzusetzen. Deshalb habe er "World in Balance" ins Leben gerufen, eine Stiftung, die er vorerst mit fünf Millionen Euro ausgestattet hat.

Zum Auftakt eines wahren Rede- und Unterhaltungsmarathons präsentiert Merckle Gesine Schwan, Präsidentin der Europa-Universität Viadrina und ehemals Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten. Gewohnt charmant und unterhaltsam erzählt sie von "ökonomischer Globalisierung", "partikularen Interessen", dem "Kapitalmarkt" und erklärt den staunenden Zuhörern mal eben, warum man über "corporate social responsibility" hinaus zu "good governance" kommen müsse. Die Blicke der ersten Zuhörer verlieren sich in der grünen Ferne der kleinen Wannseeinseln. Später am Abend erzählt Schwan, sie verdiene mit ihrem Vortrag Geld für ihre Universität.

Merckle selbst hält sich zurück, der schlanke, jugendlich wirkende Mann scheint sich auf der Bühne der langsam durch den Wannsee schippernden "La Paloma" nicht wirklich wohl zu fühlen. Er ist kein großer Redner, nur kurz und in ungeschickten Sätzen versucht er zu erklären, was ihn treibt. Und dann überlässt er es einem Werbefilmchen, die neue Unternehmensphilosophie von Ratiopharm zu erklären.

Skandal hat "Inbalancen" aufgedeckt

Neu, weil Merckle die Gesamtverantwortung für das Unternehmen erst im August 2005 übernommen hat - wenige Monate, bevor der "Stern" einen der größten Bestechungsskandale im Gesundheitswesen aufdeckte: Jahrelang hatte Ratiopharm Ärzten und Apothekern Geld dafür bezahlt, dass sie ihre Produkte verschrieben und verkauften. Merckle, seit 1999 im Unternehmen, will davon nichts gewusst haben. Auf Nachfrage spricht er von "Inbalancen", die er festgestellt habe und die ausgeglichen werden sollten. Mehr nicht.

Mit "World in Balance" soll das jetzt alles wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Die neue Unternehmensphilosophie gliedert sich - so erfährt der Zuhörer - in "Oikos", "Präzision" und "Stil". Oikos meine "ein Gefüge von Menschen, die individuell und harmonisch" zusammenleben sollten - das gelte auch für die Wirtschaft. Als Unternehmen und als Unternehmer trage man eine Verantwortung, "vor sich selbst und seinen Kindern". Er trenne nicht zwischen Unternehmen und Stiftung, sagt Merckle. "Was für das Unternehmen gilt, gilt auch für die Stiftung." Was genau Präzision und Stil heißen soll, darüber finden sich in den Broschüren, die an Bord ausliegen, viele lange Sätze, die wenig sagen. Etwa: "Schaubilder sind als Selbstbild der Tätigkeitsbestimmung und Zuständigkeit falsch" oder "Wachheit und Überlegtheit, Unkonventionalität und Temperament mit einem Gespür für Maß zeichnen uns aus."

Die MS "La Paloma": Aufbruch auf dem Wannsee
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Die MS "La Paloma": Aufbruch auf dem Wannsee

Es stehen aber auch Dinge drin, die einen ahnen lassen, warum Merckle für seine Aufbruch-Tour keine Kosten und Mühen scheut. Denn die Tour kostet Geld, in vielen großen Magazinen und Fernsehsendern lief bundesweit die Werbung für die acht Veranstaltungen, über Radiostationen und im Internet wurden die Eintrittskarten verlost, die sonst 120 Euro hätten kosten sollen.

"Unter dem Logo von 'World in Balance' können verschiedene Projekte stehen", heißt es also in den Broschüren, "an denen sich die Bevölkerung durch Erwerb von Ratiopharm-Produkten beteiligen kann". Das heißt konkret: Bei jedem Kauf eines Ratiopharm-Produktes geht ein Cent an die Stiftung, bei 170 Millionen Packungen macht das 1,7 Millionen Euro jährlich. Bislang unterstützt der Kunde damit die Afrikahilfe von Karlheinz Böhm. Was die Stiftung sonst noch will, bleibt vage.

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