Von Susanne Amann
Damit der Kunde die gute Tat von Ratiopharm auch wahrnimmt, bietet der Konzern den Apothekern einen besonderen Service: Sie erhalten vom Konzern eine Plastikweltkugel zum Aufstellen, mit dem Logo der Stiftung. Für jede Ratiopharm-Packung, die der Kunde kauft, bekommt er vom Apotheker einen Jeton, den er symbolisch in die Weltkugel werfen darf. "Die Kugel erhalten Sie entweder selbststehend oder mit einer für den Verkaufsraum geeigneten Säule zur freien Platzierung", heißt es dazu in der Broschüre. Und: "Ihr Ratiopharm Außendienst hilft Ihnen gerne weiter."
"Blaue Steine" für Ärzte - Erkennungszeichen für Patienten
Als Arzt kann man sich einen "Blauen Stein" kaufen und auf den Schreibtisch stellen. Er wurde von einer schweizerischen Künstlerin entworfen, kostet 1000 Euro und bringt "Klarheit und Leuchtkraft". "Mit diesem Stein auf Ihrem Praxis-Schreibtisch dokumentieren Sie die besondere Haltung, die Sie und Ihre Mitarbeiter auszeichnet", lockt der Prospekt. Mindestens drei Viertel des Kaufpreises der Produkte gehen natürlich an "World in Balance".
Die sonderbare Mischung aus Esoterik, Weltverbesserungswillen und Waldorf-Rhetorik dient einem sehr klaren Ziel - die Marke Ratiopharm neu zu positionieren. Vergessen machen will das Unternehmen die blonden Zwillinge aus der TV-Werbung und die Skandale. Wer künftig Ratiopharm kauft, soll das Gefühl haben, etwas Gutes für die Welt zu tun. Die Schiffstour, schreibt Merckle in einer Hausmitteilung, diene dazu, "meine Intention als Unternehmer und damit die der Ratiopharm auf nicht werbliche Weise" deutlich zu machen. "Es kommt nun alles darauf an, wie der letztlich noch nicht fest entschlossene Kunde, der Patient uns in all dem schnell gestrickten Auf und Ab tatsächlich wahrnimmt."
Der Abend endet nach vielen kürzeren und längeren Beiträgen von Partnern und Unterstützern. Dabei sind ein 15-jähriges angebliches Klavier-Wunderkind, der Polarreisende Arved Fuchs, ein begeisterter Arzt, der es schafft, in seiner zehnminütigen Rede Zitate von Berthold Brecht, Martin Luther, Kardinal Meisner und aus dem Talmud unterzubringen. Eine Arztgattin erklärt mit verklärtem Blick, warum sie hungernde Kinder in Indien mehr berühren als das Golfspielen im Schwäbischen.
Dann ist das vorbei, was Merckles Assistentin als "gedankenfrohen und seelenvollen" Abend angekündigt hat. Das Buffet wird eröffnet, eine knappe Stunde noch dauert es, bis jeder Gast persönlich von Merckle mit Handschlag auf der Gangway verabschiedet wird. Die ist mit rotem Teppich ausgelegt, am Geländer brennen Fackeln. Kichernd verschwinden die Gäste in der lauen Berliner Nacht, "jenieß' den roten Teppich mal, dat haste nich' so häufig", hört man.
Dass die Gäste die Botschaft des Abends verstanden haben, zeigt die Flachserei eines jungen Mannes: "Sie wollen die Welt retten? Da gibt's doch sicher was von Ratiopharm!"
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