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18.06.2007
 

Luftfahrtmesse

Tagessieg für Airbus - Boeing bleibt cool

Bestellungen im Stundentakt - der erste Tag des Schaulaufens bei der Luftfahrtmesse in Le Bourget ging eindeutig an Airbus. Boeing-Chef James McNerney hatte deutlich weniger Kaufverträge zu bieten. Wirklich nervös macht ihn das nicht

Paris - Wer heute keine Airbus-Meldung verpassen wollte, durfte sich nicht allzu weit vom Pressezentrum entfernen. Bereits am Morgen gab Airbus-Verkaufschef John Leahy die erste Bestellung bekannt: Qatar Airways hatte einen Kaufvertrag über drei weitere Exemplare des neuen Großraumflugzeuges A380 unterzeichnet. Gleichzeitig bestätigte die halbstaatliche Airline aus dem Emirat Katar die im Mai aufgegebene milliardenschwere Bestellung für 80 Langstreckenflieger des neuen Typs A350 XWB. Katalogwert: 11,8 Milliarden Euro.

Luftfahrt-Schau in Paris: Unsicherheiten zu spüren
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AFP

Luftfahrt-Schau in Paris: Unsicherheiten zu spüren

Die acht von Emirates bestellten A380 kosten laut Liste rund 1,9 Milliarden Euro. Das schnell wachsende Unternehmen ist nach Umsatz und Passagierzahlen die größte Fluglinie im Nahen Osten. Damit steigt die Zahl der von Emirates bestellten A380 auf 55. "Dies sollte jeden Zweifel an unserer Festlegung auf das Großraumflugzeug von Airbus ausräumen", sagte Scheich Ahmed Bin Saed Al Maktum, Verwaltungsratschef von Emirates. Medienberichte, wonach Emirates auch 60 bis 100 Maschinen der Airbus-Langstreckenmaschine A350 XWB bestellt, wurden zunächst nicht bestätigt.

Dem folgten US Airways Chart zeigen (92 Maschinen), die kuwaitische Billigfluglinie Jazeera Airways (30 Maschinen), die in Kuwait ansässige Flugzeugleasinggesellschaft ALAFCO (12 Festbestellungen, 7 Optionen), die Leasinggesellschaft GECAS (60 Bestellungen). Und so weiter.

Am Ende des Tages hatte die EADS-Tochter Chart zeigen Verträge über insgesamt 219 Flugzeuge und Vorvereinbarungen für die Lieferung von 120 weiteren Maschinen in der Tasche - der Preisliste zufolge ein Auftragswert von 45,7 Milliarden Dollar - abzüglich Rabatt, über den sich der Flugzeughersteller ausschweigt, der aber nach Schätzungen aus Branchenkreisen bis zu 40 Prozent betragen soll.

Bis ins nächste Jahrzehnt ausgelastet

Im buchstäblichen Sinne wenig zu bestellen hatte heute Erzkonkurrent Boeing Chart zeigen. Der US-Flugzeugbauer vermeldete lediglich Aufträge für 46 Flugzeuge. Boeing-Chef McNerney gab sich dennoch demonstrativ gelassen. "In so guter Verfassung war Boeing seit Jahren nicht", sagt er. Alleine die Sparte Verkehrsflugzeuge hat Aufträge für 188 Milliarden Dollar vorliegen und ist bis ins nächste Jahrzehnt ausgelastet. Auch die mächtige Rüstungssparte kommt angesichts der Rekord-Militärausgaben der USA mit der Fertigung kaum nach. Insgesamt hatte US-Konzern in den ersten fünf Monaten 2007 damit bereits doppelt so viele Aufträge eingesammelt wie Airbus.

Doch hinter der Fassade wurden auch Unsicherheiten erkennbar. Denn ganz so bequem wie bisher wird sich der internationale Markt in Zukunft möglicherweise nicht mehr aufteilen lassen. "Früher gab es nur Boeing und Airbus", fasst Scott Carson, der Chef der Boeing-Sparte Verkehrsflugzeuge die Situation zusammen. "Doch das kann sich ändern." Eine "Herausforderung" seien Russland, China und Japan. Diese drei Staaten wollen eine eigene leistungsfähige Verkehrsflugzeugindustrie aufbauen.

Die Anfänge werden den Platzhirschen zunächst noch nicht gefährlich. Zunächst sollen in allen drei Ländern Regionaljets entstehen, wie Embraer (Brasilien) und Bombardier Chart zeigen (Kanada) sie bauen. Doch dabei soll es nicht bleiben.

Angst vor unkontrolliertem Techniktransfer

Boeing und Airbus dürften dabei sogar mithelfen. Denn Boeing berät Suchoj bei seinem "Superjet"-Projekt. Und Airbus baut in China ein eigenes A320-Montagewerk auf. Beide Unternehmen haben allerdings wiederholt bekräftigt, dass dabei keine heiklen Technologien weitergegeben werden.

"Wir beobachten die Entwicklung ganz genau", sagt Carson. Und mit einer beschwichtigen Geste fügt er hinzu, so heiß sei das Thema sowieso nicht. Keiner der potenziellen neuen Konkurrenten habe eine Erfolgsgarantie. "Es reicht nicht, neue Flugzeuge zu bauen. Man muss auch weltweit Service und Kundenbetreuung anbieten." Vor zwei Jahren hatte Boeing allerdings noch bestritten, dass überhaupt neben Airbus neue Konkurrenz entstehen könne.

Mittelfristig bleibt für Boeing der Wettbewerb mit Airbus Priorität. Und da hat Boeing einen unschlagbaren Vorteil. Den US-Dollar. Jedes Mal, wenn der Euro um zehn US-Cent zulegt, kostet das Airbus eine Milliarde Euro pro Jahr. Und seit 2000 hat der Euro gegen den Dollar ein Drittel gewonnen. "Wir werden auf Jahre nicht so rentabel sein wie unser Konkurrent", gibt Airbus-Chef Louis Gallois zu.

Boeing doppelt so rentabel wie Airbus

Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet vor, dass der Dollarverfall alle Produktivitätsgewinne bei Airbus aufgefressen habe. In Euro gerechnet seien die Lohnstückkosten seit 2000 um 9,8 Prozent gefallen, aber in der EU um 24 Prozent gestiegen. Derzeit seien die Lohnstückkosten bei Airbus in Deutschland um 44 Prozent und in Frankreich sogar um 59 Prozent höher als bei Boeing in den USA. In diesem Jahr werden Airbus und Boeing beide um die 450 Flugzeuge ausliefern. 2008 dürfte Boeing an Airbus vorbeiziehen. Vor allem aber werde Boeing "doppelt so rentabel wie Airbus sein", meint der Kreditversicherer.

Auch mit seinem Produktprogramm steht Boeing derzeit im Vergleich mit Airbus gut da. Zwar haben die Europäer bei den Mittelstreckenjets mit ihrer A320 die Nase vor Boeings 737. Doch im hochprofitablen Langstreckenbereich hat Boeing mit der neuen 787 fünf Jahre und hunderte Aufträge Vorsprung. Und im Bereich der Großraumjets häufen sich die Aufträge für den alten Jumbo 747 in seinen modernisierten Versionen, obwohl Airbus mit der A380 hier eine Generation voraus ist.

Den größten Trumpf hat Boeing aber in der Produktionsstruktur. Die Amerikaner haben schon vorgemacht, was Airbus jetzt mit der A350 plant: Sie haben zahlreiche Werke geschlossen oder abgegeben, für die 787 drei Viertel der Fertigung an Partner vergeben und sich einen Kreis potenter Lieferanten von Japan über Europa bis Amerika aufgebaut. "So ein Netz von Partnerschaften brauchen wir auch", sagte ein Airbus-Insider. Allerdings haben die Amerikaner es leichter: Sie müssen nicht auf mehrere Regierungen gleichzeitig Rücksicht nehmen.

mik/dpa-AFX/AFP/AP

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