Bevor er schließlich gefasst wurde, arbeitete er als Börsenmakler und lehrte ein Semester Soziologie. Absurd, aber ermittlungsoffiziell belegt. Seinem Ego haben diese Wandlungen damals einen unheimlichen Schub gegeben.
In 50 Staaten wurde er steckbrieflich gesucht. In Frankreich schließlich schnappten die Handschellen zu. Zunächst saß er in Schweden ein, dann wurde er in den USA zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Bei der Urteilsverkündung war er 21.
Zu der Veranstaltung in Hamburg sind Dutzende von Bankern gekommen, es geht um Sicherheit. Warum sollen diese Leute einem Ex-Häftling trauen?
Seine Geschichte ist nicht zu Ende. 1974 wurde ihm der Rest der Haftstrafe erlassen, unter der Bedingung, dass er künftig für das FBI arbeitete. Selbstverständlich willigte er ein. Die Haft habe ihn allerdings nicht geändert, merkt er nachdenklich an. Er hätte am liebsten die nächstbeste Gelegenheit nutzen wollen, wieder das alte Spiel zu treiben. "Was meinem Leben eine neue Richtung gab, war nicht nur die zweite Chance, die man mir gab, sondern vor allem meine Frau." Ein Satz, den er ganz ohne Hollywood-Pathos über die Lippen bringt. Vielleicht zeigt sich auch darin sein besonderes Talent.
30 Jahre beim FBI
Seine Frau hätte ihm damals verziehen und die Treue gehalten. Und als er schließlich Vater wurde, wollte er nicht die Zukunft seiner Kinder aufs Spiel setzen.
Als Sicherheitsexperte mit Renommee kommt er zu diesem Hamburger Auftritt. Termine wie diese absolviert er regelmäßig. Abagnale ist nicht nur der dreiste Hund aus "Catch Me If You Can". Er hat inzwischen 30 Jahre als Berater des FBI auf dem Buckel. Er bildet Agenten aus, bereitet sie auf Trickbetrüger vor. Er analysiert Unterlagen, bei denen der Verdacht der Fälschung besteht.
Seine Spezialgebiete sind Geldwäsche und Identitätsdiebstahl. An der Rekonstruktion des Enron- und des Tyco-Skandals habe er etwa mitgearbeitet, sagt er. "Wann ist es Verbrechern genug?" Er könne die Gier dieser Manager nicht verstehen, die Abermillionen auf irrwitzigen Partys verpulverten. Abagnale hat in seiner kriminellen Karriere Schecks im Wert von rund 2,5 Millionen Euro gefälscht.
Als Jugendlicher hat Frank Abagnale die Linie überschritten, die den Betrüger vom Verkäufer trennt. Seit der FBI-Offerte ist er Verkäufer. Auch darin ist er gut.
Nonchalant streut er die Titel seiner Bücher ins Gespräch. Nicht allzu aufdringlich erwähnt er "Privacy Guard", das System, für das er an diesem Abend werben soll. Der Service verschickt immer dann eine SMS, wenn die Kreditkarte eines Kunden belastet wird. So kann der in kürzester Frist einen Zahlvorgang rückgängig machen. Um dieses System zu promoten, hat Sven Sahlberg, der deutsche Geschäftsführer der gastgebenden Affinion, Abagnale nach Hamburg geholt. Sahlberg lobt die Fähigkeiten Abagnales, sich auf das Publikum einzustellen: "Als es um die üblichen Sicherheitsstandards von Kreditkarten ging, hat er die Gäste zu Tode erschreckt."
Mit dem gleichen Geschick verkauft Abagnale an diesem Abend seine Geschichten. Eine Episode nach der anderen gibt er zum Besten, das Publikum darf sich nun amüsieren.
Bei Spielbergs Mutter im Restaurant
Den Vorwurf, er hätte mit dem Film ein gefälliges Bild seiner Lebensgeschichte verbreitet, hat er schon oft gehört. Er tritt ihm entgegen, nicht empört, sondern fabulierend: Wie er von dem Projekt das erste Mal hörte, wie er das Studio nach dem Skript fragte, aber keine Einsicht bekam. Spielberg hatte di Caprio verboten, ihn kennen zu lernen. Doch der Jungstar tauchte in einem von Abagnales Seminaren auf und fragte ihn, ob er drei Tage lang in seiner Villa wohnen wolle. Schließlich stellte di Caprio ihm Spielberg vor. Es sei ein fröhlicher Abend gewesen, schwärmt Abagnale. Anschließend bekam er sogar einen Statistenauftritt.
Er sei sehr zufrieden mit dem Film, natürlich. Aber der sei nicht seine Idee gewesen. Der Streifen "Catch Me If You Can" basiert übrigens auf dem gleichnamigen Buch von 1980. Autoren des Bestsellers: Stan Redding und Frank W. Abagnale.
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