Wirtschaft



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29.06.2007
 

Mitarbeitersuche

Start-up-Firmen jagen Google die Talente ab

Als Arbeitgeber genießt Google bislang unschlagbares Ansehen. Trotzdem blicken die Personalverantwortlichen mit Sorge in die Zukunft. Einem Bericht zufolge werben immer mehr Start-ups Talente ab. Die Umworbenen sagen, vieles spreche jetzt für einen Absprung.

Hamburg - An Bewerbern fehlt es Google nicht: Das 1998 gegründete Unternehmen, das mit seiner Suchmaschine groß wurde und inzwischen zahlreiche weitere Produkte wie elektronische Landkarten oder internetbasierte Text- und Datenverarbeitungsprogramme anbietet, bekommt nach eigenen Angaben jährlich etwa eine Million Bewerbungen zugeschickt. Für 2007 rechnet die Personalabteilung sogar mit zwei Millionen Bewerbern. Derzeit arbeiten weltweit rund 12.000 Menschen für das Unternehmen, davon etwa 2500 in Europa.

Google-Logo: Gute Gelegenheit, Aktienoptionen einzulösen
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AP

Google-Logo: Gute Gelegenheit, Aktienoptionen einzulösen

Dennoch verliert Google zunehmend das, was Manager der Firma als das "Herzstück des Google-Erfolgs" bezeichnen: hochqualifizierte, talentierte Mitarbeiter. Die suchen nach zwei, drei Jahren Arbeit bei Google und um ein paar Millionen Dollar reicher nach neuen Herausforderungen, berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ).

Je größer Google werde, desto stärker würden sich gute Mitarbeiter überlegen, ob sie in einem kleineren Unternehmen nicht viel mehr bewirken und schnell größere Verantwortung übernehmen könnten, zitiert die Zeitung den Software-Entwickler Justin Rosenstein. Der 24-Jährige arbeitete seit März 2004 für Google, wechselte jetzt zur Netzwerk-Seite Facebook.

Mehrere Google-Beschäftigte hätten den Eindruck, mit zunehmender Größe des Unternehmens würden Entscheidungsprozesse länger dauern und hätten Mitarbeiter weniger Einfluss auf die Geschicke des Unternehmens.

"Wir wollen kein Opfer unseres eigenen Erfolgs werden"

Ein weiterer Grund für den Wechselwillen ist dem "WSJ" zufolge die Tatsache, dass für Mitarbeiter, die zwischen 2003 und 2004 eingestellt wurden, die Fristen für das Halten von Aktienoptionen enden. Tausende von Mitarbeiter dürften jetzt ihren Gewinn einstreichen. Bei dem derzeitigen Rekordhoch der Google Chart zeigen-Aktie könnten sich viele damit ein dickes finanzielles Polster schaffen. Die Motivation, wegen künftig zu erwartender Gewinne bei Google zu bleiben, nehme damit ab.

Als dritten Grund nennt das "WSJ", dass es genügend finanzstarke Start-up-Unternehmen gebe, die mit ihrem Wachstumspotential attraktiv für talentierte junge Ingenieure und Programmierer seien. Die Aktienkurse dieser Firmen könnten noch massiv steigen, zudem seien solche Start-ups interessante Kandidaten für millionenschwere Übernahmen durch Konzerne - und damit auch für die Mitarbeiter interessante Arbeitgeber.

Google-Personalmanager Laszlo Bock sagte dem "WSJ", in den vergangenen Jahren hätten jährlich weniger als fünf Prozent das Unternehmen verlassen. Dennoch würde Google viel Zeit darauf verwenden, darüber nachzudenken, wie man gute Leute anlockt und auch dann an sich bindet, wenn das Unternehmen wächst. "Wir wollen kein Opfer unseres eigenen Erfolgs werden", sagte Bock. "Wir sind uns dieses Risikos bewusst."

Bismarck Lepe, ein 27-jähriger früherer Google-Beschäftigter und jetzt Internetunternehmer, bleibt dennoch zuversichtlich. Bei Google seien zwar manche Leute frustriert oder ausgebrannt, sagte er; doch der Abfluss guter Mitarbeiter werde nachlassen, da Google nach Wegen suche, diese Leute zu halten.

Zwei Ex-Google-Entwickler, Bret Taylor und Jim Norris, arbeiten derzeit an einem eigenen Start-up. Die beiden 26-Jährigen, die dem "WSJ"-Bericht zufolge an der Entwicklung von Google Maps beteiligt waren, haben 2006 noch eine Auszeichnung von Google für ihre Leistungen erhalten. Taylor sagte, er suche nun nach etwas Neuem, dem er sich widmen könne. Geld genug hat er dafür - er besitzt nach eigenen Angaben etwa zehn Millionen Dollar.

kaz

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