Hamburg - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland könnte innerhalb von drei Jahren von derzeit knapp 3,7 Millionen auf 1,8 Millionen gesenkt werden. Das ist das Ergebnis einer bislang unveröffentlichten Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), schreibt das "Handelsblatt". Voraussetzung für eine derartige Entspannung am Arbeitsmarkt sei die Einführung sogenannter Beschäftigungskonten statt einer Arbeitslosenunterstützung.
Die Kieler Ökonomen schlagen demnach vor, die Arbeitslosenunterstützung nicht mehr durch Steuern und Beiträge zu finanzieren. Vielmehr solle jeder Beschäftigte laufend einen Mindestbetrag auf ein eigenes Konto bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) einzahlen und so ein Vermögen aufbauen. Wer seine Stelle verliere, hebe von seinem Konto während der Arbeitslosigkeit Beträge ab, statt wie heute Arbeitslosenunterstützung zu bekommen. Ist das Konto leer, helfe der Staat mit einer Notfallsicherung aus. Bleibe Geld am Ende eines Erwerbslebens übrig, fließe es als Zusatzrente an den Einzahler.
"Durch diese Neugestaltung werden sowohl die Anreize für Arbeitslose steigen, eine Stelle zu suchen, als auch für Unternehmen, zusätzliche Stellen zu schaffen", sagte IfW-Präsident Dennis Snower, der gemeinsam mit seinen Kollegen Alfred Boss und Alessio Brown das Modell entwickelt und kalkuliert hat. Ihre Kernidee: Wer über sein eigenes Geld verfügt, wirtschaftet effizienter.
Bislang zahlen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen Beitrag zur Arbeitslosenversicherung von 4,2 Prozent des Bruttolohns an die BA. Auch künftig sollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils die Hälfte dieses Beitrags zahlen, die Summe würde nur anders verwendet: rund zwei Drittel für das Arbeitslosengeld sowie die zugehörigen Verwaltungsausgaben, das übrige Drittel als "Quasi-Steuer" für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen.
Die Erwerbslosenzahl in Deutschland liegt im Juni laut BA bei 3,687 Millionen und damit so niedrig wie seit mehr als sechseinhalb Jahren nicht mehr. Für 2007 rechnet die BA im Jahresdurchschnitt mit 3,8 Millionen Arbeitslosen. Die Schätzung der Bundesregierung liegt bei 3,7 Millionen.
kaz/ddp/AFP
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