Wirtschaft



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29.06.2007
 

Managergehälter

Wie die Gier das System vergiftet

Von Wolfgang Kaden

Die Bilanzsaison ist zu Ende, und wieder staunen wir über Managerbezüge in astronomischen Höhen. Die Gier vieler angestellter Manager ist inzwischen mehr als ein öffentliches Ärgernis: Sie gefährdet die politische Stabilität und die marktwirtschaftliche Ordnung in unserem Land.

Hamburg - Manchmal kann es noch ganz hilfreich sein, Euro in D-Mark-Beträge umzurechnen (obwohl wir uns das ja abgewöhnen wollten). Dann werden beispielsweise aus 13,1 Millionen Euro 25,5 Millionen Mark, oder aus 12,3 Millionen Euro 24,1 Millionen Mark, oder aus 7,5 Millionen Euro 14,7 Millionen Mark.

Die Zahlen stehen nicht für die Umsätze mittelständischer Unternehmen mit 50 Beschäftigten, nicht für die Ausgaben einer deutschen Kommune, auch nicht für einen besonders üppig ausgefallenen Jackpot des deutschen Lottowesens. Es geht, in obiger Reihenfolge, um die Jahresbezüge für 2006 von Josef Ackermann (Deutsche Bank Chart zeigen), Jochen Zeitz (Puma Chart zeigen) und Dieter Zetsche (Daimler Chart zeigen). Genauso gut könnten hier aber auch viele andere Namen aus der Oberliga der deutschen Wirtschaft stehen.

Einziges Risiko ist der Jobverlust

Wohlgemerkt, es handelt sich bei diesen Herren nicht um Unternehmer, die für Wagemut und Risikobereitschaft vom Markt angemessen belohnt werden. Die Rede ist von Managern. Von Angestellten im Vorstandsrang, die bei ihrer unternehmerischen Tätigkeit keinerlei eigenes Kapital im Einsatz haben und deren einziges Risiko das des Jobverlusts ist. Ein Risiko im Übrigen, wie es jeder andere abhängig Beschäftigte auch zu tragen hat; in der Regel allerdings ohne Abfindungsklausel im Arbeitsvertrag.

Soll, darf man sich über solche Saläre, die inzwischen jedes von gemeinen Erdenbürgern als angemessen empfundene Maß sprengen, noch aufregen? Ich finde: Man soll, man darf, man muss.

Offenkundig ist die Gehaltsskala dieser Spezies nach oben gänzlich offen. Wie im manager magazin nachzulesen ist, legten die Vorstandsvorsitzenden der deutschen Dax-Konzerne in den vergangenen fünf Jahren bei ihren Bezügen um 50 Prozent zu. Allein 2006 war es ein Plus von 13 Prozent. Und so soll es offenkundig weitergehen.

Es kann nicht sein, dass die von Jahr zu Jahr immer deftigere Selbstbereicherung unserer Managerelite wie eine unabänderliche Begleiterscheinung des neuzeitlichen Kapitalismus hingenommen wird. Nicht weil wir neidisch wären, was wir sicherlich auch sind. Sondern vor allem deswegen, weil dieser Machtmissbrauch auf Dauer die Akzeptanz des marktwirtschaftlichen und auch des demokratischen Systems aushöhlt.

Wenn es mal gelingt, mit den Profiteuren über ihre Bezüge zu reden, erntet man in der Regel nur kopfschüttelndes Unverständnis. "Die derzeitige Managergeneration verhält sich wie die Junker im Kaiserreich", sagte mir kürzlich der ehemalige Chef eines deutschen Autokonzerns: "Die sind genauso ohne jede Sensibilität für politische Strömungen, nur auf Besitzstandswahrung bedacht."

Wir kennen alle die fein ziselierten Argumente der Betroffenen, wenn sie sich denn mal zu ihren Bezügen äußern. Beispielsweise der stete Verweis auf die USA, wo die Wirtschaftselite noch ungenierter zulangt. Fragt sich nur, warum die Herren, wenn sie denn nach Vorbildern im Ausland suchen, nicht die Japaner wählen, wo deutlich weniger als in Europa oder gar Amerika für die Unternehmensführer gezahlt wird.

Deutsche Topmanager, so ist auch zu vernehmen, müssten international wettbewerbsfähig honoriert werden, sonst wären die Talente leichterhand abzuwerben. Schön wär's ja, wenn unsere Spitzenleute allerorten so begehrt wären. Aber die Nachfrage hält sich doch sehr in Grenzen. Jedenfalls ist seit Jahren kein Abwerbeversuch, beispielsweise aus den USA, an die Öffentlichkeit gelangt.

Nein, mit Markt und Wettbewerb haben solche Einkommen nichts gemein, hier genauso wenig wie in den USA, in der Schweiz oder in Großbritannien. Auch nicht zwingend mit Leistung. Sonst wäre schwerlich zu erklären, wieso die seit Jahren notorisch erfolgreichen Vorstandsvorsitzenden von BMW Chart zeigen weit weniger als die seit Jahren ebenso dauerhaft erfolglosen Daimler-Vorsteher überwiesen bekommen.

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01.07.2009 von Knippi2006:

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damit rennen Sie auf der einen Seite weit offene Türen ein, aber diejenigen, die es eigentlich angeht, die sind für derartige Argumente unerreichbar. mehr...

01.07.2009 von Bulgakow:

Der Neiden unten auf Managergehälter hält sich doch sehr in Grenzen gegenüber dem Neid oben auf die paar Kröten, die Hartz IV Empfänger erhalten. mehr...

30.06.2009 von ruebergemacht: Alte Schule

Wenn wir mal die Neid-Komponente herausnehmen (faellt schwer in unserer Kultur, versuchen sollten wir es trotzdem) dann gilt doch wohl immer noch "You Don't Get What You Deserve, You Get What You Negotiate." Mit [...] mehr...

30.06.2009 von samsonax:

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