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Managergehälter Wie die Gier das System vergiftet

2. Teil: Warum Aufsichtsräte überhöhte Einkommen genehmigen

Es handelt sich bei Vorstandsbezügen eben nicht um Markt-, sondern um Macht-Einkommen. Um noch einmal das Beispiel BMW/Daimler zu bemühen: Bei den Münchenern entscheiden über die Saläre der Vorstände die Großaktionäre in Person der Geschwister Quandt; und die haben es lieber etwas bescheidener.

In Stuttgart bei Daimler, wie in den meisten Konzernen mit breit gestreuten Aktien, befinden Aufsichtsräte über die Bezahlung, die erstens zum überwiegenden Teil vom Vorstandsvorsitzenden persönlich ausgesucht wurden und zweitens in der Regel ebenfalls angestellte Manager sind oder waren. Da herrscht ein gemeinsames Interesse von Gebenden und Nehmenden, das allgemeine Gehaltsgefüge in immer luftigere Höhen zu hieven. Man hat die Macht, und man nutzt sie fürs eigene Konto.

Es darf gemutmaßt werden, dass solch ungeniertes Aneignen von Unternehmens-Ressourcen in der Deutschland AG seligen Angedenkens nicht möglich gewesen wäre. Da achteten allseits respektierte Meinungsführer wie Hermann Josef Abs oder später Hans L. Merkle auf die Einhaltung der wichtigsten Regeln. Solche Autoritäten fehlen heute.

Löhne stagnieren, Managergehälter steigen

Nur nebenbei soll hier erwähnt werden, dass in den Aufsichtsratspräsidien, wo über die Bezahlung der Vorstände vorentschieden wird, stets auch ein Repräsentant der Arbeitnehmerbank sitzt; dass die Gehaltsexzesse ja durchaus eine Möglichkeit wären, in der sich die Mitbestimmung bewähren könnte. Doch auch hier, wie insgesamt bei der Unternehmenskontrolle, versagt die Mitbestimmung. Die Gewerkschafter lassen die Gehaltserhöhungen der Vorstände in der Regel widerspruchslos passieren.

Sie muss es ja auch nicht bekümmern, welche Fernwirkungen die fröhliche Gehältersause der Unternehmensfürsten haben kann. Genauso wenig, wie es offenkundig die Managerkaste interessiert, in welchem gesellschaftlichen und politischen Umfeld sie ihre Dagobert-Duck-Festspiele treiben.

Erinnern wir daran: Die OECD warnt vor "Altersarmut" in Deutschland. Die Reallöhne in Deutschland stagnieren seit mehr als einem Jahrzehnt, erst das jüngste Konjunkturhoch drehte leicht den Trend. Fakt ist, wie der SPIEGEL in einer Titelgeschichte schrieb: "Deutschland driftet auseinander", der Abstand zwischen Arm und Reich wird größer.

Die Politiker - schlecht bezahlt und von den meisten Managern verachtet - kämpfen seit Anfang dieses Jahrzehnts einen verbissenen Kampf, um den Wohlfahrtsstaat auf ein bezahlbares Niveau herunterzufahren und die öffentlichen Haushalte sowie die Sozialkassen vor dem Kollaps zu bewahren. Nur mühsam gelingt es ihnen, den Bürgern, ihren Wählern, die Einsicht in das Unvermeidliche zu vermitteln.

Machtmissbrauch der Unternehmenselite

Doch die sind immer weniger bereit, Verständnis zu zeigen. Seit Jahren sinkt hierzulande die Zustimmung zur marktwirtschaftlichen Ordnung mit beängstigender Regelmäßigkeit. Der Regierungspartei SPD geben laut neuester Umfrage nur noch 24 Prozent ihre Stimme, die Populisten der Links-Partei hingegen wären, wenn jetzt gewählt würde, die drittstärkste Fraktion im Bundestag. Der Druck, den die SED-Nachfolgepartei um Oskar Lafontaine und Gregor Gysi ausübt, zwingt die Sozialdemokraten zunehmend in die Reformverweigerung. Er sorgt dafür, dass eine so unsinnige Forderung wie die nach einem Mindestlohn demnächst zu einem Wahlkampfschlager aufgeputzt wird.

Okay, es wäre abwegig, für diese wenig erfreulichen Trends allein die angestellten Unternehmensführer und das Ärgernis ihrer Bezüge haftbar zu machen. Das Land hat über seine Verhältnisse gelebt, die Rückkehr zu bezahlbaren Sozialleistungen und wettbewerbsfähigen Personalkosten in den Unternehmen kann nicht ohne Widerstand vieler Betroffener durchgesetzt werden. Dass all dies seinen Niederschlag in Wahlergebnissen findet, ist sicherlich unvermeidlich.

Aber Politik lebt zu einem nicht geringen Teil von Symbolen. Und risikofrei erworbene Gehälter, die das Drei- oder Vierhundertfache eines gewöhnlichen Arbeitnehmersalärs ausmachen, stehen für einen Machtmissbrauch der Unternehmenselite. Ein Missbrauch, der all jenen, die zum Maßhalten mahnen, die Arbeit nicht unwesentlich erschwert, und den radikalen Parteien wunderbare Vorlagen liefert.

"Eine Ordnung, die nicht mehr als gerecht empfunden wird, hat unter demokratischen Verhältnissen keine Zukunft", vermerkte einmal die "FAZ" in einem Leitartikel. Fraglos eine notwendige Mahnung an das Unternehmensestablishment, das zu vergessen scheint, dass die Rahmenbedingungen einer marktwirtschaftlichen Ordnung von der Gesellschaft gebilligt werden müssen, sollen sie dauerhaft Bestand haben.

Womöglich sind das aber alles Überlegungen, mit denen die Köpfe der Topmanager überfordert werden. Es wird ja gern gesagt und stimmt wohl auch, dass die sich - heute in Hongkong, morgen in New York - mental längst in Sphären weit außerhalb jenes Landes bewegen, aus denen ihr Unternehmen erwachsen ist. Und dennoch: Wenn in diesen Zeiten so gern über Unternehmensethik geredet und geschrieben wird - dürfen wir da nicht auch von den angestellten Unternehmern ein bisschen Mäßigung bei der privaten Vermögensbildung und ein Mindestmaß an Verantwortungsgefühl erwarten?

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insgesamt 737 Beiträge
herb-9000 26.04.2007
Ein Manager ist lediglich der höchste Angestellte eines Unternehmens, nicht der Eigentümer. Deshalb sollte ein Manager Gehalt maximal das zwanzigfache des niedrigsten Lohns im Unternehmen sein (Bsp.: Niedrigstes Gehalt im [...]
Zitat von sysopManager großer Unternehmen sind die Topverdiener unter den Angestellten. Millionen-Saläre pro Jahr sind die Regel. Verdienen sie wirklich, was sie verdienen? Wie hoch dürfen Manager-Gehälter noch klettern?
Ein Manager ist lediglich der höchste Angestellte eines Unternehmens, nicht der Eigentümer. Deshalb sollte ein Manager Gehalt maximal das zwanzigfache des niedrigsten Lohns im Unternehmen sein (Bsp.: Niedrigstes Gehalt im Unternehmen: Eur 30.000,00 p.a. / Manager Gehalt 600.000,00 p.a.).
Stahlengel77 26.04.2007
Das Top-Management unseres Unternehmens, zu dem auch die Eigentümerfamilie gehört, kommt morgens um 6.30 Uhr in die Firma und verlässt sie um 20.30 Uhr. Die Chefs sind Macher und hassen Schwafeleien. Dafür steht das Unternehmen [...]
Das Top-Management unseres Unternehmens, zu dem auch die Eigentümerfamilie gehört, kommt morgens um 6.30 Uhr in die Firma und verlässt sie um 20.30 Uhr. Die Chefs sind Macher und hassen Schwafeleien. Dafür steht das Unternehmen hervorragend da, die Auftragsbücher sind voll und die Firma schafft neue Arbeitsplätze und übernimmt den größten Teil seiner Auszubildenden. Die Chefs sorgen für eine angenehme Arbeitsatmosphäre und belohnen auch herausragende Leistungen und spornen damit auch an. Für solche Top-Manager sollte es auch Top-Gehälter geben, denn die haben sie sich auch durch ihren Einsatz verdient. Was ich persönlich für moralisch unverantwortlich halte ist, wenn Großkonzerne Millionen an sogenannte Topmanager bezahlen, die als erste Maßnahme tausende Fachkräfte vor die Tür setzen, die Auszubildende abschieben und Ausbildungsplätze dichtmachen, die auf Teufel komm raus erfahrene Fachkräfte durch Jungspunde ersetzen, weil die angeblich belastbarer sind (in Wahrheit aber naiv oder eingeschüchtert genug und zudem noch formbar). Wer sich dann hinstellt und sich mit einem tollen Bilanzergebnis feiern lässt, während die soziale Kompetenz auf der Strecke bleibt, dem gehört ehrlich gesagt keinen Cent. Eine Führungskraft hat meiner Meinung nach stets mit gutem Beispiel voranzugehen und auch seine Firma glaubhaft gegenüber Kunden, Anlegern aber insbesondere auch gegenüber den Mitarbeitern zu vertreten. Die Firma als abstraktes Wesen wird nämlich im wesentlichsten durch die Führung wahrgenommen. Als Führungskraft kann ich meine Mitarbeiter nur durch eigenes Beispiel anspornen. Wer also keine eigenen Moral- und Wertvorstellungen hat, der hat auf seinem Sessel nichts verloren. Jeder Manager, der für sein Unternehmen und seine Mitarbeiter mit dem Herzen eintritt, verdient auch jeden Cent seines Gehalts. Wer das nicht kann, ist halt nur eine topbezahlte Prostituierte der Wirtschaft...aber selbst dorthin geht man nur einmal...
jürgen Treis 28.04.2007
BRAVO!!! Besser hätte ich es auch nicht formulieren können!!! Absolute Zustimmung :-)
Zitat von Stahlengel77Das Top-Management unseres Unternehmens, zu dem auch die Eigentümerfamilie gehört, kommt morgens um 6.30 Uhr in die Firma und verlässt sie um 20.30 Uhr. Die Chefs sind Macher und hassen Schwafeleien. Dafür steht das Unternehmen hervorragend da, die Auftragsbücher sind voll und die Firma schafft neue Arbeitsplätze und übernimmt den größten Teil seiner Auszubildenden. Die Chefs sorgen für eine angenehme Arbeitsatmosphäre und belohnen auch herausragende Leistungen und spornen damit auch an. Für solche Top-Manager sollte es auch Top-Gehälter geben, denn die haben sie sich auch durch ihren Einsatz verdient. Was ich persönlich für moralisch unverantwortlich halte ist, wenn Großkonzerne Millionen an sogenannte Topmanager bezahlen, die als erste Maßnahme tausende Fachkräfte vor die Tür setzen, die Auszubildende abschieben und Ausbildungsplätze dichtmachen, die auf Teufel komm raus erfahrene Fachkräfte durch Jungspunde ersetzen, weil die angeblich belastbarer sind (in Wahrheit aber naiv oder eingeschüchtert genug und zudem noch formbar). Wer sich dann hinstellt und sich mit einem tollen Bilanzergebnis feiern lässt, während die soziale Kompetenz auf der Strecke bleibt, dem gehört ehrlich gesagt keinen Cent. Eine Führungskraft hat meiner Meinung nach stets mit gutem Beispiel voranzugehen und auch seine Firma glaubhaft gegenüber Kunden, Anlegern aber insbesondere auch gegenüber den Mitarbeitern zu vertreten. Die Firma als abstraktes Wesen wird nämlich im wesentlichsten durch die Führung wahrgenommen. Als Führungskraft kann ich meine Mitarbeiter nur durch eigenes Beispiel anspornen. Wer also keine eigenen Moral- und Wertvorstellungen hat, der hat auf seinem Sessel nichts verloren. Jeder Manager, der für sein Unternehmen und seine Mitarbeiter mit dem Herzen eintritt, verdient auch jeden Cent seines Gehalts. Wer das nicht kann, ist halt nur eine topbezahlte Prostituierte der Wirtschaft...aber selbst dorthin geht man nur einmal...
BRAVO!!! Besser hätte ich es auch nicht formulieren können!!! Absolute Zustimmung :-)
Fred Heine 29.04.2007
Wie viel dürfen den Schauspieler verdienen? Jack Nicholson hat für seine Rolle in Batman rund 60 Mio. Dollar bekommen. Wie viel darf jemand wie Michael Schumacher verdienen? Er ist in seiner Karriere Milliardär geworden. [...]
Zitat von sysopManager großer Unternehmen sind die Topverdiener unter den Angestellten. Millionen-Saläre pro Jahr sind die Regel. Verdienen sie wirklich, was sie verdienen? Wie hoch dürfen Manager-Gehälter noch klettern?
Wie viel dürfen den Schauspieler verdienen? Jack Nicholson hat für seine Rolle in Batman rund 60 Mio. Dollar bekommen. Wie viel darf jemand wie Michael Schumacher verdienen? Er ist in seiner Karriere Milliardär geworden. Wie viel darf ein Manager verdienen, der das Vermögen seiner Aktionäre um 180 Mrd. Euro erhöht? 10 Prozent, also 18 Milliarden? Ein Prozent, also 1,8 Milliarden? Ein Promill, also 180 Millionen? Was der Vorstand eines Unternehmens verdient, bestimmen die Aktionäre. Vorstände vertreten die Interessen der Aktionäre, deshalb bezahlen diese auch die Vergütungen.
hardner 30.04.2007
Nachdem sich gerade diejenigen, die als "top" definiert werden. sich ausdrücklich immer ihren Shareholdern verpflichtet fühlen, sind sie Angestellte (Handlanger) dieser Klientel. Und nachdem Scharheolder mit [...]
Zitat von herb-9000Ein Manager ist lediglich der höchste Angestellte eines Unternehmens, nicht der Eigentümer. Deshalb sollte ein Manager Gehalt maximal das zwanzigfache des niedrigsten Lohns im Unternehmen sein (Bsp.: Niedrigstes Gehalt im Unternehmen: Eur 30.000,00 p.a. / Manager Gehalt 600.000,00 p.a.).
Nachdem sich gerade diejenigen, die als "top" definiert werden. sich ausdrücklich immer ihren Shareholdern verpflichtet fühlen, sind sie Angestellte (Handlanger) dieser Klientel. Und nachdem Scharheolder mit überwiegendem Stimmanteil häufig gewisse Banken sind, betrachte ich sie auch als Bankangestellte. Und in Bankkreisen wird halt auch ganz nett bezahlt, zumindest wenn man in deren Sinn ein Top-Manager ist. Aber "wer" das alles letztlich bezahlt, darüber sollte man schon nachdenken. Spätestens wenn man ein Produkt kauft. Hier könnte mich das Verhalten gewisser Manager durchaus stören, beim Konsumieren. Gruss, P.H.
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