Samstag, 21. November 2009

Wirtschaft



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03.07.2007
 

Bahn-Chaos

Gewerkschaften starten neue Streikwelle vor Gipfel mit Mehdorn

Zwei von drei Gewerkschaften treffen Bahnchef Hartmut Mehdorn schon am Mittwoch zum Spitzengespräch - vorher spielen sie aber noch mal ihre Macht aus. Massive Warnstreiks sind geplant, die Fahrgäste müssen sich erneut für Verspätungen wappnen.

Berlin - "Wir sind zu Gesprächen bereit, die dazu dienen, eine weitere Eskalation des Tarifkonflikts zu vermeiden", sagte Norbert Hansen, Chef der Gewerkschaft Transnet. Wie Transnet und GDBA am Abend mitteilten, soll das Treffen der beiden Gewerkschaftsvorsitzenden Hansen und Klaus-Dieter Hommel mit Mehdorn um 11 Uhr in Berlin stattfinden. Ungeachtet dessen sollen die Warnstreiks unvermindert fortgesetzt werden. Insgesamt an 13 Standorten soll es Aktionen geben.

Die massivsten Störungen soll es rund um Kassel, Mainz und Wiesbaden geben. In Mecklenburg-Vorpommern werde der Raum Stralsund betroffen sein, in Sachsen-Anhalt der Raum Halle, teilte Transnet mit. Auch im brandenburgischen Potsdam werde es zu Arbeitsniederlegungen kommen. Warnstreiks seien auch im Güterverkehr geplant. Dort soll der Schwerpunkt im Raum Nürnberg liegen.

Die drei Bahn-Gewerkschaften GDL, Transnet und GDBA hatten schon am Dienstag mit über den ganzen Tag verteilten Arbeitsniederlegungen den Bahnverkehr in Deutschland stark beeinträchtigt. In vielen Städten kam der Verkehr über den Tag verteilt teilweise vollständig zum Erliegen.

Bahn-Streik - wen es am Mittwoch treffen soll
Hessen/Rheinland-Pfalz hier werden die massivsten Störungen erwartet; zu Beeinträchtigungen im Zugverkehr dürfte es besonders um Kassel, Mainz und Wiesbaden kommen
Sachsen-Anhalt der morgendliche Zugverkehr wird besonders in Halle (Saale) vom Streik betroffen sein
Mecklenburg-Vorpommern vor allem im Raum Stralsund wird der Streik den Bahnverkehr einschränken
Bayern bereits am frühen Morgen soll der Güterverkehr in Nürnberg bestreikt werden
Niedersachsen in Hannover und Braunschweig wird das Servicepersonal in den Streik treten
Bremen in Bremerhaven soll der Warnstreik den Güterverkehr treffen
Quelle: bahn.de, transnet.org, dpa
Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte den Gewerkschaften daraufhin neue Gespräche angeboten - allerdings kein neues Angebot in Aussicht gestellt. Bereits morgen soll ein Treffen mit Vertretern der Deutschen Bahn, Transnet und der GDBA stattfinden, ursprünglich war das erst für Donnerstag geplant. Mehdorns Bedingung war, dass sich alle Parteien gemeinsam an einen Tisch setzen. Genau dies hat die GDL bislang immer abgelehnt. Mehdorn machte außerdem deutlich, dass er die Warnstreiks für "völlig unverständlich und inakzeptabel" halte. Die Warnstreiks kosteten das Unternehmen jeden Tag einen "zweistelligen Millionenbetrag".

"Wir werden an diesem Gespräch teilnehmen und unsere Zusage liegt vor", sagte der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel im Bayerischen Rundfunk. Sprecher Uwe Reitz betonte aber, man erwarte von Mehdorn substanzielle Bewegung, die dann in neue Verhandlungen münden könne. "Nur für Kaffee und Kuchen kommen wir nicht nach Berlin." Auch von der Gewerkschaft Transnet, die mit der GDBA eine Tarifgemeinschaft bildet, hieß es, man werde teilnehmen. Die Warnstreiks wollen beide Organisationen bis dahin fortsetzen, die GDL will bis Donnerstag aussetzen.

STREIK BEI DER BAHN - DAS WOLLEN DIE GEWERKSCHAFTEN

Die Ausgangslage

In den Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und den Gewerkschaften geht es um die Entlohnung von rund 134.000 Bahnmitarbeitern. Die Arbeitnehmer werden von drei Gewerkschaften vertreten: Transnet, der Verkehrsgewerkschaft GDBA und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Transnet und GDBA bilden in den laufenden Verhandlungen eine Tarifgemeinschaft. Die GDL ist nicht eingebunden, da sie einen eigenen Spartentarifvertrag fordert und über diesen auch verhandeln will.

Die Gewerkschaft GDL

Die Forderungen der GDL

Die Beamten

Die Gewerkschaften Transnet und GDBA

Die Forderungen von Transnet und GDBA

Nach anfänglichem Zögern zeigte sich auch die GDL zu einem Gespräch bereit. GDL-Chef Manfred Schell betonte allerdings im Bayerischen Rundfunk, dass Mehdorn nicht zu Tarifverhandlungen, sondern lediglich zu Gesprächen eingeladen habe. Schell äußerte zugleich die Hoffnung, dass das Treffen in Tarifverhandlungen münde. Dann sei auch mit einem Ende der Streiks zu rechnen. Die GDL pochte bislang auf getrennte Verhandlungen mit dem Konzern, weil sie einen eigenen Tarifvertrag verlangt und ihre Forderung von bis zu 31 Prozent mehr Lohn deutlich über den Lohnforderungen der anderen Gewerkschaften liegt.

Mehdorn bezeichnete die Forderung als "irrwitzig und nie zu erfüllen". Er warf der GDL "erpresserische Maßnahmen" vor. Die GDL-Forderung nach einem eigenen Tarifvertrag werde die Bahn nicht hinnehmen. "Wir werden eine Spaltung der Mitarbeiter nicht akzeptieren", sagte er.

Bahn-Streik - wen es am Dienstag getroffen hat
Baden-Württemberg ein Schwerpunkt der Streiks; Gewerkschaften haben von 3 bis 9 Uhr den Stuttgarter und Ulmer Hauptbahnhof bestreikt, auch die S-Bahnen in Stuttgart waren betroffen, rund um den Stuttgarter Hauptbahnhof kam der Zugverkehr vorübergehend zum Erliegen; in Tübingen und Heilbronn gab es Behinderungen im Regionalverkehr; die Beschäftigten der Regional-Bus-Stuttgart waren im Ausstand
Bayern ein weiterer Schwerpunkt der Streiks; Regional- und S-Bahnen sind am Morgen bestreikt worden, vor allem in München, Nürnberg und Augsburg; rund um den Nürnberger Hauptbahnhof kam der Zugverkehr vorübergehend zum Erliegen; am Nachmittag fanden Warnstreiks im Regionalverkehrszentrum in München-Pasing statt - der Verkehr dürfte bis zum Abend gestört sein
Thüringen am Morgen kam der Zugverkehr im Süden, vor allem in Eisenach, vorübergehend zum Erliegen; der Fern- und Nahverkehr und das Reisezentrum in Weimar wurden am Nachmittag bestreikt
Hamburg/Schleswig-Holstein am Morgen gab es Streiks in Neumünster; am Mittag legte ein erneuter Warnstreik im Hamburger Hauptbahnhof den S-Bahn-Verkehr lahm
Berlin/Brandenburg am Morgen wurde die Berliner S-Bahn und der Regionalverkehr bestreikt; ab Mittag ruhte der Regionalverkehr zwischen Cottbus und Berlin; auch im Reisezentrum von Cottbus wurde gestreikt
Nordrhein-Westfalen in den Morgenstunden gab es Streiks in Duisburg, Düsseldorf, Köln, Dortmund und Wuppertal; am Nachmittag wurde auch im Containerbahnhof Köln-Eifeltor gestreikt
Rheinland-Pfalz/Saarland Streiks am Morgen vor allem auf der Moselstrecke zwischen Trier und Koblenz
andere Bundesländer von 5 bis 9 Uhr sind bundesweit Lokführer und Zugpersonal im Personen- und Güterverkehr in den Streik getreten; die Auswirkungen werde noch den ganzen Tag über zu merken sein.
Quelle: bahn.de, transnet.org, dpa

sam/AP/Reuters/dpa/AFP

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