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09.07.2007
 

Wall Street im US-Wahlkampf

Hillarys neue Freunde

Von Marc Pitzke, New York

Der US-Wahlkampf 2008 wird der teuerste aller Zeiten - und die Wall Street gibt mehr Geld denn je. Bei den Spenden liegen die Demokraten weit in Führung. Darling der Konzernchefs: Hillary Clinton.

New York - Der Terminplan von Barack Obama ist eng gesteckt. Heute hat er zum Lunch im Heritage in Huntsville, Alabama, geladen - einem piekfeinen Privatclub in der Altstadt. Die Teilnahme kostet 1000 Dollar pro Kopf. Dafür dürfen die Gäste dem demokratischen Präsidentschaftsbewerber die Hand schütteln.

Präsidentschaftskandidatin Clinton: Favoritin der Wall Street
AP

Präsidentschaftskandidatin Clinton: Favoritin der Wall Street

Für Obama noch wichtiger aber ist heute eine etwas intimere Veranstaltung im nahen Birmingham: Dort gibt Jay Grinney, der CEO des US-Klinikgiganten HealthSouth, in seiner Villa an der Overhill Road einen Cocktailempfang für Obama. Kostenpunkt auch hier: 1000 Dollar pro Gast. Oder 2300 Dollar für den, der sich "Co-Gastgeber" nennen will.

Insgesamt 32,5 Millionen Spenden-Dollar hat Obama auf diese Weise, Cocktail für Cocktail, allein im zweiten Quartal 2007 gesammelt. Das Geld benötigt er so dringend wie die anderen Kandidaten, denn schon jetzt ist absehbar: Der US-Wahlkampf 2008 wird zum teuersten aller Zeiten. Experten erwarten, dass er am Ende mindestens 1,4 Milliarden Dollar kostet.

Auch die Wall Street engagiert sich mehr denn je für die Kandidaten - und mit unerwarteten Loyalitäten. Das offenbart ein Blick in die Spendenkonten für 2007, die jetzt in ersten Details einsehbar sind.

Vorbei demnach die Zeiten, in denen Business und Wall Street fest auf Seiten der Republikaner standen, der fiskalisch konservativeren Partei, die sich hernach mit wirtschaftsfreundlichen Gesetzen revanchierte. Diese Ausrichtung gehört mit der Wahl 2008 wohl endgültig der Vergangenheit an. Das Magazin "Fortune" machte sich die Mühe, bei Dutzenden Firmen nachzufragen, und resümiert: "Die Konzernchefs sind zu haben - für beide Seiten."

150 Top-Manager für Hillary

Damit verstärkt sich ein Trend, der erstmals bei der Kongresswahl 2004 zu spüren war: Die Wahlkampfkassen werden wie immer mehrheitlich vom "Big Business" gefüllt - doch nicht mehr zu Gunsten der Rechten.

Die Kongress-Wende 2006, das bodenlose Quotentief von US-Präsident George W. Bush und die zur Stunde größeren Erfolgschancen der Demokraten haben das Blatt gewendet. Sie ziehen mit den Republikanern gleich, was die Finanz-Gunst der Wall Street angeht.

Zwar geben sich die Demokraten gern als Rächer des kleinen Mannes. Obama will "die Leiter zur Mittelklasse" restaurieren, Hillary Clinton streitet für den Mindestlohn, und John Edwards wettert standardmäßig über die "zwei Amerikas".

Trotzdem sind sie sich nicht zu schade, dem großen Geld zu schmeicheln. Aber was bleibt ihnen auch übrig?

Die Kandidaten brauchen Spenden, die Wall Street hat die meisten Ressourcen - und setzt, typisch Börsenclique, lieber auf Gewinner als Verlierer. Allein Hillary Clinton verfügt schon 16 Monate vor dem Wahltag über eine so lange Liste von CEO-Finanziers, dass sie die Mühen des letzten Demokraten-Kandidaten John Kerry 2004 - als die Wirtschaft noch das Bush-Lager sponserte - weit in den Schatten stellt .

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