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Investitionen Die Russen kommen - ins Billiglohnland Deutschland

2. Teil: Teure Fachkräfte in Moskau

In letzter Zeit kommt noch ein anderes Argument hinzu: die hohen Löhne in Moskau und St. Petersburg. Im Vergleich zu ihnen erscheint die Bundesrepublik fast als Billiglohnland – zumindest bei hochspezialisierten Experten. "Die Gehaltssteigerungen in Deutschland sind wesentlich moderater als in Moskau", sagt Kast.

Diese Erfahrung hat auch Igor Jourist gemacht. In den russischen Großstädten findet der Software-Unternehmer einfach keine Fachkräfte mehr. "Programmierer werden direkt von der Uni weggekauft." Beim Lohnniveau gebe es zwischen Russland und Deutschland "eigentlich keinen Unterschied mehr".

Noch arbeiten die Programmierer des Unternehmens in St. Petersburg; in Hamburg beschäftigt Jourist erst sieben Mitarbeiter. Doch das soll sich nun ändern: Seinen Tom-Tom-Translator, ein kleines Handgerät für unterwegs, hat Jourist bereits in Deutschland entwickeln lassen. Bald will er hier auch produzieren.

Imagepflege im Business-Club

Allerdings: Ganz sauber sind die russischen Investoren nicht immer zu ihrem Geld gekommen. In den neunziger Jahren, erzählt Vladimir Papkov, konnten sie "ihre erste Million nur mit einem flexiblen Verständnis von Recht und Gesetz verdienen". Papkov berät mit seiner Agentur Kronstadt russische Firmen, die in Deutschland aktiv werden wollen. Vor allem im Transportsektor verzeichnet er enorme Zuwachsraten – allein im Hamburger Hafen wächst der russisch-deutsche Handel jährlich um 30 Prozent.

Um den sauberen Unternehmern ein Forum zu bieten, hat Papkov zusammen mit Gleichgesinnten die russisch-deutsche Handelsgilde in Hamburg gegründet. Staatsunternehmen dürfen nicht beitreten, die Gildemitglieder verschreiben sich ganz der Marktwirtschaft und einem anständigen Geschäftgebaren. 25 Mitglieder hatte der Verein vor einem Jahr, heute sind es schon 50. Allein in Hamburg, sagt Papkov, repräsentieren sie "Hunderte Arbeitsplätze".

"Der betrügerische Charakter der ersten Periode des Kapitalismus in Russland darf nicht fortgeführt werden", heißt es im Gründungsstatut. Als eine Art Business-Club will die Gilde für ein "neues, positives Image des russischsprachigen Geschäftslebens" werben.

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