Hamburg - Nach dem Brand im Kernkraftwerk Krümmel gibt es beim Energieunternehmen Vattenfall Überlegungen, die Betreiberlizenz für die Reaktoren in Krümmel und Brunsbüttel abzugeben. Nach SPIEGEL-Informationen gab es bereits erste Gespräche, die Lizenz auf den Konkurrenten E.on zu übertragen.
Der Düsseldorfer Energiekonzern E.on, der ohnehin mit 50 beziehungsweise 33 Prozent an den Problemreaktoren beteiligt ist, genießt nach der Pannenserie eine höhere Reputation beim Betreiben von Kernreaktoren als Vattenfall. Er könnte - so die Hoffnung der Branche - die Kraftwerke wieder aus der Kritik nehmen. Bei E.on will man aber vor einer Entscheidung die Aufarbeitung der Vorgänge abwarten.
Vattenfall war in den vergangenen Tagen wegen Pannen in Krümmel und Brunsbüttel massiv in die Kritik geraten. Vor allem die zögerliche Informationspolitik des Unternehmens sorgte für Unmut. Zuletzt hatte sogar die FDP ein Abschalten des Problemreaktors in Krümmel gefordert. Andere Energiekonzerne fürchten derweil, dass Vattenfall die Kernkraft insgesamt in Verruf bringen könnte. Dadurch wäre die von der Branche angestrebte Verlängerung der Atomlaufzeiten in Gefahr.
Sollte sich Vattenfall tatsächlich von Krümmel und Brunsbüttel trennen, wäre das Unternehmen der erste Stromkonzern in Deutschland, der keine Kernkraftwerke betreibt. Die drei großen Mitbewerber E.on
, RWE
und EnBW
haben allesamt eigene Atommeiler.
Nach dem unter Rot-Grün vereinbarten Atomausstieg müsste das letzte deutsche Kernkraftwerk voraussichtlich im Jahr 2021 vom Netz gehen. Die Energiekonzerne hoffen aber bei der nächsten Bundestagswahl auf einen Sieg der Union, und damit auf einen Ausstieg aus dem Ausstieg.
wal
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