Hamburg/Paris – Nur wenige Tage nach der Abschaffung der Doppelspitze bei EADS sagte der designierte Konzernchef Louis Gallois der "Financial Times Deutschland" (FTD), er übe das Vorschlagsrecht für die vier unabhängigen Mitglieder des Verwaltungsrats gemeinsam mit dessen Präsidenten aus. Dies hatten die Beteiligten laut "FTD" bisher verschwiegen - so auch am Montag bei der Bekanntgabe der neuen Führungsstruktur.
Gallois sagte dem Blatt weiter, dass für die Besetzung der Posten unter Umständen auch weiterhin nationale Kriterien gelten würden. Für jeden Franzosen unter den unabhängigen Mitgliedern müsse ein Deutscher ernannt werden und umgekehrt.
Die Berufung von vier unabhängigen Mitgliedern in den elfköpfigen Verwaltungsrat hatte EADS am Montag als Symbol für die Entpolitisierung des Konzerns präsentiert. Dass der Vorstandsvorsitzende bei der Auswahl seiner Aufseher de facto ein Vetorecht habe, sei äußerst ungewöhnlich, schreibt die Zeitung. Normalerweise falle das Vorschlagsrecht dem Präsidenten zu. Dieses Amt soll der Deutsche Rüdiger Grube, Vorstand des Großaktionärs DaimlerChrysler, künftig allein ausüben.
Wann Grubes und Gallois' Mandate enden, ist offenbar noch unklar. Gallois erklärte gegenüber der französischen Zeitung "La Tribune", der Zeitpunkt des Wechsels sei von den Aktionären "noch nicht endgültig geregelt". Man müsse klären, ob man "mit dem Beginn des laufenden Mandates anfängt oder mit einem neuen Datum".
Airbus-Werke werden später verkauft als geplant
Unterdessen prüft EADS Möglichkeiten zur Abwehr von Übernahmeversuchen. Eine Arbeitsgruppe "wird sich damit beschäftigen, wie wir uns vor potentiell unerwünschten Anteilseignern schützen können", sagte Grube "La Tribune". Vergangenes Jahr war die staatliche russische Bank VTB mit einem Anteil von fünf Prozent bei EADS eingestiegen. Zuletzt hatte ein staatlich kontrollierter Fonds aus Dubai ein Paket von gut drei Prozent erworben. Das EADS-Management möchte den staatlichen Einfluss, der wichtige Entscheidungen immer wieder verzögert, am liebsten reduzieren.
Außerdem sollen laut "FTD" die zum Verkauf stehenden Airbus-Werke nun später abgegeben werden als geplant. Interessenten sollten ihre Angebote bis zum kommenden Mittwoch vorlegen, sagte der bisherige Airbus-Chef Gallois der Zeitung. Danach werde sich Airbus entscheiden, mit welchen Parteien exklusiv gesprochen werde. "Die Bekanntgabe wird Anfang September erfolgen", sagte Gallois.
Im Juni hatte er noch angekündigt, die Kandidatenauswahl im Juli abschließen zu wollen. Ebenso sollten bereits im Juli Grundsatzvereinbarungen über den Einstieg unterzeichnet werden. An den niedersächsischen Werken Varel und Nordenham hat bereits der Bremer Raumfahrtkonzern OHB Technology Interesse angemeldet. Der Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Diehl hat beim Airbus-Werk Laupheim den Finger gehoben.
tno/ddp/Reuters/dpa
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