Wirtschaft



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23.07.2007
 

Umfrage in Industrieländern

Mehrheit pfeift auf Globalisierung

Horrende Ungerechtigkeiten, wachsende Einkommensunterschiede: So sieht für viele Bürger in den Industrieländern die Globalisierung aus. Das ergab eine Umfrage der "Financial Times". Und die Wut wächst. Viele Menschen fordern deshalb etwa gesetzliche Einkommensschranken.

Hamburg – Politiker und Wirtschaftswissenschaftler predigen stur den ökonomischen Segen von fallenden Zollschranken und weltweiten Handelsströmen – die Bürger empfinden die Globalisierung trotzdem als Bedrohung. Und das in den USA genauso wie in Europa. Das zeigt eine große Umfrage, die das Meinungsumfrage-Institut Harris im Auftrag der "Financial Times" durchführte. In den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien befragten die Wissenschaftler jeweils mehr als 1000 Menschen online.

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DPA

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In Großbritannien, den USA und Spanien glauben demnach weniger als ein Fünftel der Befragten, dass die Globalisierung den Menschen vor allem Gutes gebracht hat. In Italien waren es etwas über 20 Prozent, in Deutschland weniger als 40 Prozent. Eine überwältigende Mehrheit erklärte, die Folgen der Globalisierung seien eher negativ.

Besonders erschreckend: In allen Ländern mit Ausnahme von Spanien glauben mehr als drei Viertel der Menschen, dass die Einkommensunterschiede zwischen Armen und Reichen in ihren Ländern immer größer werden. Diese auseinanderklaffenden Einkommen erregen bei vielen offensichtlich große Wut. Außer in den USA und in Deutschland war jedenfalls in allen Ländern eine Mehrheit von um die 60 Prozent dafür, gesetzliche Einkommensgrenzen für Manager festzuschreiben. In Deutschland forderten immerhin noch um die 50 Prozent eine solche Deckelung der Einkommen. In den USA waren es dagegen nur über 30 Prozent.

Ausnahmslos in allen Ländern waren die befragten US-Bürger aber in ihrer Mehrheit dafür, reiche Menschen stärker zu besteuern als arme. Mit immerhin noch 52 Prozent war die Zustimmung in Frankreich zu dieser Forderung am geringsten – zur Überraschung der Wissenschaftler, die die Umfrage durchführten. Schließlich haben die Gewerkschaften in Frankreich traditionell einen extrem hohen Einfluss und der Staat greift oft stark ins Wirtschaftsleben ein.

Bei der Frage, ob alle Menschen die gleichen Möglichkeiten haben, ihre Potentiale zu nutzen, zeigten sich starke länderspezifische Unterschiede. Paradoxerweise empfanden die Menschen in den beiden Ländern, in denen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge die Chancengleichheit am geringsten ist, die Situation am gerechtesten. So glaubten in den USA über 40 Prozent, dass im Land jeder die gleichen Möglichkeiten zur Nutzung seiner Potentiale hat, in Großbritannien waren es fast 40 Prozent. In Frankreich, Italien und Spanien hingegen glaubten nicht einmal 20 Prozent an die Verwirklichung der Chancengleichheit, in Deutschland rund 30 Prozent.

Auch auf die Frage, ob der freie Wettbewerb eins der vornehmlichen Ziele der Europäischen Union bleiben sollte, gab es sehr unterschiedliche Antworten. In Frankreich sprachen sich am wenigsten Menschen dafür aus – aber immerhin noch über 40 Prozent. In Italien wünschten sich mit 80 Prozent die meisten Menschen, dass die EU den freien Wettbewerb vorantreibt. Den US-Bürgern wurde diese Frage nicht gestellt.

ase

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