Hamburg – Politiker und Wirtschaftswissenschaftler predigen stur den ökonomischen Segen von fallenden Zollschranken und weltweiten Handelsströmen – die Bürger empfinden die Globalisierung trotzdem als Bedrohung. Und das in den USA genauso wie in Europa. Das zeigt eine große Umfrage, die das Meinungsumfrage-Institut Harris im Auftrag der "Financial Times" durchführte. In den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien befragten die Wissenschaftler jeweils mehr als 1000 Menschen online.
In Großbritannien, den USA und Spanien glauben demnach weniger als ein Fünftel der Befragten, dass die Globalisierung den Menschen vor allem Gutes gebracht hat. In Italien waren es etwas über 20 Prozent, in Deutschland weniger als 40 Prozent. Eine überwältigende Mehrheit erklärte, die Folgen der Globalisierung seien eher negativ.
Besonders erschreckend: In allen Ländern mit Ausnahme von Spanien glauben mehr als drei Viertel der Menschen, dass die Einkommensunterschiede zwischen Armen und Reichen in ihren Ländern immer größer werden. Diese auseinanderklaffenden Einkommen erregen bei vielen offensichtlich große Wut. Außer in den USA und in Deutschland war jedenfalls in allen Ländern eine Mehrheit von um die 60 Prozent dafür, gesetzliche Einkommensgrenzen für Manager festzuschreiben. In Deutschland forderten immerhin noch um die 50 Prozent eine solche Deckelung der Einkommen. In den USA waren es dagegen nur über 30 Prozent.
Ausnahmslos in allen Ländern waren die befragten US-Bürger aber in ihrer Mehrheit dafür, reiche Menschen stärker zu besteuern als arme. Mit immerhin noch 52 Prozent war die Zustimmung in Frankreich zu dieser Forderung am geringsten – zur Überraschung der Wissenschaftler, die die Umfrage durchführten. Schließlich haben die Gewerkschaften in Frankreich traditionell einen extrem hohen Einfluss und der Staat greift oft stark ins Wirtschaftsleben ein.
Bei der Frage, ob alle Menschen die gleichen Möglichkeiten haben, ihre Potentiale zu nutzen, zeigten sich starke länderspezifische Unterschiede. Paradoxerweise empfanden die Menschen in den beiden Ländern, in denen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge die Chancengleichheit am geringsten ist, die Situation am gerechtesten. So glaubten in den USA über 40 Prozent, dass im Land jeder die gleichen Möglichkeiten zur Nutzung seiner Potentiale hat, in Großbritannien waren es fast 40 Prozent. In Frankreich, Italien und Spanien hingegen glaubten nicht einmal 20 Prozent an die Verwirklichung der Chancengleichheit, in Deutschland rund 30 Prozent.
Auch auf die Frage, ob der freie Wettbewerb eins der vornehmlichen Ziele der Europäischen Union bleiben sollte, gab es sehr unterschiedliche Antworten. In Frankreich sprachen sich am wenigsten Menschen dafür aus – aber immerhin noch über 40 Prozent. In Italien wünschten sich mit 80 Prozent die meisten Menschen, dass die EU den freien Wettbewerb vorantreibt. Den US-Bürgern wurde diese Frage nicht gestellt.
ase
Auf anderen Social Networks posten:
Ökonomische Zwänge können den gleichen Druck entwickeln wie Naturgesetze. Es waren auch nicht nur politische Entscheidungen, die hier gewirkt haben, sondern auch die technische Weiterentwicklung. Auch die politischen [...] mehr...
Was für ein Blödsinn. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer. Und etwa die HÄLFTE der Menschheit muss von ca. 2 Dollar am Tag leben. Und knapp 1 Mrd. muss von 1 Dollar am Tag leben. Fortschritte gab es hauptsächlich [...] mehr...
Das römische Reich war, in der Tat, schon ziemlich globalisiert. Ausgestreckt zumindest auf dem in Europa bekanntem Terrain. Die ganze Sache brachte allerdings nicht nur Freude und Freunde. Schließlich waren die Römer eine [...] mehr...
Nein, da liegen Sie falsch. Laut UNO-Bericht leben 300 Millionen in Armut (weniger als 1 Dollar pro Tag zum Leben). Das sind nur 5 Prozent der Weltbevölkerung. mehr...
... und endete dann wie ? Die Demokratie ist die wohl anspruchsvollste und gefährdetste Staatsform. Die antiken Demokratien in Athen und Rom stellen Vorläufer der heutigen Demokratien dar, denen wesentliche Elemente moderner [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH