Wirtschaft



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25.07.2007
 

Führungsschwächen

Deutsche Manager fallen bei Finanzinvestoren durch

Von Sabine Dembkowski

2. Teil: Strategische Erfahrung und Shareholder-Perspektive

Kriterium 4: Strategische Erfahrung

Eine der größten Schwächen der deutschen Manager ist die mangelnde Fähigkeit zu unabhängigem strategischem Denken und Handeln. Die Investoren kritisieren vor allem, dass es "zu wenige Kaliber im deutschen Markt gibt, die wirklich solide strategische Erfahrungen haben". Die wenigsten können eine Strategie entwickeln, sie in konkrete Maßnahmen übersetzen und mit den Ressourcen des Unternehmens umsetzen. Die Investoren teilen die Mehrzahl der Manager in zwei Kategorien ein:


Die ehemaligen Strategieberater. Die Anzahl derer, die tatsächlich Werte geschaffen haben, ist sehr klein. Die meisten haben ihre Position aufgrund ihres guten Lebenslaufs erhalten, konnten aber selten liefern, was sie versprachen.

Die Verwalter. Sie haben hervorragende operative Fähigkeiten, können jedoch nicht über den Tellerrand hinausblicken und einen guten Aktionsplan entwickeln.

Um vor einem Investor bestehen zu können, müssen Manager nachweisen, welche Strategien sie bisher entwickelt und mit welchem Ergebnis sie diese umgesetzt haben.

Kriterium 5: Shareholder-Perspektive

So wie bei der Entwicklung von Produkten die Bedürfnisse des Kunden berücksichtigt werden müssen, wollen auch Investoren ihre Interessen gewahrt wissen. Eine Interviewpartnerin argumentierte: "Brutal gesprochen: Wie die von uns geforderten Ergebnisse erreicht werden, ist uns im Grunde egal. Man darf es eigentlich nicht laut sagen: Aber Unternehmen sind für uns eine Geldquelle. Das Management muss unsere Forderungen erfüllen, sonst werden Personen ausgewechselt ... das ist nicht immer im Sinne des Unternehmens und schon gar nicht im Sinne der Mitarbeiter."

Häufig ist es jedoch so, dass die Anforderungen an die Manager und die Zwänge, unter denen Investoren selbst stehen, nicht verstanden werden. Denn auch bei den Investoren herrscht ein gnadenloser Wettbewerb um Kapital.

Gekämpft wird auf zwei Ebenen. Zum einen zwischen den Gesellschaften.

Wenn ein Investor bei einem Deal 120 Prozent Nettokapitalrendite erwirtschaftet hat, steht ein anderes Unternehmen mit 30 Prozent eher mickrig da. Zum anderen stehen auch die Mitarbeiter innerhalb einer Gesellschaft unter Druck, die besten Renditen zu erwirtschaften.

Diesen Druck geben die Investoren an das Management weiter. Sie schätzen die Führungskräfte nach dem Motto ein: "Traue ich ihm zu, dass er das, was er erzählt, auch umsetzen kann?" Einem Manager muss deshalb klar sein, dass vor allem angelsächsische Investoren nicht nur in das Potenzial des Unternehmens investieren, sondern auch in die Fähigkeiten einzelner Manager. Die Qualifikation ist Teil der Renditerechnung - entsprechend fällt die Reaktion aus, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden, wie das bei der Deutschen Telekom unter dem ehemaligen Vorstands-vorsitzenden Kai-Uwe Ricke der Fall war. Angelsächsische Topmanager lassen sich gezielt coachen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. In Deutschland setzt sich dies erst langsam durch.

Vielen deutschen Managern fehlt es auch an der Fähigkeit zur Selbstdarstellung, die meisten seien viel zu altbacken, kritisieren einige der Investoren. Eloquente Redner, die sich mit Substanz präsentieren können, sind selten. Außerdem können nur wenige Manager ihre Ideen und Pläne plausibel und transparent gegenüber angelsächsischen Investoren darstellen - und verkaufen sich unter Wert. Auch das kann den Job gefährden.

Gute Chancen haben Manager, die nachweisen können, dass sie erfolgreich gearbeitet haben. Das heißt, sie haben dafür gesorgt, dass die Investoren ein Minimum von durchschnittlich 30 Prozent Nettokapitalrendite pro Jahr erzielt haben. Wie hoch der Druck auf das Management ist, spiegelt das Zitat eines Private-Equity-Investors wider: "Ich stelle keinen Mitarbeiter in meinem Unternehmen ein, der nicht mindestens 50 Prozent Return on Investment pro Jahr erwirtschaftet."

Wer derlei Erfolge nachweisen kann, ist auf der internationalen Target-Liste und wird von den Investoren aktiv ins Gespräch gebracht, wenn es darum geht, entscheidende Toppositionen zu besetzen. Die Empfehlung der Investoren hat im Aufsichtsrat Gewicht und gibt häufig den Ausschlag.

Die Top-Führungskräfte eines Unternehmens spielen eine entscheidende Rolle für Investoren. Heute mehr denn je, da es schwieriger geworden ist, die gewünschten Renditen zu erreichen. Um eine Investition erfolgreich abzuschließen, spielt die Optimierung interner Prozesse eine größere Rolle - und so wird auch die Qualifikation der Führungskräfte immer stärker geprüft. Wollen Manager einen Wechsel bei den Shareholdern überleben, müssen sie daher deren Anforderungen kennen und sich darüber klar sein: Bei den Sondierungsgesprächen vor einem Investment geht es den potenziellen Shareholdern nicht nur um weitere Fakten über das Unternehmen, sondern bereits zu diesem Zeitpunkt um die Kompetenz des Managements.

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