Von Nils-Viktor Sorge, Montabaur
Lokaler Platzhirsch ist United Internet (1&1, gmx.de, web.de) mit 800 Mitarbeitern. Chef und Großaktionär Ralph Dommermuth kommt aus dem Westerwald und hat kräftig in Büroimmobilien am Bahnhof investiert. Seinen schwarzen Ferrari will er auch in Zukunft regelmäßig vor der Firmenzentrale in Montabaur parken. Die soll trotz dringenden Erweiterungsbedarfs in der Stadt bleiben - nicht zuletzt wegen der guten Verkehrsanbindung.
Die günstige Lage entdecken derweil auch immer mehr Pendler aus Köln und Frankfurt und ziehen in die Region. Schon im Bahnhofsgebäude locken Immobilienangebote auf riesigen Postern. Einfamilienhäuser mit 150 Quadratmeter Wohnfläche und 800 Quadratmetern Garten gibt es für etwa 190.000 Euro - in den Ballungsräumen kann man davon nur träumen. Da leistet sich mancher eine BahnCard 100 für 3400 Euro, die ein Jahr lang zur freien Fahrt berechtigt.
Doch die Immobilienpreise in Montabaur und Umgebung ziehen wegen des Zustroms bereits deutlich an. "Es ist ein Aufschwung ohne Gleichen", sagt Hans-Peter Strotkamp, der Vorsitzende des Oberen Gutachterausschusses Rheinland-Pfalz. Während der Markt im Bundesland eher schlecht laufe, erreichten die Grundstückspreise in Montabaur immer neue Höhen. Zwischen 1996 und 2006 legten sie um 82 Prozent zu, im gesamten Bundesland betrug die Steigerung nur 35,7 Prozent.
Nachbarstädte blicken neidisch nach Montabaur
Montabaurs ICE-Bahnhof, von manchen einfach kurz "Itze" genannt, wirkt wie ein Magnet. Die Stadt, deren altes Zentrum anderthalb Kilometer südlich liegt, orientiert sich nun nach Norden. "So war es auch vor hundert Jahren - die Stadt wächst zum Bahnhof", sagt Wirtschaftsförderin Lydia Berressem. Ein ganzer Stadtteil, auch mit Wohnhäusern, soll entstehen, wo jetzt noch Schutt und Bauzäune dominieren. "Es beginnt für uns eine neue Epoche", sagt Bürgermeister Mies.
Die Nachbarstädte beäugen das Geschehen in Montabaur nicht immer wohlwollend. Koblenz etwa, das Oberzentrum am Mittelrhein, fürchtet um seine traditionelle Vormachtstellung. Die Stadt zieht zusammen mit anderen Gemeinden gegen ein geplantes Factory Outlet Center am Bahnhof vor Gericht. Die Sorge: Montabaur könnte zu viel Kaufkraft abziehen. "Viele beneiden uns", sagt Wirtschaftsförderer Noll.
Doch die Westerwälder arbeiten bereits an ihrem nächsten Coup. Mit der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport verhandelt die Wirtschaftsförderung über eine engere Kooperation. Ein Ziel: Künftig soll es möglich sein, am ICE-Bahnhof direkt für den Flieger einzuchecken. "Einmal Montabaur-New York" könnte es dann heißen. Die Kleinstadt wäre einen Schritt weiter auf dem Weg zur wohl kleinsten Metropole der Welt.
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