Wirtschaft



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25.07.2007
 

Teure Energie

Immer mehr Verbraucher wechseln ihren Stromanbieter

Hohe Strompreise, Pannen in Atomkraftwerken - Millionen Verbraucher haben daraus Konsequenzen gezogen. Jüngsten Schätzungen zufolge hat fast jeder zweite Stromkunde seinen Anbieter oder Tarif schon einmal gewechselt. Ökostrom-Unternehmen verzeichnen einen Zulauf wie noch nie.

Berlin - Allein in diesem Jahr haben mehrere Millionen Verbraucher ihren Stromanbieter oder ihren Stromtarif gewechselt. Insgesamt hätten bereits 40 bis 50 Prozent der deutschen Haushalte mindestens einmal irgendwann einen neuen Tarif oder Anbieter gewählt, sagte eine Sprecherin des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) unter Berufung auf vorläufige Schätzungen. Ende des vergangen Jahres traf dies nur auf ein Drittel zu. Laut Deutscher Umwelthilfe verzeichnen Öko-Strom-Anbieter den größten je gemessenen Zulauf.

Steckdose: Die Bereitschaft zum Energiesparen wächst
AP

Steckdose: Die Bereitschaft zum Energiesparen wächst

Derzeit gibt es rund 39 Millionen private Stromkunden in Deutschland. Davon haben laut VDEW-Schätzung schon mehr als 15 Millionen einmal den Tarif gewechselt. Allein seit Jahresbeginn wählten demnach mindestens drei Millionen deutsche Haushalte einen neuen Stromtarif oder einen neuen Anbieter. Aus den VDEW-Schätzungen geht nicht hervor, wie viele Menschen tatsächlich ihrem Anbieter den Rücken kehrten und wie viele lediglich einen anderen Tarif ihres Anbieters wählten. Die freie Wahl ist seit der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 1998 möglich.

Die VDEW-Sprecherin sagte, für die vielen Wechsler sei auch die Vielzahl der neuen Angebote der Stromanbieter verantwortlich. So böten die meisten Firmen inzwischen neben dem Grundversorgungstarif zwei bis vier weitere Angebote, etwa günstigere Online-Offerten oder Öko-Strom-Tarife.

Viele Stromanbieter hatten zum Jahresbeginn, zahlreiche weitere zum 1. Juli ihre Grundversorgungstarife erhöht. Zum 1. August wollen laut Verbraucherportal Verivox nochmals mehr als 50 Anbieter erhöhen. Laut VDEW dürften die Strompreise in diesem Jahr um durchschnittlich rund fünf Prozent höher liegen als im Vorjahr.

Laut der Umweltschutzorganisation Deutsche Umwelthilfe (DUH) bescherte außerdem die Diskussion um die Störfälle in den Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel den Öko-Stromanbietern den größten jemals gemessenen Zulauf. So bekomme der Anbieter Lichtblick derzeit mehr als 1000 neue Kunden pro Tag, sagte Michael Meyer, Öko-Strom-Experte der DUH unter Berufung auf eine aktuelle Umfrage seiner Organisation bei den Öko-Stromanbietern.

Schon der Juni sei für die Firma Lichtblick der beste Monat in der Unternehmensgeschichte gewesen, ebenso wie für die Elektrizitätswerke Schönau, die bundesweit Öko-Strom anbieten. Auch Greenpeace Energy und Naturstrom hätten einen "signifikanten Anstieg an Neukunden", sagte DUH-Experte Meyer. Laut VDEW hatten zwei bis drei Prozent der deutschen Haushalte zum Ende des vergangenen Jahres einen Öko-Stromanbieter. Aktuellere Zahlen gebe es noch nicht.

Angesichts steigender Strompreise und der Debatte um den Klimawandel gehen die deutschen Verbraucher nach eigenen Angaben auch immer sparsamer mit Energie um. 73 Prozent der Deutschen gaben im April dieses Jahres an, sich stark darum zu bemühen, Energie zu sparen, wie aus einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für den VDEW hervorgeht. Im Herbst des vergangenen Jahres hatten dies bei derselben Umfrage 65 Prozent angegeben.

68 Prozent der Deutschen sprachen sich für das Energiesparen aus, auch wenn sie dafür Einbußen beim Komfort hinnehmen müssten. Bei einer entsprechenden Umfrage im Jahr 2000 hatten dies nur 56 Prozent der Befragten angegeben. Der repräsentativen Umfrage zufolge nutzen inzwischen 85 Prozent der deutschen Haushalte Energiesparlampen. Im Jahr 1996 waren es 73 Prozent.

wal/AFP

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