Wiesbaden - Die Zahlen des Statistischen Bundesamts sprechen eine deutliche Sprache: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres erzielten die Einzelhändler in Deutschland 0,8 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahreszeitraum. Real, also unter Berücksichtigung der Inflation, nahmen die Händler sogar 1,5 Prozent weniger ein.
Schaufenster in Dresden: Herber Rückschlag für die Gesamtwirtschaft
Der Rückgang ist für die Gesamtwirtschaft ein herber Rückschlag. Wegen des anhaltenden Aufschwungs und der sinkenden Arbeitslosenzahlen hatten Ökonomen eigentlich einen steigenden Privatkonsum erwartet.
Auch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelte in den vergangenen Monaten eine wachsende Anschaffungsbereitschaft der Verbraucher. Doch die theoretisch vorhandene Kauflust wird offenbar nicht in die Tat umgesetzt.
Allein im Monat Juni registrierte das Statistische Bundesamt einen Umsatzrückgang im Einzelhandel von nominal 0,2 Prozent. Real entspricht dies einem Minus von 0,8 Prozent. Im Mai hatten die Händler nach revidierten Zahlen sogar einen Rückgang um 3,6 Prozent (nominal) beziehungsweise 4,2 Prozent (real) verzeichnen müssen.
Die Probleme im Einzelhandel können also nicht allein mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer im Januar erklärt werden. Offensichtlich halten die Deutschen ihr Einkommen immer noch für zu niedrig, um es zu verkonsumieren.
Besonders schlecht schnitten Waren- und Kaufhäuser sowie der Versandhandel ab. Deutlich war der Umsatzrückgang auch bei Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren. Hier nahmen die Händler im Juni real 3,0 Prozent weniger ein als im Vorjahresmonat.
Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stieg der Umsatz dagegen. Zuwächse gab es bei Bekleidung, Kosmetik und Pharmazeutika. Das größte Plus erzielte der Facheinzelhandel.
wal/ddp/AP/dpa
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