Tatsächlich räumen einzelne Banken Schwierigkeiten ein. So hat die Commerzbank
nach eigenen Angaben 1,2 Milliarden Euro im amerikanischen Subprime-Markt investiert. Dadurch werde das Ergebnis der Bank im zweiten und dritten Quartal mit jeweils 40 Millionen Euro belastet, sagt ein Sprecher. Auf die Gewinnprognose werde dies aber keinen Einfluss haben, weil der Effekt in anderen Bereichen kompensiert werde.
Entwarnung gibt
dagegen die Deutsche Bank. Das größte deutsche Geldhaus konnte heute hervorragende Zahlen vorlegen. Vorstandschef Josef Ackermann zeigte sich von der Krise am amerikanischen Immobilienmarkt unbeeindruckt. Sein Unternehmen, sagte er, sei bei der Übernahme solcher Risiken sehr vorsichtig gewesen. Analysten bemängelten allerdings, dass die Deutsche Bank
in einer Telefonkonferenz viele Fragen zu dem Thema offen gelassen habe.
An den Aktienmärkten machte sich heute Verunsicherung breit. Der Dax brach am Morgen um fast 2,5 Prozent ein, allein das Papier der Deutschen Bank verlor bis zu 3,5 Prozent. Auch an anderen europäischen Börsen kam es zu starken Kursverlusten. Zuvor hatte die zehntgrößte US-Hypothekenbank American Home Mortgage Investment mitgeteilt, dass ihre Gläubiger nicht bedient werden könnten.
Staatshilfe für private Zocker?
Derweil hat die US-Krise eine politische Debatte in Deutschland angestoßen. Ist es nötig, dass eine staatliche Bank wie die KfW einer anderen Bank wie der IKB unter die Arme greift - nur weil die sich verzockt hat?
Beim Bund der Steuerzahler ist man jedenfalls entsetzt. Gewinne privatisiert, Verluste sozialisiert - so könne man mit öffentlichen Geldern nicht umgehen. Auch FDP-Finanzexperte Frank Schäffler poltert: "Die Beihilfe der KfW an die IKB ist ein ordnungspolitischer Sündenfall auf Kosten des Steuerzahlers." Die EU-Kommission kündigte an, den Milliarden-Zuschuss der KfW zu untersuchen.
Die Bankenbranche selbst begrüßt dagegen das Engagement der KfW. "Das ist schon okay", sagt ein Interessenvertreter aus dem Bereich der Privatbanken. "Ansonsten wäre der ganze Markt in Schwierigkeiten geraten, und das wäre für den Finanzplatz Deutschland insgesamt problematisch." Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge sind Privatbanken wie die Deutsche Bank und die Commerzbank sogar direkt an der Rettung der IKB beteiligt. Es gebe eine "gemeinsame Aktion" mit der KfW, sagte ein Insider.
Laut "SZ" profitieren die Privatbanken allerdings auch vom Eingreifen der KfW. So sollen mehrere große Häuser Millionenbeträge an die IKB verliehen haben. Wäre die IKB zusammengebrochen, hätten also auch andere Institute Geld verloren.
Dass die KfW im Falle eines Falles auch bei anderen Banken einspringt, hält die Branche indes für ausgeschlossen. "Die IKB war ein Sonderfall", sagt ein Lobbyist. "Schließlich ist die KfW bei ihr der Hauptaktionär." Ein ähnliches Vorgehen wäre bei anderen Banken deshalb undenkbar.
Auch die Bundesregierung hält die Probleme bei der IKB für ein "lokales Ereignis". Für eine allgemeine Krise im Bankensektor gebe es keine Anzeichen, sagt ein Sprecher des Finanzministeriums. Auswirkungen auf den Bundeshaushalt habe das Eingreifen der KfW nicht.
Mit Material von Reuters
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