Von Kai Lange
Zum Beispiel TXU: Die Übernahme des texanischen Energieversorgers durch die Finanzinvestoren KKR, Texas Pacific Group und Goldman Sachs Capital Partners war im Februar dieses Jahres mit einem Volumen von 44 Milliarden Dollar zeitweise der weltgrößte Übernahmedeal. Doch noch haben die teilnehmenden Banken ihre Kredite nicht vollständig weitergeben können, der Deal ist nicht abgeschlossen.
Auch für die Übernahme des Anbieters für elektronische Bezahlsysteme First Data steht die Finanzierung noch aus. First Data soll Hochzinsanleihen im Wert von acht Milliarden Dollar am Markt platzieren, um dem Käufer KKR das nötige Kleingeld zuzuspielen. Hedge-Fonds, bislang verlässliche Interessenten für hoch verzinste Junk Bonds, dürften nach dem Fall Bear Stearns jedoch vorsichtiger agieren. Insgesamt ist die Übernahme von First Data rund 28 Milliarden Dollar wert.
Auch in der zweiten Reihe rumort es. Chrysler ist nicht der einzige "kleinere" Leveraged Buy-out, dessen Finanzierung zu haken beginnt. Auch die von KKR übernommene US Foodservice konnte vor wenigen Wochen eine rund 3,5 Milliarden schwere Anleihe nicht wie gewünscht am Markt platzieren, die Investmentbanken müssen einen neuen Anlauf wagen. Ebenso war die Platzierung von Schuldverschreibungen des US-Autozulieferers Allison Transmission geplatzt, den General Motors
an Finanzinvestoren veräußert hatte.
Nach Schätzungen von Thomson Financial müssen in den USA bis Jahresende noch Anleihen im Wert von mehr als 200 Milliarden Dollar im Markt platziert werden. Wie glatt das geht, hängt auch vom Zustand der US-Konjunktur und der Stärke der einzelnen Unternehmen ab. Ein Kreditstau würde nicht nur Private-Equity-Gesellschaften ausbremsen, sondern auch die Expansion und Restrukturierung der Unternehmen weltweit verteuern.
Signale auch in Europa
In Europa hatte kürzlich der britische Pharmakonzern Alliance Boots Probleme, Bankdarlehen wie geplant zu platzieren. Ein Teil der vom Käufer KKR aufgenommenen Kredite konnte nur dadurch an den Markt weitergegeben werden, dass einige der nachrangigen Darlehenstranchen unter ihrem Nennwert ausgegeben wurden. Dies bedeutet in der Praxis, dass die beteiligten Investmentbanken einen Teil ihrer Provisionen an die Investoren am Kapitalmarkt weiterreichen, um die Kredite aus ihren Büchern zu bekommen.
"Fremdfinanzierte Übernahmen müssen jetzt nicht zwangsläufig platzen", sagt Matthias Volkmer, Analyst bei der Ratingagentur Fitch. Doch eine Rückkehr des Risikobewusstseins könnte dafür sorgen, dass es zu einer Kräfteverschiebung zwischen Private-Equity-Investoren und ihren Kreditgebern kommt: "Bisher konnten Finanzinvestoren die Bedingungen weitgehend bestimmen, weil Kreditgeber Schlange standen", sagt Volkmer. Er hält es für unwahrscheinlich, dass einige der schon beschlossenen Übernahmen jetzt noch scheitern. "Die beteiligten Banken haben als Kreditgeber unterschrieben und das Geld zur Verfügung gestellt - sie müssen jetzt nur sehen, wie sie die Darlehen weiterreichen", sagt der Ratingexperte.
Für die Kreditinstitute beginnt nun jedoch ein Wettlauf gegen die Zeit. "Die Akteure sind darum bemüht, die Kredite bis Jahresende aus ihren Büchern bekommen - andernfalls wird es für sie sehr schwierig, neue Deals zu finanzieren", sagt Volkmer.
Chancen für die Finanzierung neuer Übernahmen gebe es erst dann, wenn die alten abgearbeitet und Darlehen weitergereicht seien. Sonst entstünde für die Kreditgeber ein Klumpenrisiko, das sich kaum eine Investmentbank wird erlauben können. Ein solches Szenario dürfte für den Fusions- und Übernahmemarkt einen empfindlichen Rückschlag bedeuten.
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