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US-Verbraucher "Die Mittelklasse leidet unter Konsumdruck"

2. Teil: Wieso es dem Durchschnittsamerikaner nicht egal ist, wie protzig Bill Gates oder Larry Ellison leben

SPIEGEL ONLINE: Kann es dem Lehrer oder der Büroangestellten nicht egal sein, dass sich Larry Ellison eine protzige Jacht anschafft und Bill Gates in einem Palast residiert?

Frank: Natürlich stellt die Mittelklasse ihre Konsumgewohnheiten nicht um, nur weil sie Fotos von Luxusvillen sieht. Darüber ärgert man sich nicht, man fühlt sich eher amüsiert. Der Effekt ist indirekt: Wenn die Reichsten der Reichen größere Häuser kaufen als früher, verleiten sie die soziale Schicht direkt unter ihnen, ebenfalls mehr auszugeben. Das setzt sich fort - bis nach ganz unten. Eine vernünftige Dinner-Party hat man früher für 30 Leute gegeben. Heute lädt man 40 ein - also brauchen Sie ein größeres Esszimmer.

SPIEGEL ONLINE: Eine vernünftige Familie müsste trotzdem sagen: Wir können uns dieses Haus nicht leisten, wir kaufen ein kleineres.

Frank: Wenn Sie sich für ein billigeres entscheiden, heißt das in der Regel, dass Sie in einem schlechteren Viertel wohnen. Dann gehen Ihre Kinder auf minderwertige Schulen, denn in den USA werden Schulen über das lokale Steueraufkommen finanziert. Für Normalverdiener ist das ein schmerzhaftes Dilemma. Genauso gut könnte man sagen: Ich brauche kein großes Auto, ein Honda Civic reicht. Scheinbar vernünftig – doch dann fahren um Sie auf dem Highway lauter wuchtige SUVs herum. Ihre Sparsamkeit bezahlen Sie mit einem gestiegenen Risiko, bei einem Unfall zu sterben.

SPIEGEL ONLINE: Also spart der Mittelklasse-Amerikaner lieber anderswo?

Frank: Es kommt immer öfter vor, dass auch Mittelklasse-Familien keine Gesundheitsversicherung besitzen. Wird einer krank, ist der Privatbankrott der nächste Schritt. Die USA sind ein reiches Land, aber wir geben unser Geld auf seltsame Weise aus. Wir haben genug für den erstaunlichsten Luxus – aber zu wenig für ganz Grundlegendes.

SPIEGEL ONLINE: Eine typisch europäische Lösung wäre: Rauf mit den Steuern für Spitzenverdiener!

Frank: Wenn Sie den Verdienst besteuern, schadet das der Sparquote. Außerdem verleiten hohe Einkommensteuern manche Wohlhabende zur Steuerflucht. Sinnvoller ist es, das Sparen und Investieren auch bei Beziehern extrem hoher Einkommen zu fördern – ihnen aber den Anreiz zu nehmen, exzessiv viel für Unproduktives auszugeben.

SPIEGEL ONLINE: Sie schlagen eine Steuer auf Konsum vor ...

Frank: ... ja, eine Konsumsteuer mit progressivem Satz. Jeder bekommt einen Freibetrag, zum Beispiel 7500 Dollar pro Jahr. Wer netto mehr für Konsum ausgibt, wird zunächst mit 20 Prozent belastet. Ab 100.000 Dollar Konsum wären es 34 Prozent – und ab fünf Millionen Dollar würde der Satz sehr hoch, meinetwegen 200 Prozent.

SPIEGEL ONLINE: Die Konsumsteuer wäre dann viel höher als der Kaufpreis. Damit werden Sie sich viele Feinde machen.

Frank: Es scheint vielleicht, als könnten reiche Amerikaner ihren Lebensstandard dann nicht mehr halten. Aber sehen Sie, bei einem Ausflug nach New York habe ich neulich erfahren, dass es Lieferengpässe bei 45.000-Dollar-Uhren gibt – so viele werden davon verkauft! Patek Philippe bot sogar eine Armbanduhr für 2,7 Millionen Dollar an. Eine progressive Konsumsteuer gäbe den reichsten Amerikanern einen Anreiz, sich billigere Armbanduhren und kleinere Villen anzuschaffen. Wäre das ein so großes Opfer? Außerdem: Wenn Reiche ihr Einkommen sparen und investieren statt zu konsumieren, wäre das nach meinem Plan steuerfrei - für viele hochattraktiv.

SPIEGEL ONLINE: Aber im Ernst: Eine so radikale Änderung des US-Steuersystems ist weder mit Demokraten noch Republikanern zu machen.

Frank: Im Moment wohl nicht. In zehn Jahren vielleicht schon. Die USA sind ein interessantes Land: Wir gehen manchmal verrückte Wege und verzetteln uns, aber auf lange Sicht siegt meist der Pragmatismus. Es gab im Übrigen schon 1995 einen Vorschlag im Senat für eine Konsumsteuer, vom Republikaner Pete Domenici und dem Demokraten Sam Nunn. So radikal kann die Idee also nicht sein.

SPIEGEL ONLINE: Selbst wenn sich Ihr Vorschlag nicht durchsetzt: Die nächste US-Regierung wird unweigerlich viele der Steuervorteile für Spitzenverdiener zurücknehmen, die unter George W. Bush eingeführt wurden.

Frank: Diese Privilegien laufen automatisch aus, wenn sie nicht verlängert werden. Und verlängern kann man sie nicht, sonst explodiert das Staatsdefizit. Auch viele Republikaner sehen das so. Die Wahl wird aber wahrscheinlich von den Demokraten gewonnen. Wenn Ihnen jemand sagt, die Chance für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten 2008 stehe 50 zu 50 oder besser, und er bietet Ihnen eine Wette an – dann leihen Sie sich so viel Geld, wie Sie irgendwie können, und wetten Sie dagegen.

Das Interview führte Matthias Streitz

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ist eine richtige bezeichnung für die beobachtung allerdings sollte man bedenken, dass durch konsum auch arbeitsplätze geschaffen werden
Zitat von sysopAmerikas Normalverdiener stecken in der Finanzklemme: Obwohl sie kaum mehr Geld haben als vor 20 Jahren, geben sie immer mehr aus – für größere Häuser, teurere Autos. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt der Ökonom Robert Frank, wie es zu dieser Spirale der Unvernunft kommen konnte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,497810,00.html
ist eine richtige bezeichnung für die beobachtung allerdings sollte man bedenken, dass durch konsum auch arbeitsplätze geschaffen werden
Wurzelmolch 14.08.2007
Ach, die armen amerikanischen Normalverdiener! Ist schon ein harter Brocken, wenn man das 3.Auto verkaufen muss, wenn das Kind mal krank ist. Immerhin kann es dann, wenn es anstatt im Krankenhaus zuhause auf der Couch liegt, [...]
Ach, die armen amerikanischen Normalverdiener! Ist schon ein harter Brocken, wenn man das 3.Auto verkaufen muss, wenn das Kind mal krank ist. Immerhin kann es dann, wenn es anstatt im Krankenhaus zuhause auf der Couch liegt, Spongebob auf einem 180 cm Plasmabildschirm sehen. Passt auf,Amis, sonst seit ihr bald so arm wie wir! Mit nur einem Auto, in einer Mietwohnung mit Röhrenfernseher.
georgeskoch 14.08.2007
Das ist bei uns nicht anders. Wir leben in einem Perfektionismus des "Hinzufügens", anstatt in einem Perfektionismus des "Weglassens". Der menschliche Geist ist irrational, das kann man/frau jeden Tag im [...]
Das ist bei uns nicht anders. Wir leben in einem Perfektionismus des "Hinzufügens", anstatt in einem Perfektionismus des "Weglassens". Der menschliche Geist ist irrational, das kann man/frau jeden Tag im Verkehr beobachten. Nicht umsonst wird in dem Artikel fast ausschließlich über Autos und Häuser gesprochen. Ob das angeboren ist oder wir ein Opfer der Werbung sind ist mir bis heute nicht klar. Jedenfalls geben wir für Autos so unglaubliche, unsinnige Summen aus, die mit einem Transport von 1.5 Menschen von Punkt A nach Punkt B in keinerlei vernünftiger Relation stehen. Aber wir merken es nicht. Ich fahre manchmal den Skoda von meiner Schwester, mit der 150 PS Dieselmaschine. Dieser Motor hat so eine ungeheure Kraft, dass ich mit 1600kg Anhänger über die nordhessichen Autobahnsteigungen sowie die Rhön niemals in den 3. Gang schalten musste. Mehr Leistung braucht kein Mensch. Trotzdem werden laufend stärkere Autos entwickelt. Man sollte die Leistung gesetzlich auf 150 PS begrenzen. Dann würden die Autos wieder leichter und damit der Verbrauch sinken. Geländewagen die mit 200km/h über die Autobahn jagen zeigen, wie wenig die Menschen die Zeichen der Zeit erkannt haben. Geldverschwendung, Energieverschwendung, Klimaschädigung. Und das finden sie toll.
DHempelmann 14.08.2007
So eine progressive Konsumsteuer finde ich gar keine so schlechte Idee. Grundsaetzlich. Wobei da auch wieder die Frage ist, wie man verhindern will, dass sich der Milliardaer dann seine 2,7 Mio-Dollar-Uhr nicht einfach im [...]
So eine progressive Konsumsteuer finde ich gar keine so schlechte Idee. Grundsaetzlich. Wobei da auch wieder die Frage ist, wie man verhindern will, dass sich der Milliardaer dann seine 2,7 Mio-Dollar-Uhr nicht einfach im Ausland kauft. Denn wenn man sowas verhindern koennte, dann kann man auch "einfach" den Spitzensteuersatz erhoehen.... Denn im Ausland leben zu muessen ist die hoehere Huerde, als im Ausland einkaufen zu muessen.
PdBOF 14.08.2007
Das kommt bei uns doch auch langsam so. Da wird am Essen gespart(Qualität), aber hauptsache die Kinder kriegen Marken-Jeans und Handy. Zahlreiche Junge Familien bauen sich ein Haus, was sie dann im Falle der Arbeislosigkeit [...]
Zitat von sysopAmerikas Normalverdiener stecken in der Finanzklemme: Obwohl sie kaum mehr Geld haben als vor 20 Jahren, geben sie immer mehr aus – für größere Häuser, teurere Autos. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt der Ökonom Robert Frank, wie es zu dieser Spirale der Unvernunft kommen konnte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,497810,00.html
Das kommt bei uns doch auch langsam so. Da wird am Essen gespart(Qualität), aber hauptsache die Kinder kriegen Marken-Jeans und Handy. Zahlreiche Junge Familien bauen sich ein Haus, was sie dann im Falle der Arbeislosigkeit genau so schnell wieder los sind, weil der Abtrag viel zu hoch ist...
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