Wirtschaft



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06.08.2007
 

Firmenumfrage

Heuschrecken schaffen neue Jobs in der Autoindustrie

Die Autoindustrie lobt die als Heuschrecken verschrienen Finanzinvestoren in den höchsten Tönen. Die Zusammenarbeit laufe hervorragend, 65 Prozent der Betriebe hätten dank Private Equity sogar mehr Mitarbeiter eingestellt. Das geht aus einer Umfrage hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Hamburg - Deutsche Automobilzulieferer haben mit Private-Equity-Gesellschaften beste Erfahrungen gemacht. 39 Prozent der Betriebe werten die Zusammenarbeit als sehr gut, 44 Prozent als gut. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC), die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Lediglich vier Prozent der befragten Manager erteilten den Heuschrecken ein "ausreichend", neun Prozent ein "mangelhaft".

Reifenherstellung (bei Continental): Rund hundert Autozulieferer befinden sich in den Händen von Heuschrecken
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AP

Reifenherstellung (bei Continental): Rund hundert Autozulieferer befinden sich in den Händen von Heuschrecken

Die Autozulieferindustrie ist eine der wichtigsten Industriezweige Deutschlands. Schätzungen zufolge arbeiten mehrere hunderttausend Menschen in dem Bereich. Derzeit steckt die Branche in einer wichtigen Konsolidierungsphase - und da mischen auch Finanzinvestoren kräftig mit.

Ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit geriet die Autozulieferbranche vor gut einer Woche, als der Hannoveraner Reifenhersteller Continental die Siemens-Sparte VDO übernahm. Neben Bosch entsteht dadurch ein zweiter deutscher Zulieferer, der in der internationalen Top-Liga mitspielt. Bei diesem Deal hatten Finanzinvestoren zwar keine Rolle gespielt. Ansonsten sind sie in der Branche aber bereits im großen Stil vertreten.

Dass Heuschrecken an der Autoindustrie großes Interesse haben, wurde spätestens in diesem Frühjahr deutlich, als der Finanzinvestor Cerberus die Übernahme des US-Konzerns Chrysler bekannt gab. Auch in Deutschland sind Private-Equity-Firmen in der Autoindustrie engagiert, bisher allerdings nicht bei den Herstellern selbst, sondern nur bei den Zulieferern.

Laut PwC-Umfrage steigerten 61 Prozent der Betriebe nach dem Einstieg eines Finanzinvestors ihren Umsatz. 65 Prozent stellten sogar mehr Mitarbeiter ein. Und 70 Prozent erhöhten ihr Investitionsvolumen. "Die Entwicklung unter dem Einfluss von Private Equity fällt hinter den Kulissen deutlich positiver aus, als es die öffentliche Darstellung vermuten lässt", sagt Autoexperte Martin Schwarzer von PwC.

Über die Hälfte der befragten Autozulieferer geht davon aus, dass sich ihr Unternehmen ohne Private Equity langsamer entwickelt hätte. Nur vier Prozent glauben, sie hätten sich ohne Finanzinvestoren schneller entwickeln können. Neun Prozent der Unternehmen hätten sich ohne Finanzinvestoren sogar auf eine Insolvenz einstellen müssen.

Die Investoren reichen die Unternehmen oft weiter

Grundlage der Studie ist eine Befragung unter deutschen Automobilzulieferern und Finanzinvestoren, die an solchen Unternehmen beteiligt sind oder waren. Sie wurde im Auftrag von PwC und in Kooperation mit dem Verband der Automobilindustrie (VDA) von einem unabhängigen Marktforschungsinstitut durchgeführt.

Aus Sicht der meisten Befragten wird der Einfluss von Private Equity in den kommenden fünf Jahren weiter zunehmen. Die Finanzinvestoren gehen davon aus, durch ihr Engagement die Konsolidierung der Branche voranzutreiben, die Effizienz und die Renditen in den Unternehmen zu steigern und strategische Neuausrichtungen zu initiieren.

Dies spiegelt sich auch bei Fusionen und Übernahmen (Merger & Acquisition, M&A) wider. Nach Einschätzung des VDA befinden sich mittlerweile rund hundert deutsche Zulieferunternehmen in den Händen von Finanzinvestoren. Bis zu 50 Prozent der M&A-Transaktionen in der Industrie entfielen auf Private Equity. Dabei erfreuen sich auch sogenannte „secondaries“ – ein Finanzinvestor verkauft seine Beteiligung an einen anderen Finanzinvestor – wachsender Beliebtheit.

„Die Finanzinvestoren fungieren als eine Art Katalysator zur Strukturveränderung und werden die Branche nachhaltig verändern“, sagt PwC-Fachmann Schwarzer. Blindes Vertrauen in eine Zusammenarbeit sei aber nicht angeraten: „Die Wahl des passenden Investors sollte sich nicht ausschließlich am Kaufpreis orientieren. Auch Branchenexpertise und eine unternehmerische Herangehensweise an ein Investment sind wichtig.“

wal

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