Frankfurt am Main - "Alle Titel, die auch nur im Entferntesten mit Subprime-Hypotheken in Zusammenhang gebracht werden, werden momentan nicht mal mit der Kneifzange angefasst", sagte ein Händler. Selbst gute Quartalszahlen von der Allianz und der Postbank schafften es nicht, die Anleger wieder an den Markt zu locken, so dass der Dax am frühen Nachmittag ein Minus von einem halben Prozent auf 7498 Punkte aufwies.
Zusätzlich Druck übten unerwartet schwache US-Arbeitsmarktdaten aus, die leichte Stabilisierungsansätze des Dax rasch wieder zunichte machten. "Der Markt bleibt nervös, die US-Immobilienkrise schwebt weiter über uns", sagte ein Händler. Auch Marktstrategen befürchten, dass das Thema die Börse noch länger beschäftigen wird. "Das Thema ist eher eine Frage von Wochen oder gar Monaten, nicht von Tagen", sagte Bernd Meyer von der Deutschen Bank.
Vage Gerüchte über Verwicklungen in die Hypothekenkrise drückten heute gleich mehrere Finanztitel tief ins Minus. "Allein die Andeutung eines Problems reicht in diesem hochsensiblen Markt aus, um eine Aktie unter Druck zu bringen", sagte ein Händler.
Hypo Real Estate und Commerzbank unter Druck
So gaben Hypo Real Estate (HRE) um 5,3 Prozent auf 41,60 Euro nach, und die Commerzbank lag 3,5 Prozent bei 29,33 Euro im Minus. "Ich habe gehört, dass die Coba vielleicht enger mit der IKB verbandelt ist als bislang gedacht", begründete ein Börsianer die deutlichen Abschläge bei der Commerzbank-Aktie. "Vielleicht muss die Commerzbank für die IKB mehr zahlen als bisher befürchtet." Die staatliche Förderbank KfW und die deutschen Banken hatten in dieser Woche ein milliardenschweres Rettungspaket für die in schwere Not geratene Mittelstandsbank geschnürt.
Auch mehrten sich die Gerüchte, dass bei der Deutschen Bank "noch was kommen könnte", sagte ein anderer Händler. Angesichts dessen hielt sich die Aktie mit einem nur leichten Abschlag von 0,3 Prozent noch vergleichsweise gut.
Post und Volkswagen als Aktivposten
Unterstützung bekam der Dax von den Zwischenberichten der Allianz und der Post – zumindest vorübergehend. Die im Dax schwer gewichteten Allianz-Aktien zogen in der Spitze um 1,8 Prozent an, rutschten aber mit den übrigen Finanzwerten wieder ab und lagen zuletzt 0,3 Prozent im Minus bei 156,20 Euro. Der Finanzkonzern hatte nach einem starken ersten Halbjahr erstmals eine Gewinnprognose für 2007 abgegeben. Nach eigenen Angaben hat er sich früh auf die Turbulenzen an den Märkten eingestellt und sieht sich nicht größeren Risiken ausgesetzt.
Wirklich gefragt waren Aktien der Deutschen Post. Die Titel gehörten mit einem Plus von 2,4 Prozent auf 21,66 Euro zu den größten Gewinnern im Dax. Der Bonner Konzern hatte im zweiten Quartal Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert und damit die Erwartungen von Analysten übertroffen. "Solide Quartalszahlen", lobten Experten.
Auch die Volkswagen-Aktie widersetzte sich mit einem Plus von einem Prozent auf 138,97 Euro dem Abwärtssog des Gesamtmarktes. "Das geht schon seit Tagen so", sagte ein Händler. "Die Spekulationen mit Porsche gehen hier rauf und runter", sagte ein anderer. Gerüchten zufolge soll der Sportwagenhersteller Aktien des Wolfsburger Konzerns kaufen.
mik/Reuters
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