Wirtschaft



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09.08.2007
 

Anbieter-Wechsel

Stromkunden können 283 Euro im Jahr sparen

Von Anselm Waldermann

Großkampagne gegen die Energiekonzerne: Mit einer bundesweiten Plakataktion rufen Verbraucherschützer die Kunden auf, sich einen neuen Stromanbieter zu suchen. SPIEGEL ONLINE erklärt, wie der Wechsel funktioniert - und wie man bis zu 283 Euro sparen kann.

Hamburg - So deutlich hat es noch keiner gesagt: "Jetzt wechseln. Jetzt sparen." Unter diesem Motto startet der Bundesverband der Verbraucherzentralen eine groß angelegte Kampagne. Das Ziel: Die Stromkunden sollen ihrem angestammten Versorger den Rücken kehren - und in Scharen zu billigeren Anbietern überlaufen. Mit einer bundesweiten Plakataktion sagen die Verbraucherschützer den etablierten Energieunternehmen den Kampf an.

Steckdose: Preisunterschiede von bis zu 29 Prozent
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DDP

Steckdose: Preisunterschiede von bis zu 29 Prozent

Die Kampagne ist in der deutschen Stromwirtschaft ein Novum. Bisher hatten Politiker und Experten nur vereinzelt zum Anbieterwechsel aufgerufen - zuletzt zum Beispiel der Präsident des Bundeskartellamts, Bernhard Heitzer.

Die Verbraucherschützer selbst hielten sich bislang jedoch - bei aller Kritik an den großen Konzernen - bedeckt. Mit Energiesparen, hieß es, komme man deutlich günstiger weg als mit einem neuen Stromanbieter.

Diese Linie gibt der Bundesverband der Verbraucherzentralen nun auf. Ab heute ruft die Organisation offensiv zum Anbieterwechsel auf. "Die Zeit ist reif", sagt Verbraucherschützer Holger Krawinkel.

Schließlich seien die Strompreise seit dem Jahr 2000 um rund 50 Prozent gestiegen - und da helfe nur noch eins: raus aus dem alten Vertrag und sich einen günstigeren Anbieter suchen.

Auch Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) rief die Bundesbürger zum Wechsel ihres Stromlieferanten auf. "Verbraucher können selbst aktiv etwas zur Verringerung ihrer Kosten tun. Nämlich den Energieanbieter wechseln", erklärte der Minister. Dem Appell schloss sich auch der Präsident des deutschen Mieterbundes, Franz-Georg Rips, an.

Für die Kunden kann sich der Wechsel richtig lohnen. Denn je nach Versorgungsgebiet gibt es zwischen den alt eingesessenen Unternehmen und den Newcomern Preisunterschiede von teilweise 29 Prozent. Nach Angaben der Verbraucherschützer kann eine Familie bis zu 185 Euro im Jahr sparen, die durchschnittliche Ersparnis bei einem Wechsel betrage 60 Euro.

Allerdings haben die Verbraucherschützer nur die hundert größten Städte Deutschlands untersucht. Berücksichtigt man alle 863 Versorgungsgebiete, dann können die Verbraucher sogar bis zu 283 Euro sparen, wie die große SPIEGEL-ONLINE-Tabelle zeigt.

Im Vergleich dazu ist der Aufwand gering. Nach Angaben des unabhängigen Verbraucherportals www.verivox.de braucht man für die Formalitäten nur wenige Minuten. Wechselwillige Stromkunden sollten am besten so vorgehen:

  • Als erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.

  • Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.verivox.de, www.stromtarife.de oder seit heute auch www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.

  • Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Allen anderen Unternehmen darf man getrost Vertrauen entgegenbringen.

  • Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Atom. Nach Angaben der Verbraucherschützer sind Ökostrom-Produkte in zwei Dritteln der Städte sogar billiger als der ortsübliche Grundversorger.

  • Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.

  • Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter Pleite gehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet, einzuspringen.

Angesichts der hohen Strompreise haben in den vergangenen Monaten schon Hunderttausende Bürger ihren Anbieter gewechselt. Viele sind zu Ökostromanbietern gewechselt, Großkonzerne wie Vattenfall verzeichnen einen enormen Kundenschwund.

Heute gab der RWE-Konzern sogar bekannt, eine geplante Preiserhöhung vorerst zu verschieben - aus Angst, dass noch mehr Kunden abwandern könnten.

Insgesamt haben aber erst sechs Prozent der Haushalte die Liberalisierung des Strommarkts voll ausgenutzt. Verbraucherschützer hoffen nun, dass viele weitere folgen. "Mindestens eine Million Kunden" wolle man mit der neuen Kampagne zum Anbieterwechsel bewegen, sagt Verbraucherschutzpräsident Gerd Billen. "Würden alle 40 Millionen Haushalte ihr Sparpotential nutzen, käme dies einem Einspar- und Konjunkturprogramm von über zwei Milliarden Euro gleich."

Mit Material von ddp/AP/AFP

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