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Boom der Privatjets Luxus im Himmel

2. Teil: Privates Fliegen gilt nicht mehr als überkandidelt

Das Privatfliegen sei inzwischen "gesellschaftlich akzeptiert", glaubt Fries, sogar im wenig hedonistischen Europa. Galt ein Privatjet früher selbst im Jetset häufig noch als überkandidelt, bekennen sich nun Promis und Geschäftsleute immer freimütiger zu den Freuden der Individualfliegerei. Manager wie Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt preisen offen die Vorzüge eines individuellen Geschäftsfliegers. Netjets kann sich mit Kunden wie Roger Federer und Luis Figo brüsten.

Das grüne Gewissen, das immer mehr Stars und Sternchen im öffentlichen Leben erfasst hat, scheint sich dabei hinter den schützenden Flugzeugwänden zu verlieren. Umweltverbände haben für das klimaschädliche Vergnügen wenig Verständnis. Auch wenn Manager mit der Zeitersparnis argumentieren. "Im Zug kann man wundervoll arbeiten", kommentiert etwa Werner Reh trocken. Er ist Sprecher des Arbeitskreises Flugverkehr, in dem sich fünf Umweltverbände zusammengeschlossen haben. Noch mache die Zahl der Privatflüge am gesamten Luftverkehr zwar nur ein Minimum aus, sagt Reh. Doch die Mengen an CO2, die bei Flügen ausgestoßen werden, seien im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln schwer vertretbar.

Die Organisation Atmosfair berechnet für die Strecke Hamburg-London und zurück in einer Dassault Falcon 2000 einen CO2-Ausstoß pro Person von rund einer Tonne - unter der Voraussetzung, dass mehrere Plätze in dem zehn- bis 14-Sitz-Flugzeug besetzt sind. Ein Mittelklassewagen puste zwei Tonnen in die Luft - pro Jahr, eine Fahrleistung von 12.000 Kilometern vorausgesetzt. Netjets habe mit einem durchschnittlichen Flugzeugalter von vier Jahren eine sehr junge Flotte. Die verbrauche verhältnismäßig wenig Treibstoff, kontert das Unternehmen solche Bedenken. Ein schwacher Trost, finden Umweltschützer wie Reh.

Linz-Brüssel für 2500 Euro - im Privatjet

Netjets-Manager Fries glaubt an eine vielversprechende Zukunft des Unternehmens. Dieses Jahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von 60 bis 70 Prozent. Vergangenes Jahr wurde erstmals Gewinn geschrieben – wie viel, ist geheim. Auch sonst herrscht Optimismus in der Privatflieger-Branche. Der Flugzeughersteller Bombardier etwa hat berechnet, dass die Zahl der jährlich ausgelieferten Flieger in den nächsten zehn Jahren von durchschnittlich 572 pro Jahr auf 995 ansteigen wird.

Und solche Studien ignorieren noch vollständig die anstehende "Revolution am Himmel", die Branchenkenner herannahen sehen. Auslöser für die Epoche: die neuen "Very Light Jets", superleichte Miniflieger.

Durch moderne Bauweisen und neuartige Materialien sind diese sehr viel billiger als herkömmliche Modelle. Die erste in den USA bereits zugelassene Maschine der neuen Flugzeuggeneration, die Eclipse 500, kostet nur noch rund 1,5 Millionen Dollar – im Vergleich zu herkömmlichen Jets ein Schnäppchen. Branchenberechnungen zufolge könnten deshalb in den nächsten zehn Jahren rund 5000 bis 10.000 Superleicht-Jets an den Mann gebracht werden. Die Eclipse 500 wurde, wenn man dem Unternehmen glauben darf, schon mehr als 2400 Mal bestellt.

Schon stehen eine ganze Reihe von neuen Lufttaxi-Unternehmen in den Startlöchern, die mit Hilfe der neuen Maschinen Privatflüge zum Discountpreis bieten wollen. In Österreich wartet die Charter-Fluglinie Alpha Airways nur noch auf die Zulassung der Eclipse in Europa, um ihr Geschäft zu starten. Ein Privatflug von Linz nach Brüssel soll dann gerade einmal 2500 Euro kosten - kein Dumpingpreis, versichert Geschäftsführer Franz Steinberger. Auch die schweizerische Jetbird, die Mitte 2008 in die Luft will, will rund 50 Prozent weniger verlangen als herkömmliche Charteranbieter.

Interessant auch für Mittelständler

Durch die neuen Taxi-Airlines "werden bald auch Mittelständler Maschinen mieten, die jetzt noch nicht einmal im Traum daran denken", sagt Bernd Gans von der German Business Aviation Association GBAA. Zumal den Mini-Fliegern eine ausgesprochen kurze Start- und Landepiste ausreicht, so dass ihnen unzählige Kleinstflughäfen in aller Welt offen stehen. "Es kommt eine Firma billiger, wenn sie Manager der zweiten oder dritten Ebene oder auch Techniker mit uns losschickt, als wenn sie für alle Flug, Transfer und Hotel bucht", versichert Alpha-Airways-Geschäftsführer Franz Steinberger. "Vor allem, wenn die Leute in irgendein abgelegenes Gebiet wollen."

Netjets-Deutschland-Chef Fries gibt sich gelassen angesichts solch euphorischer Prognosen. Er weist auf die geringe Reichweite der Mikrojets hin, die noch nicht länger als eine oder eineinhalb Stunden mit einer Tankfüllung in der Luft bleiben können und sich deshalb vorerst auf kurze Strecken beschränken müssen. Außerdem sei das Geschäft nicht einfach. "Die Vorlaufkosten etwa sind enorm. Wir haben eine Zentrale mit 400 Mitarbeitern in Lissabon, von wo aus alles geregelt wird und die 24 Stunden am Tag besetzt ist", sagt Fries. Das Handling der teuren Leerflüge und der Stehzeiten der Flieger verlange zudem eine gewisse kritische Unternehmensgröße.

Hinzu komme, dass an vielen Flughäfen eine Start- und Landeerlaubnis schon zum kostbaren Gut geworden ist. "Der Luftraum wird voller und voller."

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