Berlin - "Kurzfristig werden die Notenbanken die Turbulenzen auf den Kapitalmärkten erfolgreich abfedern", sagte DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke der "Berliner Zeitung". "Mittelfristig werden aber Nachwirkungen bei der Kreditvergabe zu spüren sein: Die Kredite verteuern sich, teilweise wird sogar kein Kredit gewährt werden." Ursache dafür sei der Risikoaufschlag, den die Kreditinstitute nach den aktuell schlechten Erfahrungen wieder stärker bei der Vergabe von Krediten berücksichtigten.
Noch sei aber nicht abzusehen, ob die Kreditverknappung in Deutschland die Ausmaße der Jahre 2002 und 2003 erreichen werde. Auch der exportstarke Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zeigte sich besorgt über das zukünftige Verhalten der Banken. "Wir hoffen, dass sich die Finanzkrise nicht negativ auf die Finanzierung von Firmen im Maschinenbau niederschlägt", sagte VDMA-Präsident Dieter Brucklacher. Die meist mittelständischen Unternehmen stünden für "solide Entwicklung, nicht für Spekulation und Luftblasen", sagte er.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) warf unterdessen der Finanzaufsicht Bafin und der Deutschen Bundesbank vor, das Übergreifen der US-Immobilienkrise auf das deutsche Bankensystem nicht verhindert zu haben: "Die Bafin und die Bundesbank scheinen nicht schnell genug eingegriffen zu haben", sagte VZBV-Anlage-Experte Axel Kleinlein der Zeitung. Das Ereignis IKB zeige, dass "die nationalen Aufsichtsbehörden auf den Prüfstand" müssten. Auch die Rating-Agenturen treffe eine Mitschuld: "Sie haben die Risiken der jetzt angeschlagenen Institute unterschätzt", sagte der Verbraucherschützer.
Aktienoptionen überprüfen
Anlegern empfahl Kleinlein, "ihre Aktienpositionen zu überprüfen und Bankaktien genauer unter die Lupe zu nehmen". Denn hier sei in vielen Fällen noch nicht klar, in welchem Maße die Institute Geld am US-Immobilienmarkt verloren hätten.
Die Notenbanken haben inzwischen damit begonnen, ihr Geld wieder aus den Finanzmärkten abzuziehen. Die japanische Notenbank nahm heute Morgen nach eigenen Angaben insgesamt zwei Billionen Yen (etwa 12,64 Milliarden Euro) aus dem Geldmarkt. Zunächst hatte die Notenbank den Entzug von 1,5 Billionen Yen angekündigt, wenige Stunden später wurden erneut 500 Milliarden Yen aus dem Markt genommen.
Experten hatten angesichts der etwas ruhigeren Lage an den Finanzmärkten mit einem erneuten Schritt der Notenbank gerechnet. Allerdings war mit etwa 1,0 Billionen Yen ein deutlich geringerer Betrag erwartet worden. Bereits am Dienstag hatte die Bank of Japan dem Geldmarkt mit 1,6 Billionen Yen diejenige Summe entzogen, die sie ihm seit vergangenem Freitag nach dem Übergreifen der US-Hypothekenkrise zugeführt hatte.
mik/ddp/Dow Jones/dpa-AFX
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