Wirtschaft



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19.08.2007
 

Plattenbau West

Sehnsucht nach der Abrissbirne

Von Nils-Viktor Sorge, Kamp-Lintfort

2. Teil: Hilfe vom Staat für schrumpfende Kommunen

Für die Bewohner ist das besonders bitter, wenn sie die Wohnungen einst als Altersvorsorge erwarben – wie in Duisburg Hochheide, wo die Bauten ebenfalls "Weiße Riesen" genannt werden. In Blogs und Foren klagen sich die Eigentümer gegenseitig ihr Leid. "Wir, die jetzigen Eigentümer, bluten für die Bausünden der siebziger Jahre", poltert einer im Netz.

Oft machen Lokalpolitiker Druck, damit die letzten Bewohner die Häuser verlassen - und so den Abriss ermöglichen. "Damals der Abriss der Rheinpreußen Siedlung und heute die Zwangsaussiedlung aus den 'Weißen Riesen’: Hunderte von Menschen werden geknechtet", wettert ein Betroffener im Internet.

In Köln gelang es den Bewohnern eines maroden Hochhauses immerhin, gegen den Willen renovierungsunwilliger Eigentümer eine Sanierung durchzusetzen. Außerdem verlangten sie eine Umbenennung der mittlerweile übel beleumundeten Straße. Doch nur selten ziehen sich die Bewohner einzelner Viertel auf diese Weise selbst aus dem Schlamassel.

In Westdeutschland unterstützen Bund und Länder 235 oft schrumpfende Kommunen dabei, wieder lebenswerter zu werden. Dafür stehen bis Ende des Jahres insgesamt 630 Millionen Euro zur Verfügung.

"Die Schandflecken beseitigen"

Im Osten fielen seit der Wende fast 200.000 Plattenbau-Wohnungen der Abrissbirne zum Opfer. Wie viele Gebäude im Westen bereits abgerissen wurden, hat das Bundesbauministerium nicht erhoben.

Doch nach Ansicht von Experten wächst die Zahl der Häuser, die als belastend empfunden werden. "Bei immer mehr von ihnen wird es nicht gelingen, sie anzupassen. Dann müssen sie vom Markt", sagt Frössler. "Es ist für viele Städte überlebenswichtig, diese Schandflecken zu beseitigen."

Das sieht auch das Bauministerium in Nordrhein-Westfalen so. "Häufig ist der Abriss dieser Gebäude ein erstes, wichtiges Startsymbol für weitere Erneuerungsmaßnahmen in den Stadtumbau-Gebieten", sagt Staatssekretär Günter Kozlowski.

So wie in Kamp-Lintfort. Nach dem Ende des Bergbaus und der Pleite des ehemaligen Siemens-Handywerks sieht der Ort seine Zukunft nun als lebendige Wohnstadt, aus der die Menschen in die nahen Großstädte pendeln. Nur die hässlichen Riesen stehen dem Traum vom attraktiven Wohnen entgegen.

Immerhin: Ein Teil der alten Bergarbeitersiedlung ist noch erhalten. Mittlerweile gehört sie zu den beliebtesten Wohnvierteln in Kamp-Lintfort. Dass das Viertel noch steht, ist ein großer Zufall, erzählt man sich in der Stadt: Wäre die Firma des damaligen Plattenbau-Löwen Josef Kun nicht kurz nach Fertigstellung der ersten Hochhäuser Pleite gegangen, dann hätten die alten Häuser komplett weichen müssen.

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