New York/Frankfurt am Main - Seit Wochen sind die internationalen Aktienmärkte wegen der US-Immobilienkrise unter Druck und haben einen psychologisch wichtigen Haltepunkt nach dem anderen durchbrochen. Der Geldmarktfondsmanager Sentinel Management Group hatte versucht, Anleger vom Abziehen ihrer Anteile abzuhalten, um nicht in Liquiditätsengpässe zu kommen. Der Immobilienfonds KKR Financial Holdings trennte sich mit herben Verlusten von etwa der Hälfte seiner Hypothekenkredite.
Die Nervosität war am Vormittag bereits an den europäischen Börsen zu spüren. Besonders Aktien aus der Finanzbranche standen wegen der Unsicherheiten über das Ausmaß der US-Kreditkrise auf den Verkaufslisten.
Die Stimmung konnte auch der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestle nach starken Geschäftszahlen nicht drehen. Der Euro-Stoxx50 der 50 größten börsennotierten Unternehmen der Euro-Zone rutschte um 1,35 Prozent auf 4138,8 Zähler ab.
Vermeidung von Risiken
"Der Fokus liegt weiter auf der Vermeidung von Risiken", schreiben die Analysten von ABN Amro
in einem Kommentar. Analyst Keith Bowman von Hargreaves Landsdown ergänzte: "Obwohl sich die Unternehmenszahlen in die richtige Richtung entwickeln, sorgt die Kreditkrise für große Unsicherheit speziell bei Banken, Finanzinstituten und Hedge-Fonds."
Erst am Vortag hatte die Schweizer Großbank UBS die Anleger erschreckt, als sie vor negativen Folgen der US-Hypothekenkrise für ihr Handelsgeschäft warnte. In Paris waren die Titel der Großbanken Societe Generale und BNP Paribas
mit Kursabschlägen von jeweils mehr als vier Prozent die größten Verlierer im Auswahlindex CAC 40
-40.
In Zürich bauten die Aktien von UBS
ihre Vortagesverluste aus und fielen um weitere 2,4 Prozent. In London brachen die Papiere der Hypothekenbank Northern Rock um mehr als sechs Prozent ein. In Frankfurt verloren Aktien der Deutschen Bank
3,5 Prozent. Auf dem Aktienkurs des deutschen Branchenprimus lastete Händlern zufolge eine Herunterstufung der Investmentbank Merrill Lynch
.
Nestlé-Aktie mit Kurssprung
Ein Lächeln auf die Lippen der Anleger zauberten allenfalls die Papiere von Nestlé
. Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern schraubte nach einem kräftigen Gewinnanstieg im Halbjahr seine Jahresprognose hoch. Zudem kündigte Nestlé - die Schweizer vereinen Marken wie Nescafe, Kitkat oder das Edelwasser Perrier unter ihrem Dach - ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm an. An der Börse in Zürich schossen die Aktien daraufhin um 6,9 Prozent nach oben.
In Frankfurt konnte der Energieriese E.on
die Anleger mit seinen Quartalszahlen dagegen nicht überzeugen. "Nach einem sehr guten ersten folgte ein schwächeres zweites Quartal", kommentierten die Analysten der LBBW. Händlern zufolge verkaufen daher viele Investoren E.on-Aktien und investieren in RWE-Papiere. So verloren E.on 0,9 Prozent, während RWE
1,1 Prozent zulegten.
mik/Reuters
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