Köln – Für China Labour Watch ist die Ursache des Problems klar: Untersuchungen bei acht Zulieferbetrieben von Weltkonzernen wie Disney hätten ergeben, dass die Hersteller grundlegende Vorschriften missachteten, erklärte China Labour Watch am Dienstag. "Die Gehälter sind niedrig, sonstige Leistungen gibt es nicht, das Arbeitsumfeld ist gefährlich und die Lebensumstände beschämend." In den Werken würden auch die chinesischen Gesetze mit Füßen getreten. Walt Disney erklärte in einer ersten Reaktion auf die Studie, dass der Konzern die Vorwürfe sehr ernst nehme und sie genauestens prüfe.
Batman-Figuren von Mattel: Auch sie gehörten zu den 18 Millionen Spielzeugen, die das Unternehmen vom Markt nimmt
Die Arbeiter müssten ständig Überstunden machen und erhielten weniger als den vorgeschriebenen Mindestlohn, so der Vorwurf von China Labour Watch. Zudem seien sie gefährlichen Chemikalien ausgesetzt und würden körperlich sowie verbal erniedrigt. Sie hätten weder eine Sozial- noch eine Rentenversicherung. Viele Firmen würden zudem Kinder unter 16 Jahren beschäftigen. Die Firmen seien aber nicht allein schuld an diesen Bedingungen: "Verantwortlich dafür sind vor allem die erbärmlichen Preise für Spielzeug."
Geltende Grenzwerte werden oft ignoriert
China steht wegen einer ganzen Reihe von Sicherheitsproblemen bei Exportprodukten unter zunehmendem Druck. Zuletzt hatte es unter anderem Probleme mit giftigen Tierfutter-Zutaten, kontaminierter Zahnpasta und gefährlichem Spielzeug gegeben. Der weltgrößte Spielzeugkonzern Mattel und der amerikanische Spielwarenhändler Toys"R"Us hatten in den vergangenen Tagen über 20 Millionen in China produzierte Spielsachen und Baby-Lätzchen wegen eines zu hohen Bleigehalts oder gefährlicher Kleinmagneten aus den Verkaufsregalen genommen und von den Verbrauchern zurückgerufen. Gegen Mattel haben inzwischen zwei Elternpaare geklagt, die unter anderem fordern, das Unternehmen solle einen Fonds auflegen, mithilfe dessen Kinder auf Bleivergiftung und sonstige Schädigungen untersucht werden sollen.
Der Deutsche Verband der Spielwaren-Industrie (DSVI) erklärte jetzt, die Hersteller und Importeure stärker für das Thema sensibilisieren zu wollen. Deshalb habe man einen Spielzeug-Sicherheitsservice für die Mitglieder entwickelt, teilte die Vereinigung mit. Zusammen mit dem TÜV Rheinland biete der Verband eine Ausbildung zur "Geprüften Fachkraft Spielzeugsicherheit" an. In mehrtägigen Kursen würden die Teilnehmer mit allen sicherheitsrelevanten Gesichtspunkten vertraut gemacht und in verschiedenen Prüfmethoden geschult.
Außerdem habe der DVSI einen Prüfkoffer entwickelt, der Spielzeugprüfungen zum Beispiel auf Geruch, Geräusche, Verletzungsgefahr und Kleinteile in Eigenregie ermögliche. "Spielzeugsicherheit basiert im wesentlichen auf dem Wissen der Verantwortlichen in der gesamten Lieferkette", erklärte DVSI-Geschäftsführer Volker Schmid. Der TÜV Rheinland erklärte, in China würden häufig aus Kostengründen oder wegen Materialengpässen geltende Grenzwerte ignoriert. Wechselnde Zulieferbetriebe spielten auch eine Rolle.
ase/AP/dpa/Reuters
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