Wirtschaft



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22.08.2007
 

Hitzewelle

Energie-Notstand in Japan

Eine Hitzewelle macht den Japanern zu schaffen. Erstmals seit 17 Jahren musste Tokyo Electric Power jetzt einen Notplan aktivieren - der weltgrößte private Energiekonzern kann die unzähligen Klimaanlagen nicht mehr versorgen. Sogar Essstäbchen sollen jetzt zu Biosprit umgewandelt werden.

Tokio - Mit dem Notplan kann Tepco laut Gesetz Großkunden zwingen, ihren Energieverbrauch zu verringern. Außerdem sollte noch im Laufe des Tages ein eigentlich stillgelegtes Wasserkraftwerk im Norden Tokios wieder ans Netz gehen.

Zum bisher letzten Mal war der Energie-Notplan 1990 in Kraft gesetzt worden. Das Unternehmen hatte im Juli sein Kernkraftwerk in Kashiwazaki-Kariwa – das größte der Welt - nach einem Erdbeben schließen müssen. Das Kernkraftwerk ist für die Versorgung Tokios immens wichtig.

Zusätzlich zu diesem Problem macht Tepco auch die Hitze zu schaffen. Die Japaner lassen Tag und Nacht die Klimaanlagen laufen und verbrauchen dadurch viel mehr Strom als sonst. Die zehn Versorgungsgesellschaften hatten gestern 3,42 Milliarden Kilowatt Strom produziert, 30 Millionen Kilowatt über dem bisherigen Höchststand von 2001.

Zur Bekämpfung der Energieknappheit will die japanische Regierung die Millionen gebrauchter Essstäbchen aus Holz, die jedes Jahr weggeworfen werden, künftig zu Biosprit verarbeiten lassen. Das Ministerium für Landwirtschaft und Fischerei plane, überall im Land Sammelboxen für die Essstäbchen aufzustellen, kündigte Ministeriumsvertreter Toyohisa Aoyama am Mittwoch an. In Japan erhalten Kunden in Restaurants und Lebensmittelgeschäften Einweg-Essstäbchen gratis. Die 127 Millionen Einwohner Japans würden durchschnittlich 200 Paar Stäbchen pro Jahr benutzen: das mache insgesamt 90.000 Tonnen Holz, rechnete das Ministerium vor.

Japan verfügt über so gut wie keine eigenen natürlichen Energiequellen. Die Essstäbchen, früher aus Holzabfällen in Japan hergestellt, stammen heute zu 90 Prozent aus China. Sie bestehen aus Bambus oder Espenholz, wie Aoyama sagte. Das Ministerium prüfe auch andere Abfälle auf ihre Verwertbarkeit als Lieferant für Biosprit, etwa Reisstroh.

Fraglich ist noch, wie die Klimabilanz des Stäbchen-Recyclings aussieht: "Wir werden uns die Plus- und die Minusseite anschauen, die CO2-Emissionen eingeschlossen, die beim Einsammeln und beim Transport der Essstäbchen sowie bei der Biosprit-Produktion entstehen", sagte Aoyama weiter.

Die anhaltende Hitzewelle in Japan hat bereits mehr als zwölf Menschen das Leben gekostet. Mit 40,9 Grad wurde bereits am vergangenen Donnerstag in Tajimi die bisher höchste je gemessene Temperatur registriert und der Rekord von 1933 gebrochen. Die Meteorologen sagen auch für die nächsten sieben Tage ungewöhnlich hohe Temperaturen für weite Teile des Landes voraus.

mik/AFP/AP/dpa-AFX

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