Sonntag, 22. November 2009

Wirtschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
  • Merken
24.08.2007
 

Billige Aktien

Der vermeintlich sichere Tipp

Von Arvid Kaiser

Turbulenzen an der Börse, Rätselraten bei den Anlegern: Viele Fachleute drängen gerade jetzt zum Kauf, weil die Papiere so billig scheinen. Ihr Lieblingsargument: Das günstige Kurs-Gewinn-Verhältnis vieler Aktien. Doch die Zauber-Ziffer täuscht oft über die tatsächlichen Verhältnisse hinweg.

Hamburg - Man sagt, die Börse bestehe zu 50 Prozent aus Psychologie. Gier und Angst gelten als Kräfte, die massenpsychologisch Euphorie oder Panik auslösen und damit die Kurse nach oben oder unten treiben. Auf längere Sicht jedoch, das ist empirisch bewiesen, sind Aktienmärkte ein Hort der Vernunft. Über die Aufs und Abs hinweg pendeln sich die Kurse auf den tatsächlichen Wert der Aktien ein. Genau jetzt sei der richtige Zeitpunkt zum Kauf, so sagen etliche Profianleger, Bankanalysten und Vermögensverwalter. Aktien, speziell deutsche Titel, seien billiger, als sie sein müssten: Das Gezitter und Gezauder der Anleger infolge der US-Kreditkrise habe für günstige Einstandspreise gesorgt.

Deutsche Bank in Frankfurt: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis kann leicht geschönt werden
DPA

Deutsche Bank in Frankfurt: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis kann leicht geschönt werden

Zentrales Argument hierfür ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), die wohl bekannteste Aktienkennziffer. In der einfachsten Form misst sie den Aktienkurs geteilt durch den Gewinn je Aktie. Je höher das KGV, desto teurer das Papier. Die Aktien im Dax Chart zeigen weisen derzeit ein durchschnittliches KGV von etwa 13 auf. Der historische Normalwert liegt ungefähr bei 14. Als fair gilt also, das 14-Fache des Jahresgewinns für eine Aktie zu bezahlen. Oder umgekehrt gerechnet: Der Kaufpreis ist bei gleichbleibenden Gewinnen nach 14 Jahren wieder drin, vorausgesetzt, die Erträge werden vollständig ausgeschüttet.

Einige Titel weisen derzeit sogar ein einstelliges KGV auf, darunter die der Deutschen Bank Chart zeigen (KGV 6,7), der Allianz Chart zeigen (8,4) und von ThyssenKrupp Chart zeigen (9,8). Selbst für Finanztitel und Stahlwerte, von denen in der Regel kein großes Gewinnwachstum erwartet wird, sind diese Ziffern niedrig. Die Lufthansa Chart zeigen (8,9), BASF Chart zeigen (13,6) und Metro Chart zeigen (21,2) liegen weit unter dem jeweiligen Branchenschnitt.

Sogar teure deutsche Aktien wie die von SAP Chart zeigen (24,5) oder der Deutschen Telekom Chart zeigen (27) schneiden im Peer-Group-Vergleich gut ab, denn Software- und Telekommunikationsunternehmen traut der Markt in der Regel ein hohes Gewinnwachstum zu (für Google-Aktien Chart zeigen finden sich sogar bei einem KGV von 43,6 noch reichlich Käufer). Werden die Aktien also verramscht, obwohl die Kurse immer noch nah am Rekordhoch sind?

Wie lange hält der Boom?

Dieses Hoch wurde aber vor allem deshalb erreicht, weil in den vergangenen fünf Jahren die Unternehmensgewinne gewachsen sind wie noch nie. Nicht nur die Dax-Konzerne stellten jährlich Rekorde auf. Auf breiter Front sind die Firmen derzeit profitabler als je zuvor. Gesamtwirtschaftlich ist die Gewinnquote, also der Anteil der Einkommen aus Gewinnen und Vermögen am Volkseinkommen, über 35 Prozent gestiegen - und damit so hoch wie seit 1973 nicht mehr.

Die große Frage ist, wie lange das so weitergehen kann. Etliche Firmen planen für dieses und das kommende Jahr weitere Rekorderträge ein, auch die meisten Analysten rechnen mit weiter wachsenden Gewinnen.

Zur Großansicht
manager-magazin.de
Das aktuelle Wachstum in die Zukunft fortzuschreiben, ist aber zu einfach. Unternehmensgewinne steigen und fallen in regelmäßigen Zyklen. Und die Wachstumsphase des jetzigen Gewinnzyklus in Europa dauert nun schon 50 Monate. In den vorangegangenen beiden Zyklen hatte diese erste Erholungsphase nur halb so lang angehalten.

Wann der Zenit erreicht ist, kann niemand mit Sicherheit seriös voraussagen. Die Experten der Investmentbank Merrill Lynch tippen für Europa auf Mitte 2010. In diesem Fall blieben noch knapp drei Jahre für robustes Wachstum an den Aktienmärkten. Das Szenario könnte sich aber als allzu zweckoptimistisch erweisen.

Das Haushaltsbüro des US-Kongresses geht in seiner Finanzplanung davon aus, dass die Gewinne schon in diesem Jahr zurückgehen. Erst für 2011 rechnen die Planer mit dem Tiefpunkt, und auf absehbare Zeit - die Projektion reicht bis 2017 - wird der Rekord von 2006, als die US-Unternehmen knapp 1,8 Billionen Dollar verdienten, nicht mehr erreicht.

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Service von SPIEGEL-ONLINE-Partnern