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25.08.2007
 

Akuter Mangel

Fachkräfte-Not erfasst komplette Regionen Deutschlands

Von Carsten Volkery

Fehlender Nachwuchs, mangelnde Ausbildung, Brain Drain nach Süddeutschland: In mehreren Regionen der Republik können offene Stellen für Technik-Fachkräfte akut nicht mehr besetzt werden. Experten loben den Regierungsplan, Osteuropäer ins Land zu holen, als beste Lösung - kurzfristig.

Berlin - Die IHK Schwerin kennt ihn ebenso wie die IHK Nordwestfalen, die Online-Jobbörse Monster ebenso wie die Bundesagentur für Arbeit: den Fachkräftemangel.

Mechaniker in der Autondustrie: In manchen Landstrichen Deutschlands herrscht akuter Fachkräftemangel
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Mechaniker in der Autondustrie: In manchen Landstrichen Deutschlands herrscht akuter Fachkräftemangel

"Bestimmte Branchen haben Probleme, ihre offenen Stellen zu besetzen", sagt Andreas Kraus, Sprecher der IHK Schwerin. Auf der Werft in Wismar etwa würden händeringend Schweißer gesucht. Das Problem: Viele Menschen pendeln lieber zum Arbeiten ins benachbarte Schleswig-Holstein oder nach Hamburg, wo sie Westgehälter erhalten.

Im Münsterland im tiefen Westen herrscht ebenfalls akuter Mangel: Hier fehlen die Industriemeister in der Metall- und Elektrobranche sowie die Maschinenbau-Ingenieure. Auch hier ist der Grund, dass das Gras anderswo grüner ist. "Die Region hat keine so hohe Anziehungskraft wie Baden-Württemberg oder Bayern", sagt Guido Krüdewagen, Sprecher der IHK Nordwestfalen. Unter den Nachwuchsingenieuren an den lokalen Fachhochschulen gebe es einen regelrechten Brain Drain nach Süden zu Großkonzernen wie DaimlerChrysler Chart zeigen oder Siemens Chart zeigen.

Der Süden ist unersättlich

Belastbare Zahlen, wie viele Fachkräfte bundesweit fehlen, gibt es nicht. Das Phänomen sei nicht flächendeckend, sondern gelte für einzelne Regionen und Berufe, sagt Ilona Mirtschin, Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit. Am stärksten betroffen seien die Boomregionen Bayern und Baden-Württemberg: Der Zustrom von Arbeitskräften aus dem Rest der Republik reiche nicht aus, um die Nachfrage der Unternehmen zu befriedigen.

Laut Bundesagentur fehlen Ingenieure für Maschinenbau und Elektrotechnik vor allem in Bremen, Hamburg, Baden-Württemberg und Bayern. Die meisten offenen Stellen in Metallberufen seien in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Baden-Württemberg zu finden. Auch Schlosser und Mechaniker würden vor allem in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gesucht.

2006 waren rund 640.000 Ingenieure in Deutschland beschäftigt. 48.000 Stellen konnten laut Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) nicht besetzt werden. Zwei Drittel aller Vakanzen betrafen NRW, Bayern und Baden-Württemberg.

In diesem Jahr hat sich die Lage noch verschärft. "Der Bedarf wird im Moment sehr schlecht vom Markt gedeckt", bestätigt eine Sprecherin der Online-Jobbörse Monster.de. Laut dem monatlich aktualisierten "Monster Employment Index", der auf den Stellenanzeigen mehrerer hundert Webseiten basiert, klaffen Angebot und Nachfrage besonders bei den Ingenieuren und IT-Spezialisten weit auseinander.

Ein repräsentatives Bild des Fachkräftemangels soll eine im Oktober erscheinende IW-Studie zeichnen. 2500 Unternehmen wurden befragt, bisher wurden 80 Prozent des Datensatzes ausgewertet. Vorläufige Ergebnisse dieser Studie hat der Auftraggeber, das Bundeswirtschaftsministerium, schon vor einigen Tagen veröffentlicht, um den dringenden Handlungsbedarf zu unterstreichen. So entstand die Zahl, der Fachkräftemangel koste die deutsche Wirtschaft jährlich 20 Milliarden Euro an nicht realisiertem Bruttoinlandsprodukt.

Fehlende Mobilität ist kein Problem

Die Studie zeichne ein eindeutiges Bild, sagt Autor Oliver Koeppen. Der größte Mangel herrsche an Akademikern aus dem "MINT-Bereich" (Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker). Danach folgten die Techniker ohne akademischen Abschluss, diejenigen, die Maschinen programmieren und warten können.

Die Gründe für den Fachkräftemangel sind hausgemacht. Die Unternehmen haben den Aufschwung nicht rechtzeitig kommen sehen und nicht genug ausgebildet. Der demographische Wandel verschärft das Problem: Vielerorts fehlt der Nachwuchs. Fehlende Mobilität der Arbeitnehmer hingegen sei nicht der Grund für regionale Ungleichgewichte, sagt Koeppen. Schließlich rekrutierten die Unternehmen deutschlandweit.

Nach Angaben der Industrievertreter reagieren etliche Mittelständler auf den Engpass am Arbeitsmarkt, indem sie frühverrentete Mitarbeiter reaktivieren oder ältere Arbeitnehmer umschulen. "Viele Unternehmen machen verstärkt wieder Erwachsenenbildung", sagt Krüdewagen von der IHK Nordwestfalen.

Und was ist mit den arbeitslosen deutschen Ingenieuren und Physikern? Davon sind immer noch mehrere zehntausend bei der Bundesagentur gemeldet. Die Unternehmen hätten ihre Standards bereits gesenkt und stellten auch Leute artverwandter Berufe ein, die sie erst noch umschulen müssen, sagt Koeppen. Aber selbst dieses Reservoir sei bald erschöpft.

Die meisten Experten und Industrievertreter begrüßen daher die Pläne der Bundesregierung, den deutschen Arbeitsmarkt für osteuropäische Fachkräfte und Studenten noch in diesem Jahr zu öffnen. Nationale Qualifizierungsprogramme allein können den Fachkräftemangel nach einhelliger Meinung nicht beheben. "Eine Ingenieursausbildung dauert Jahre", sagt Mirtschin von der Bundesagentur. Kurzfristig sei das Problem daher nur durch ausländische Arbeitnehmer zu lösen.

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