Wirtschaft



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28.08.2007
 

Chinesische Auto-Kopien

Piraten, Plagiate, PS-Boliden

Von Wieland Wagner, Shanghai

Ein Bus wie ein MAN-"Starliner", Geländewagen mit BMW-Optik und ein Smart, der keiner ist - die deutschen Autobauer sind ein Hauptziel fernöstlicher Fälscher. Doch wirklich gern gehen sie nicht gegen die Chinesen vor.

Shanghai - Chinas Präsident Hu Jintao und sein Premier Wen Jiabao predigen gern "Harmonie" - gegenüber den Untertanen, aber auch gegenüber ihren ausländischen Gästen. Damit wollen die kommunistischen Führer die wachsenden Spannungen überdecken, die der rasante Aufstieg der Volksrepublik allenthalben erzeugt - im Inneren wie im Äußeren.

Harmonie wünscht Peking sich auch von Berlin. Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, die derzeit China besucht, feiern die roten Gastgeber die Aufnahme diplomatischer Beziehungen vor 35 Jahren. Von der Freundschaft profitierten bislang beide Länder, vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet. Nun allerdings wächst bei deutschen Firmen die Angst - darüber, wie unverfroren die Chinesen ihre Hochtechnologie ausspähen.

Die Klage aus Fernost traf Ron Hillmann völlig unvorbereitet, der Absender klang exotisch, der Anlass bizarr: Ein Gericht in der ostchinesischen Stadt Yancheng lud den Berliner Blogger vor, weil er dem lokalen Bus-Hersteller Zonda Produktpiraterie unterstellt habe.

In seinem Web-Blog "autoregional.de" hatte Hillmann berichtet, dass Zonda mit dem Bus "A9" das preisgekrönte Design des deutschen "Starliners" - eines Modells der MAN-Tochter Neoplan - abgekupfert habe. MAN hatte Zonda damals wegen Patentverletzung verklagt, und Hillman kommentierte den Vorgang so: "Wie schnell und skrupellos die Chinesen im Kopieren sind, zeigt dieses Beispiel."

Zwar gab der Berliner in seinem Blog praktisch nur wieder, was große deutsche Medien zuvor berichtet hatten, doch das scherte die Chinesen nicht. Sie verklagten Hillmann auf öffentliche Entschuldigung und Schadensersatz. Außerdem sollte sich der Deutsche verpflichten, seine Vorwürfe nie mehr zu wiederholen.

Angriff ist die beste Verteidigung

Die scharfe chinesische Reaktion auf ein Blog, das selbst in Deutschland kaum einer kannte, sorgte Anfang dieses Jahres bundesweit für Aufsehen. Woher, so wurde gerätselt, nahmen die Chinesen die Dreistigkeit, einen Gegenangriff zu starten - in einem Fall von angeblichem Ideenklau, den MAN-Vizechef Franz Neundlinger zuvor als "absolut glasklar" bezeichnet hatte?

Im Yanchang, etwa vier Autostunden nördlich von Shanghai, koordiniert Anwalt Pan Dexi, 39, die juristische Offensive sowohl gegen Hillmann als auch gegen MAN - auch den deutschen Hersteller hat Zonda umgehend verklagt, wegen unlauteren Wettbewerbs.

Pan sitzt an seinem Computer in der Rechtsabteilung der Zonda-Zentrale, der Anwalt trägt ein kurzärmeliges blaues Hemd mit dem Zonda-Emblem, ständig wird er unterbrochen, immer wieder klingelt sein Handy. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich Akten wild übereinander, und auch sonst sieht es hier reichlich verwahrlost aus: Die vergilbte Tapete löst sich von den Wänden, die Sitze sind teilweise so durchgesessen, dass der gelbe Schaumstoff herausquillt; auf den Fensterscheiben klebt eine Schicht aus Ruß und Staub.

Doch der chaotische Eindruck täuscht: Die Rechtsabteilung von Zonda - außer Pan wirken hier zwei andere Anwälte und fünf weitere Mitarbeiter - arbeitet höchst professionell, und der Streit mit dem deutschen Nutzfahrzeuge-Hersteller MAN läuft derzeit für Zonda gar nicht so schlecht. Pan lächelt siegesgewiss, seine Strategie lässt sich so umschreiben: "Angriff ist die beste Verteidigung." Am Ende, da ist Pan sich sicher, dürfte sich Zonda mit MAN außergerichtlich einigen.

Er habe Familie, sagt Hillmann

Der Fall Zonda besitzt Symbolwert. Denn die viertgrößte Industrienation strotzt mittlerweile nur so vor Selbstbewusstsein. Immer häufiger beantworten die Chinesen ausländische Vorwürfe wegen Produktpiraterie ihrerseits mit aggressiven Gegenkampagnen - vor allem, um westliche Firmen abzuschrecken: So hat sich der Berliner Blogger Hillmann bereits kleinlaut bei Zonda für seine Plagiatsvorwürfe entschuldigt. Er habe Familie, sagt Hillmann, von der Klage aus China spürbar eingeschüchtert, er könne es sich nicht leisten, sich mit den mächtigen Chinesen anzulegen.

Und das gilt auch für MAN, glaubt Zonda-Jurist Pan. Er vertraut darauf, dass der deutsche Hersteller keinen langjährigen Rechtsstreit mit Zonda riskieren wird. Allein, dass der A9 von Zonda mittlerweile in westlichen und chinesischen Medien oft mit dem fast identisch aussehenden deutschen "Starliner" verglichen werde, erzeuge "einen Werbeeffekt" für Zonda, sagt er.

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