Wirtschaft



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29.08.2007
 

Machtspiele ums Erdöl

Zentralasien lernt russische Methoden

Von Edda Schlager, Almaty

Erst Russland, nun seine Nachbarn: Im Machtkampf um ihren Ölreichtum greifen die früheren UdSSR-Staaten zu ruppigen Methoden. Wie zuvor Moskau setzt nun auch Kasachstan westliche Energiekonzerne unter Druck – und kündigt mit fadenscheinigen Argumenten einen gültigen Vertrag auf.

Almaty - Dank der hohen Ölpreise erlebt Kasachstan, eines der erdölreichsten Länder der Erde, einen einzigartigen Boom. Mit den Ölpreisen ist auch das Selbstbewusstsein gestiegen. Das hat die Regierung jetzt dem italienischen Erdölkonzern Eni, Betreiber des größten kasachischen Erdölfelds Kaschagan am Kaspischen Meer, unmissverständlich klar gemacht.

Erdölregion Kaspisches Meer (Satellitenaufnahme): Der Staat strebt nach mehr Macht
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AFP

Erdölregion Kaspisches Meer (Satellitenaufnahme): Der Staat strebt nach mehr Macht

Die kasachische Regierung hat den Italienern Anfang der Woche – vorerst für drei Monate – die Fördererlaubnis für das Ölfeld Kaschagan entzogen. Die Begründung laut Umweltminister Nurlan Iskakow: Eni Chart zeigen habe die kasachischen Umweltauflagen nicht erfüllt. Außerdem werfen kasachische Behörden einem Manager des Ölkonsortiums vor, Zoll- und Steuerbestimmungen verletzt zu haben.

Kaschagan gilt als das weltweit größte Erdölvorkommen, das in den letzten 30 Jahren entdeckt wurde. Seine Kapazität wird auf etwa 38 Milliarden Barrel Öl geschätzt, bis zu 13 Milliarden könnten in absehbarer Zeit gefördert werden. Eni hält an Kaschagan 18,5 Prozent, ebenso ExxonMobil Chart zeigen, Shell Chart zeigen und Total Fina Elf Chart zeigen. Conoco Phillips Chart zeigen ist mit 9,26 Prozent, die japanische Holding Inpex mit 8,33 Prozent beteiligt. Dem staatlichen kasachischen Ölkonzern KazMunaiGaz gehören 8,33 Prozent.

Eni, die staatliche italienische Holding, zu der auch die Tankstellenkette Agip gehört, hatte im Jahr 2000 von Kasachstan den Auftrag erhalten, das Kaschagan-Ölfeld zu erschließen. Laut Vertrag hatte die Erdöl-Produktion in Kaschagan schon im Jahr 2005 beginnen sollen. Dann wurde auf 2008 verschoben. Vor kurzem kündigte Eni an, starten könne man nicht vor 2010. Außerdem seien die anfangs kalkulierten Kosten von 57 Milliarden US-Dollar auf 136 US-Dollar angestiegen.

Die Gründe: Das Ölfeld hatte sich als größer erwiesen als erwartet. Dazu kämen ein veränderter Währungskurs und die höheren Ansprüche bei Sicherheit und Umweltschutz.

Auf diese Ankündigung hin hatte der kasachische Premierminister Karim Massimow Eni bereits Ende Juli gedroht: Man sei enttäuscht über die Ausführung dieses Projekts. "Wenn Eni die Probleme nicht lösen kann, schließen wir eine mögliche Neubesetzung des Betreibers nicht mehr aus", so der kasachische Premier damals im "Wall Street Journal".

Laut dem im Jahr 2000 abgeschlossenen Betreibervertrag mit Eni stehen Kasachstan zehn Prozent aus dem Erlös der Erdölförderung zu – das ist Kasachstan nun zu wenig, vermuten Experten.

Der Meinungswandel des Umweltministers

Birgit Brauer, die den kasachischen Öl- und Gasmarkt für den britischen "Economist" beobachtet, findet die Haltung der kasachischen Regierung jedoch nicht überraschend. Auch der kasachischen Regierung sei bei Vertragsabschluss klar gewesen, dass ein Produktionsbeginn im Jahr 2005 unrealistisch sei. "Dass Eni den Beginn der Produktion nun erneut verschoben hat, ist ein guter Ansatz für die kasachische Regierung, um vom Konsortium Konzessionen zu bekommen. Und das ist das, worauf Kasachstan aus ist."

Die kasachische Wirtschaftszeitung "Business i wlast" (Business und Macht) hält die Vorwürfe, Umweltauflagen nicht erfüllt zu haben, für vorgeschoben. Im Juli noch habe Umweltminister Iskakow zurückgewiesen, dass ein massenhaftes Fisch- und Robbensterben im Kaspischen Meer auf die Tätigkeit von Ölfirmen zurückzuführen sei. Jetzt führe er genau dieses Massensterben auf Schlampereien bei Eni zurück.

Grigorij Marchenko, einer der führenden Ökonomen Kasachstans, früherer Nationalbank-Chef und heute Direktor der Halyk-Bank, einer der größten in Kasachstan, hält die Härte der kasachischen Regierung dagegen für gerechtfertigt. Eni habe viel versprochen, was nicht einzuhalten gewesen sei. "Wenn die Gesellschafter die Verträge nicht erfüllen, wieso sollten wir die Bedingungen einhalten? Ich glaube, dass die kasachische Regierung in diesem Fall Recht hat."

Kasachstan war zu Beginn der neunziger Jahre auf ausländische Investoren angewiesen. Nur mit deren Kapital konnten die riesigen Erdölreserven rund ums Kaspische Meer überhaupt erschlossen werden. "Viele Verträge mit internationalen Öl- und Gaskonzernen sind nicht fair", so Marchenko. Dass das wirtschaftlich erstarkte Kasachstan jetzt Selbstbewusstsein zeige, sei nur natürlich.

Laut der italienischen Tageszeitung "Milano Finanza" habe der CEO von Eni, Paolo Scaroni, angedeutet, zu Verhandlungen über die Erhöhung des kasachischen Anteils an den Erlösen aus Kaschagan bereit zu sein. Man erwäge, die kasachische Gewinnbeteiligung auf 20 bis 25 Prozent zu erhöhen. Im Juli hatte das kasachische Energieministerium eine Erhöhung auf 40 Prozent gefordert. Eni-Chef Scaroni wird in der Zeit vom 3. bis 5. September zu einem Besuch in Kasachstan erwartet. Der italienische Premierminister Romano Prodi hat sich für Oktober angekündigt.

Moskauer Präzedenzfälle

Der Fall Kaschagan erinnert frappierend an das Gebaren der russischen Regierung gegenüber ausländischen Investoren der beiden russischen Ölfelder Sachalin II und Kowykta im vergangenen Jahr. In Sachalin wurden die Anteilseigner Shell, Mitsui Chart zeigen und Mitsubishi Chart zeigen nach Vorwürfen, Lizenzverletzungen begangen zu haben, dazu gezwungen, ihre Mehrheit dem russischen Staatskonzern Gasprom zu überlassen – für einen weit unter Marktwert liegenden Betrag von 7,5 Milliarden US-Dollar.

In Kowykta musste BP sein russisches Joint Venture gegen einige hundert Millionen Dollar Ablöse komplett aufgeben und seinen Anteil am Ölfeld an Gasprom abtreten. – Sachalin II und Kowykta gelten als Präzedenzfälle einer "Enteignung" ausländischer Investoren in Russland zugunsten der Monopolstellung des staatlichen Öl-Giganten Gasprom.

Auch in Kasachstan wurden bereits ausländische Investoren unsanft vom Markt befördert. Im Jahr 2005 hatte Kasachstan dem kanadisch geführten Öl- und Gasproduzenten PetroKazakhstan vorgeworfen, Umweltauflagen verletzt zu haben. PetroKazakhstan musste seine Produktion um ein Drittel reduzieren. Anklagen gegen zwei Manager und ein Bußgeld von 55 Millionen US-Dollar für "monopolistische Praktiken" folgten. Schließlich gab PetroKazakhstan auf und verkaufte an das chinesische Konsortium CNPC. Kurz darauf trat CNPC Anteile an den staatlichen kasachischen Öl- und Gaskonzern KazMunaiGaz ab.

Dass Kasachstan wie Russland auch künftig sein staatliches Monopol im Öl- und Gas-Geschäft ausbauen wird, gilt als sicher. In den vergangenen Jahren waren mehrere Gesetze über so genannte "production sharing agreements" (PSA), bezüglich der gemeinsamen Nutzung von Rohstofflagerstätten, dahingehend geändert worden, dass KazMunaiGaz in allen neuen Projekten mindestens 50 Prozent der Anteile halten soll.

Ob das im Nachhinein auch für Kaschagan angestrebt wird, ist zweifelhaft. Denn KazMunaiGaz verfügt bisher nicht über das Know-how, als Betreiber eines schwer zu erschließenden Off-Shore-Felds wie Kaschagan aufzutreten. Nach russischem Vorbild wäre es allerdings denkbar, dass Kasachstan darauf setzt, ausländische Investoren mit einem Minderheitsanteil dennoch weiterhin als Betreiber zu beauftragen.

Kasachstan will seine Produktion von derzeit 65 Millionen Tonnen Roh-Öl jährlich bis zum Jahr 2010 auf 100 Millionen Tonnen pro Jahr, bis zum Jahr 2015 auf 150 Millionen Tonnen pro Jahr erhöhen. Das Ziel der kasachischen Regierung ist es damit, bis zum Jahr 2015 zu den größten Ölproduzenten der Welt aufzuschließen.

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