Von Susanne Amann und Beat Balzli
Hamburg - Laut Staatsanwaltschaft in Kiel hat es Ende August Durchsuchungen in mehreren Räumlichkeiten der Beschuldigten in Hamburg und Thüringen gegeben. An dem Einsatz waren mehrere Staatsanwaltschaften und Polizisten beteiligt. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE waren insgesamt sechs Standorte betroffen. Man habe umfangreiches Beweismaterial sichergestellt, das jetzt ausgewertet würde, hieß es bei der Staatsanwaltschaft.
Ermittelt wird dabei gegen den Vorstandsvorsitzenden der Thielert AG, Frank Thielert, sowie gegen den Vorsitzenden des Aufsichtsrates, den Hamburger Rechtsanwalt Georg A. Wittuhn. Beiden wird versuchter gemeinschaftlicher Betrug und versuchte gemeinschaftliche Urkundenfälschung vorgeworfen. Von wem der Hinweis auf die Firma kam, wollte die Staatsanwaltschaft nicht sagen.
"Es gab keine Durchsuchungen, die sich gegen die Thielert AG gerichtet hätten", dementiert Unternehmenssprecher Sebastian Wentzler. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE richten sich die Ermittlungen gegen die Thielert Vermögensverwaltung GmbH, die sich in den gleichen Gebäuden befindet und in der Firmengründer Thielert und Aufsichtsratschef Wittuhn aktiv sind.
Hintergrund ist ein Streit zwischen Firmengründer Thielert und dem ehemaligen Investor Marco Hahn, die sich gegenseitig des Betrugs bezichtigen. Bei dem Konflikt geht es um ein Aktienpaket, mit dem Thielert angeblich für einen Kredit von Hahn gebürgt hatte und das er November vergangenen Jahres hätte zurückbekommen sollen. Der ehemalige Berater soll die Aktien teuer verkauft und spekuliert haben, um sie später günstig zurückkaufen zu können. Hahn soll für die verschiedenen Betrugsanzeigen gegen die Thielert AG verantwortlich sein.
Persönlicher Kleinkrieg
Das Unternehmen muss sich seit vergangenem Herbst gegen den Vorwurf der Bilanzfälschung wehren. Es soll kurz vor dem Börsengang 2005 seine Umsatzzahlen mit fiktiven Forderungen geschönt haben. Im Herbst 2006 bekam die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) eine anonyme Strafanzeige zugeschickt, Anfang 2007 schaltete sich die Staatsanwaltschaft ein, es folgten mehrmalige Hausdurchsuchungen. Die ehemaligen Geschäftspartner liefern sich inzwischen einen persönlichen Kleinkrieg - auch durch verschiedene Auseinandersetzungen vor Gericht.
Thielert
baut Flugzeugmotoren, auch für das Militär. Das Unternehmen ist bekannt für Antriebe, die auch mit normalem Diesel laufen und dadurch 60 Prozent der Treibstoffkosten sparen. Der Hamburger Flugmotorenhersteller hat im vergangenen halben Jahr Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert und peilt für 2007 insgesamt einen Umsatz von 95 Millionen Euro an. Der Gewinn kletterte allein von April bis Juni um 71 Prozent auf 4,7 Millionen Euro.
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