Berlin - Eine Arbeitslosenquote von mehr als 20 Prozent, ein Migrantenanteil von teilweise mehr als 50 Prozent: Berlin-Neukölln ist das, was man gemeinhin einen Problembezirk nennt. Umso erstaunlicher ist das, was die junge Muslimin Layla Ahmad (Name geändert) der "taz" erzählt hat.
Demnach traf sich die 25-Jährige Ende Juni routinemäßig mit ihrer Beraterin im Jobcenter Neukölln. Eine Zeit lang ging das Gespräch hin und her, man stritt sich um eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Dann der Eklat: Die Beraterin legte der jungen Arbeitslosen nahe, sich doch endlich ernsthaft um einen Job zu bemühen. Dafür müsse sie natürlich ihr Kopftuch ablegen.
"Sie drohte mir damit, die Leistungen zu kürzen, falls ich wegen meines Kopftuchs von Arbeitgebern abgelehnt werde", sagte die gebürtige Deutsche mit palästinensischen Eltern der "taz". Auf die Frage, in welchem Gesetz das stehe, habe die Amtsmitarbeiterin barsch geantwortet: "Das steht bestimmt im nächsten Jahr im Gesetz."
Tatsächlich gekürzt wurden die Bezüge nicht. Nach dem Antidiskriminierungsgesetz wäre dies auch gar nicht möglich. Dennoch erregt der Fall die Gemüter - so hat der Berliner "Tagesspiegel" den Fall in seiner Online-Ausgabe sofort zum Aufmacher gemacht.
Der Sprecher des Neuköllner Jobcenters, Uwe Mählmann, erklärte, dass das Kopftuch keine Erschwernis bei der Jobsuche darstelle. Wenn es zu diskriminierenden Äußerungen gekommen sein sollte, dann seien diese "schlicht nicht tolerierbar".
Allerdings ist gerade das Bezirksamt Neukölln für seine strenge Praxis bekannt. So dürfen hier Praktikantinnen kein Kopftuch tragen - eine Direktive des für seine markigen Sprüche zu Multikulti bekannten SPD-Bürgermeisters Heinz Buschkowsky.
Nach Angaben der "taz" illustriert Ahmads Fall die Probleme, die muslimische Frauen generell haben. "Muslimischen Frauen, die ein Kopftuch tragen, ist der größte Teil des Arbeitsmarktes verschlossen", sagt Lydia Nofal, die Geschäftsführerin des liberalen islamischen Vereins Inssan. Sie höre solche Geschichten immer wieder. "Selbst junge Mädchen sagen ganz offen: Ich habe doch eh keine Chance."
Das berichtet auch Layla Ahmad: "Von Freundinnen höre ich oft, dass sie vom Berater als 'nicht vermittelbar' abgehakt und entsprechend behandelt werden."
wal
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