Bei der Deutschen Bank selbst versteht man die Aufregung nicht. Das Gespräch bei "Maybrit Illner" sei doch gerade dazu da gewesen, um die Märkte zu beruhigen. "Herr Dr. Ackermann hat betont, dass die Konsequenzen für die Deutsche Bank gering sind", sagt ein Sprecher SPIEGEL ONLINE. "Er wollte keine zusätzlichen Korrekturen andeuten."
Ein Verlust von 29 Milliarden Euro drohe dem Institut in keinem Fall. In dieser Höhe seien lediglich Kreditzusagen für die nächsten neun Monate gemacht worden - vor allem an Private-Equity-Firmen.
Allerdings: Den Wert dieser Kredite schätzt die Deutsche Bank kritischer ein als bisher. Ursprünglich war das Institut davon ausgegangen, die Kredite weiter reichen zu können. Früher lief das auch problemlos: Der Kunde bekam einen Kredit in Höhe von 100 Euro, und die Bank konnte die Forderung am Markt für 101 Euro weiter verkaufen. Seit der Hypothekenkrise ist dieser Markt jedoch zusammengebrochen. Egal, wie gut die Bonität des Schuldners ist - kaum jemand möchte mehr Kreditpakete aus dritter Hand erwerben.
"Das tut weh"
Entsprechend deutlich sinkt der Preis: Einen Kredit im Nennwert von 100 Euro kriegt man nur noch für 98 Euro los. "Aus heutiger Sicht sind das alles gute Kredite", sagt der Sprecher der Deutschen Bank. "Aber man kann sie nicht weiter platzieren."
Faktisch bedeutet das eine Wertberichtigung um rund zwei Prozent. Bei einer Gesamtsumme von 29 Milliarden Euro entspricht dies einem Volumen von knapp 600 Millionen Euro - genau die Summe, die Analysten als Ergebniskorrektur im dritten Quartal erwarten. "Das tut weh", sagt der Deutsche-Bank-Sprecher. "Aber es ist zu verkraften." Zum Vergleich: Der Reingewinn der Deutschen Bank im zweiten Quartal belief sich auf 2,1 Milliarden Euro.
Da sich die Kredite am Markt nicht weiter verkaufen lassen, kehrt die Deutsche Bank nun zum "klassischen" Bankgeschäft zurück: Sie nimmt die Kredite einfach wieder in ihre Bilanz auf. "Das bedeutet aktuell natürlich eine Belastung für die Bilanz", sagt der Sprecher. Dafür komme der Gewinn aber bei der Rückzahlung der Kredite in den nächsten Quartalen herein.
Auch die Commerzbank gibt sich zuversichtlich
"Wir verstehen das als deutliches Signal für mehr Transparenz", sagt der Deutsche-Bank-Sprecher. In den vergangenen Wochen und Monaten waren die Geldinstitute in die Kritik geraten, weil sich durch den Kauf und Weiterverkauf von Krediten oft unklare Positionen ergeben hatten. Wenn die Kredite dagegen in der Bilanz stehen, sind die Risiken für jeden Beobachter klar zu erkennen.
Dass die Deutsche Bank nun Kredite im Nennwert von 29 Milliarden Euro in die Bilanz aufnimmt, ist dennoch nicht zu erwarten. Denn längst nicht alle zugesagten Kredite werden auch abgerufen, sagt der Sprecher. In dem betreffenden Segment sind die meisten Kunden der Deutschen Bank Private-Equity-Firmen. Und deren Geschäft kühlt sich zurzeit merklich ab. Daher benötigen sie weniger Geld - und die Deutsche Bank vergibt weniger Kredite.
Auch die Commerzbank
versuchte heute, die Märkte zu beruhigen. Erst vor zwei Tagen sorgten Gerüchte für Unruhe, wonach das Institut tiefer in die Krise verwickelt sein könnte als zunächst gedacht. Der Aktienkurs gab darauf deutlich nach.
Heute schließlich wollte auch die Commerzbank selbst nicht mehr ausschließen, dass durch die US-Hypothekenkrise höhere Belastungen auf sie zukommen. Insgesamt bekräftigte das Institut aber seine Ertragsziele. "Etwaige zusätzliche Belastungen infolge der Subprime-Krise werden unsere dynamische Entwicklung aus heutiger Sicht nicht wesentlich beeinflussen", sagte Bankchef Klaus-Peter Müller. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft werde mit 550 Millionen Euro unter den bisherigen Prognosen von rund 700 Millionen Euro bleiben.
Und weil die Geschäfte so gut laufen, stellte Müller sogar eine Erhöhung der Dividende in Aussicht.
Mit Material von Reuters/dpa-AFX/ddp
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