Wirtschaft



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24.09.2007
 

Ministeriumsstatistik

Nettolöhne sind auf 20-Jahrestief

So wenig wie heute hatten Arbeitnehmer seit 20 Jahren nicht mehr im Geldbeutel: Die realen Nettoverdienste sind einem "Bild"-Bericht zufolge auf den niedrigsten Stand seit 1986 gesunken. Damit bekommt der Streit um den Mindestlohn neue Nahrung.

Hamburg – 15.785 Euro im Jahr, so viel verdient ein Arbeitnehmer nach Abzug von Steuern und Sozialbeiträgen im Durchschnitt. Das besagt eine Statistik des Bundesarbeitsministeriums, über die die "Bild"-Zeitung berichtet. Gemessen an dem, was man sich für dieses Geld kaufen kann, liege dieser sogenannte Nettorealverdienst auf dem Niveau von 1986.

Razzia auf einer Baustelle: Im Bau ist Schwarzarbeit ein besonders großes Problem, der Mindestlohn wird so zur Makulatur
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DPA

Razzia auf einer Baustelle: Im Bau ist Schwarzarbeit ein besonders großes Problem, der Mindestlohn wird so zur Makulatur

Der Direktor des Instituts für Arbeit und Wirtschaft (IAW) der Uni Bremen, Rudolf Hickel, erklärt das 20-Jahrestief in dem Blatt mit dem Abbau von Zusatzleistungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld in den vergangenen Jahren. Für Lohnsteuer und Sozialbeiträge wurden nach der Statistik des Arbeitsministeriums vom Bruttolohn 2006 im Schnitt 9291 Euro abgezogen, 1986 waren es dagegen 5607 Euro. Die Bruttolöhne stiegen im gleichen Zeitraum zwar um 48 Prozent von 22.333 Euro auf 33.105 Euro im Jahr. Wegen der Inflation blieb den Arbeitnehmern trotzdem jedoch weniger übrig. So legten die Löhne in den vergangenen fünf Jahren um 4,1 Prozent zu, die Preise dagegen um 7,1 Prozent.

Die Statistik befeuert die aktuelle Mindestlohndebatte. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, kritisiert in der "Bild" die mageren Lohnsteigerungen der vergangenen Jahre. "Für den Niedriglohnbereich brauchen wir eine untere Haltelinie als Schutz vor Armutslöhnen", sagt Sommer und bekräftigt noch einmal seine Forderung, der Mindestlohn solle gesetzlich auf mindestens 7,50 Euro pro Stunde festgesetzt werden.

Nach einem Beschluss der Großen Koalition soll es allerdings keinen flächendeckenden Mindestlohn geben, stattdessen soll die Schranke für einzelne Wirtschaftszweige eingeführt werden. Allerdings gibt es immer wieder Streit über das Wie. Vergangene Woche brachte das Bundeskabinett einen Mindestlohn für die Postbranche auf den Weg – allerdings ist Bundeskanzlerin Angela Merkel nach SPIEGEL-Informationen unzufrieden mit dem Tarifvertrag, den die Post und die Gewerkschaft Ver.di ausgehandelt haben.

Im Bau wird der Mindestlohn massiv unterschritten

Merkel fürchtet, dass die dort vereinbarten Mindestlöhne von bis zu 9,80 Euro die neuen Konkurrenten im Briefmarkt überfordern könnten. In den nächsten Tagen will sie Post-Chef Klaus Zumwinkel auffordern, gemeinsam mit kleineren Wettbewerbern neue Sätze auszuhandeln.

Dass auch ein Mindestlohn Lohn-Dumping nicht unbedingt verhindert, zeigt sich in der Baubranche. Die dort bereits geltenden Regeln würden "massenhaft unterschritten", sagt der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Hans-Hartwig Loewenstein, in der "Frankfurter Rundschau". "Wir schätzen, dass bis zu 150.000 Baubeschäftigte keinen Mindestlohn erhalten." Den Behörden gelinge es kaum, die Verstöße einzudämmen.

Um Kontrollen zu erleichtern, streben die Arbeitgeber tarifliche Regeln an. Denkbar sei etwa, mit Zustimmung der Belegschaft Berufskleidung mit einem speziellen Emblem einzuführen, damit legal Beschäftigte sofort zu erkennen sind. Die Lohn-Untergrenze am Bau habe aber auch jetzt schon positive Effekte, sagte Loewenstein. Ohne die Regelung "würden noch mehr Menschen aus Osteuropa zu sehr niedrigen Löhnen auf deutschen Baustellen arbeiten".

ase/AFP/ddp/dpa

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