Wirtschaft



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24.09.2007
 

Investor aus China

Wie Parchim international wurde

Er ist der erste Chinese, der einen Flughafen in Europa gekauft hat: Jonathan Pang und seine Firma LinkGlobal haben heute ihren Premieren-Frachtflug vom fast verwaisten Flugfeld Parchim in die Welt geschickt. Die ganze Region hofft, dass der Investor seine verwegenen Pläne wahr machen kann.

Parchim - Jonathan Pang und dem Transport- und Logistik-Unternehmen LinkGlobal gehören schon zahlreiche Flugplätze in China und einer in Nigeria. Nun will er seine Visionen auch im südmecklenburgischen Parchim verwirklichen. Ein Luftfracht-Drehkreuz zwischen China, Europa und Afrika schwebt ihm vor - ein Plan, der Wirtschaft und Politik der Region ins Schwärmen geraten lässt. Doch gleichzeitig übt sich die Region in Vorsicht. Ähnliche Pläne sind schließlich schon zweimal gescheitert.

Zweihundert Ehrengäste sogar aus China sind am Montag angereist. Im Festzelt zwischen dem blauen Abfertigungsgebäude und der kleinen Frachthalle prangt der Schriftzug "Parchim International Airport" auf einem Transparent vor dem Podium. Vor kurzem hieß der mecklenburgische Flughafen noch "Baltic Airport Schwerin-Parchim".

Doch die Chinesen können "Schwerin" so schwer aussprechen, heißt es. Ein chinesisches Streichquartett spielt die deutsche Nationalhymne und Jonathan Pang erträgt lächelnd die Grußworte, die Parchims Landrat Klaus-Jürgen Iredi (SPD) für die aus China angereisten Gäste auswendig gelernt hat.

Wöchentlich drei gecharterte Cargo-Maschinen sollen vorerst zwischen Parchim und Zhengzouh fliegen, der Provinzhauptstadt von Chinas bevölkerungsreichster Region Henan. Später könnten es dreißig Maschinen am Tag sein, sagt Pangs Berater Klaus Grützmacher.

Für 30 Millionen Euro hat Pang nicht nur den Flughafen, sondern auch rund acht Quadratkilometer angrenzende Gewerbeflächen gekauft. Hier sollen sich internationale Logistikfirmen ansiedeln. Gedacht ist aber offenbar auch an chinesische Unternehmen aus der Auto- Elektronik- und Textilbranche, die die Endmontage ihrer Produkte nach Parchim verlegen, "um ein 'made in Germany' zu bekommen", wie Werner Knan sagt.

Viele unerfüllte Hoffnungen

Wenn es nach Knan geht, der im Hintergrund des Festzeltes steht, könnten die ersten Bagger schon in den nächsten Wochen anrollen. Er ist Geschäftsführer der deutschen Filiale der australischen Bauinvestitionsfirma Goodman, die die Gewerbe- und Industriehallen bauen und dann vermarkten will. Eine Investitionssumme von 70 Millionen Euro will er nicht bestätigen - aber auch auf keinen Fall dementieren.

Die Millionensummen wecken bei Landrat Iredi Hoffnung auf viele neue Arbeitsplätze. Auch Schwerins Wirtschaftminister Jürgen Seidel (CDU) beglückwünscht Pang zu seiner "guten Wahl". Ihm wäre es trotz aller "positiven Signale" allerdings lieb, wenn die Genehmigung der chinesischen Behörden für Pangs Kauf schon vorläge.

Denn schon vor 13 Jahren gab es eine Vision für einen "Global Trans Park" für Parchim, die in der Region viele unerfüllte Hoffnungen weckte. 2002 kaufte dann die britische Wiggens-Group den Flughafen, die ihn aber 2005 unbezahlt und unbenutzt an den Landkreis zurückgab. Anders als diese Vorgänger hat LinkGlobal Logistics in China offenbar auch die Fracht an der Hand, mit der die Jumbos und Antonows zu füllen sein werden. Eigenen Angaben zufolge verschifft das Unternehmen von China aus Waren in 90 Länder.

Gespräche mit der Lufthansa?

Die Bedenken wegen der für den endgültigen Kauf noch fehlenden Genehmigung der chinesischen Behörden teilt Pang natürlich nicht. Er sei zuversichtlich, diese bis Mitte Dezember zu haben, sagt er. Auch die Zollabfertigung werde rechtzeitig auf Vordermann gebracht. Bislang müssen die Beamten für jede Maschine Einzeln aus Ludwigslust angefordert werden. "Sehr gute Gespräche" habe er auch mit der Lufthansa geführt, berichtet Pang. Öffentlich äußert er sich weiter nicht zu der Vermutung, der große deutsche Platzhirsch werde jeglicher potentiellen Konkurrenz das Leben schwer machen.

Rund 3,3 Millionen Tonnen Luftfracht wurden 2005 in Deutschland bewegt. 85 Prozent davon teilten sich die Flughäfen in Frankfurt, Köln-Bonn, München und Hahn. Parchim kam in der Statistik nicht vor. Auch am offiziell ersten Tag des regelmäßigen Frachtflugverkehrs nach China warten die Festgäste vergebens. Die angekündigte Boeing aus China hat fünf Stunden Verspätung.

Andreas Frost, AFP

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