Frankfurt am Main - Es war der große Show-down: Die beiden Kontrahenten trafen sich persönlich, sprachen miteinander - und gingen ohne Einigung auseinander. Bei einem Geheimtreffen zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn und dem Vorsitzenden der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell, hätte heute der Durchbruch im Tarifkonflikt erzielt werden sollen. Doch die Hoffnung auf eine Lösung wurde enttäuscht.
"Da ist gar nichts rausgekommen. Es sind keine neuen Vorschläge gemacht worden", sagte Schell nach dem Treffen dem ZDF. Er habe starke Zweifel, dass bis diesen Sonntag noch eine Lösung gefunden werden könne. Dann läuft der von der GDL zugesagte Streikverzicht ab - am 30. September endet die Friedenspflicht.
Eine GDL-Sprecherin sagte, Bahnreisende könnten sich bis Montagmittag auf einen normalen Zugbetrieb einstellen. Bis dahin werde es keine Streiks der Lokführer geben. Im Umkehrschluss bedeutet das: Ab Montagmittag ist alles möglich - auch ein schneller Streikbeginn. Die Sprecherin kündigte an, dass die GDL am Montag über das weitere Vorgehen informieren werde.
Da die GDL Streiks 24 Stunden im Voraus ankündigen will, könnte es ab Dienstag (2.10.) zu Störungen im Bahnverkehr kommen. Der Feiertag am Mittwoch sei aber von möglichen Aktionen ausgenommen, sagte die Gewerkschaftssprecherin.
"Die Zeichen stehen auf Streik, wenn der Sonntag vorbei ist und sich nichts Positives bewegt hat", machte Schell klar. Die GDL warte noch auf "vernünftige Angebote, mit denen die Lokomotivführer leben können". Sollten diese nicht kommen, habe der Bahnvorstand die Folgen zu vertreten.
Am Dienstag hatte die Lokführergewerkschaft ein Tarifangebot der Bahn zurückgewiesen und weitere Tarifverhandlungen auf dieser Basis abgelehnt. Die Gewerkschaft besteht auf ihre Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag sowie deutlichen Verbesserungen in Arbeitszeit- und Entgeltfragen.
Der Tarifkonflikt zwischen Bahn und GDL läuft bereits seit Monaten. Die Moderatoren Kurt Biedenkopf und Heiner Geißler hatten vergeblich versucht, einen Kompromiss zu vermitteln.
wal/dpa-AFX/AP/dpa
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