Frankfurt am Main - Von diesen Zuwachsraten können normale Arbeitnehmer nur träumen: Der Aufsichtsratschef der Commerzbank steigerte sein Gehalt in diesem Jahr um 105 Prozent. Bei der Deutschen Bank belief sich das Plus auf 73 Prozent, beim Energieversorger RWE waren es 50 Prozent. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Towers Perrin hervor.
Untersucht wurde die Vergütung der Aufsichtsratschefs in den 30 größten deutschen Börsenkonzernen. Im Schnitt verdienen sie rund 258.000 Euro im Jahr und damit elf Prozent mehr als im Vorjahr. Mit 618.000 Euro fährt der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Clemens Börsig, die höchsten Bezüge ein.
Auf den Plätzen zwei und drei folgen Jürgen Strube von BASF mit 472.500 Euro und Gerhard Cromme von ThyssenKrupp mit 425.700 Euro. Der am niedrigsten bezahlte Aufsichtsratschef ist der des Pharma-Unternehmens Merck, er kommt auf 53.000 Euro im Jahr.
Betrachtet man nicht nur die Vorsitzenden der Kontrollgremien sondern sämtliche 526 Mitglieder der Dax-Aufsichtsräte, dann stiegen die Bezüge durchschnittlich um acht Prozent auf 84.500 Euro. Im vergangenen Jahr hatte die Gehaltssteigerung bereits 16 Prozent betragen. Auch die Bezüge der Stellvertreter stiegen mit durchschnittlich elf Prozent weniger stark als die der Chefs.
Der Studie zufolge werden bei der Vergütung von Aufsichtsräten stärker als bisher "sinnvolle Bemessungskriterien" angewandt. Die Unternehmensberatung Towers Perrin versteht darunter eine "erfolgsbasierte Bezahlung". Zudem bestehe der Trend, die Tätigkeit der Aufsichtsräte in Ausschüssen besser zu belohnen. Insgesamt geben die 30 Dax-Konzerne für die Vergütung ihrer Aufsichtsräte rund 60 Millionen Euro aus.
| Aufsichtsratsvergütung: So viel verdienen die Chefaufseher * | ||
| Unternehmen | Gesamtvergütung 2007 in Euro |
Veränderung im Vorjahrsvergleich in Prozent |
| Adidas | 42.000 | 0 |
| Allianz | 302.000 | 0 |
| BASF | 472.500 | 7 |
| Bayer | 270.000 | 15 |
| BMW | 315.000 | 9 |
| Commerzbank | 419.000 | 105 |
| Continental | 202.200 | 2 |
| DaimlerChrysler | 233.800 | -2 |
| Deutsche Bank | 618.000 | 73 |
| Deutsche Börse | 187.397 | 0 |
| Deutsche Lufthansa | 231.500 | 43 |
| Deutsche Postbank | 148.157 | 4 |
| Deutsche Post | 120.978 | -10 |
| Deutsche Telekom | 104.086 | -27 |
| E.on | 426.067 | 7 |
| FMC | 142.996 | -6 |
| Henkel | 400.000 | 0 |
| Hypo Real Estate | 195.000 | 0 |
| Infineon | 53.465 | -5 |
| Linde | 305.400 | 15 |
| MAN | 280.000 | 14 |
| Merck | 51.845 | 20 |
| Metro | 201.655 | 2 |
| Münchener Rück | 225.000 | 4 |
| RWE | 355.500 | 50 |
| SAP | 215.000 | 0 |
| Siemens | 258.308 | 38 |
| ThyssenKrupp | 425.709 | 29 |
| TUI | 240.318 | -23 |
| Volkswagen | 296.000 | 8 |
| * vorläufige Angaben Quelle: Towers Perrin |
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Bemerkenswert ist die Doppelbelastung, der zahlreiche Aufsichtsräte ausgesetzt sind. Von den knapp 300 Vertretern der Arbeitgeberseite in den Dax-Aufsichtsräten haben der Studie zufolge 48 die Geschäftsleitung in einem anderen Unternehmen inne, weitere 27 sind Mitglied im Vorstand oder in der Geschäftsleitung eines anderen Unternehmens.
In 12 Fällen war der aktuelle Aufsichtsratsvorsitzende früher Vorstandsvorsitzender im gleichen Unternehmen. Aktionärsschützer kritisieren immer wieder den Wechsel eines Vorstandschefs an die Spitze des Aufsichtsrats derselben Firma, weil er dort mitunter die Folgen selbst getroffener Entscheidungen kontrollieren soll. Gerade im Korruptionsfall Siemens war immer wieder bemängelt worden, dass das Kontrollgremium seiner Aufsichtspflicht nicht zureichend nachgekommen sei.
Die Autoren der Studie halten die Vergütungen der Aufsichtsräte dennoch für zu niedrig. Bei einfachen Aufsichtsratsmitgliedern sieht Towers Perrin sogar noch Bedarf, die Bezüge aufzustocken, "um die besten Fachkräfte für die Aufsichtsratstätigkeit gewinnen zu können".
Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hatte bei der Hauptversammlung seines Instituts im Mai um Verständnis für das kräftige Plus der Bezüge von Aufsichtsräten geworben. Die Bezahlung der Vorstandskontrolleure sei nicht mehr angemessen, hatte Müller argumentiert: "Komplexität, Zeitaufwand und Verantwortung haben sich für die Mitglieder eines Aufsichtsrates in den vergangenen Jahren generell erhöht." Ähnlich hatte die Deutsche Bank einen Aufschlag für ihre Aufsichtsräte begründet.
wal/AFP/dpa
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