Die Deutsche Bahn hat sich schon im Juli mit der Tarifgemeinschaft der zwei Bahngewerkschaften Transnet und GDBA auf eine Tariferhöhung von 4,5 Prozent für die Bahner geeinigt. Das Angebot gilt bisher auch für die Lokführergewerkschaft GDL. Nach Abschluss der Verhandlungen mit den Vermittlern, den Unionspolitikern Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf, offerierte die Bahn den Lokführern zusätzlich zwei Stunden bezahlter Mehrarbeit, was einer Gehaltserhöhung von zehn Prozent entspräche. Die GDL lehnte das als "unverschämt" ab. Sie weigert sich nach wie vor, der Tarifgemeinschaft beizutreten und diesen Abschluss plus Mehrarbeit auch für die angestellten Lokführer zu akzeptieren, sondern fordert bis zu 31 Prozent mehr Lohn und einen eigenständigen Tarifvertrag.
Ein Sieg der Bahn wäre es also, wenn es ihr gelingt, die Tarifeinheit zu wahren und einen Spartenvertrag für die angestellten Lokführer abzuwehren. Außerdem muss sie eine Lösung finden, die die Lokführer zufrieden stellt, aber auch andere Bahnmitarbeiter wie Techniker, Service-Mitarbeiter und Fahrdienstleiter nicht verstimmt, die sich vorerst mit 4,5 Prozent mehr Gehalt zufrieden geben müssen. Zugleich schafft die Bahn wettbewerbsfähige Arbeitsbedingungen für Lokführer, die attraktiv genug sind, um rund 1000 offene Lokführerstellen besetzen zu können - auch private Bahngesellschaften suchen Nachwuchs. Vor allem im Güterverkehr zahlen Unternehmen teils deutlich mehr als die noch staatliche Deutsche Bahn AG.
Kein eigenständiger Tarifvertrag für die Lokführer und ein moderater Anstieg der Lokführereinkommen - das wäre auch ein persönlicher Sieg von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn über GDL-Chef Manfred Schell. "Zwischen den beiden Herren gibt es Unstimmigkeiten, weil die GDL im Gegensatz zu den anderen beiden Gewerkschaften Transnet und GDBA bei den Privatisierungsplänen der Bahn nicht so mitspielt, wie Herr Mehdorn es sich wünscht", sagt Karl-Peter Naumann, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Verkehrsexperten sind sich einig, dass es Mehdorn in dem Konflikt auch darum geht, potentiellen Investoren eine harte, sparsame Haltung in der Tarifpolitik zu signalisieren.
Die verbeamteten Kollegen - etwa 40 Prozent der insgesamt 20.000 Lokführer der Deutschen Bahn - sind übrigens nicht von diesen Abschlüssen betroffen; für sie gelten die Besoldungsvereinbarungen für Bundesbeamte.
kaz
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