Von Hasnain Kazim
Hamburg - Ihr Gesicht ist bekannter als ihr Name: Sabine Kuegler ist auf all ihren Büchern zu sehen, nicht in der Buchklappe, sondern groß auf dem Titel. Drei Bücher hat sie inzwischen veröffentlich, dreimal ist Kuegler drauf, eine Frau mit braunen Haaren im Topfschnitt und blauen Augen. Titelbildgestalter in Buchverlagen muss ein leichter Job sein.
Kuegler ist das "Dschungelkind", jene Frau, die in Nepal geboren wurde, mit ihren forschenden und missionierenden Eltern 1980 zu den Eingeborenen von Papua, Indonesien, zog und dort, geröstete Insekten, gegrillte Schlangen und Fledermausflügel verspeisend, ihre Kindheit und Jugend bis zu ihrem 17. Geburtstag verbrachte.
Dann hatte sie genug vom Leben bei den Stammeskriegern der Fayu, zog in ein Internat in die Schweiz, verbrachte einige Jahre in Japan und lebt nun, inzwischen 35 Jahre alt, seit fünf Jahren in Deutschland, erst im Norden, jetzt im Süden bei München.
Richtig angekommen, sagt sie, ist sie in der westlichen Welt immer noch nicht. "Ich fühle mich nicht als Deutsche." Sie sagt, es habe gedauert, bis sie verstanden habe, "was man hier sagen darf und was man besser nicht sagt". Manchmal sei sie immer noch ein bisschen unsicher, kenne sich noch nicht richtig aus und nutze "eine andere Kulturgrammatik".
Die Sehnsucht nach dem Urwald packte sie schnell, ihr Fernweh lebte sie in ihrem ersten Buch "Dschungelkind" aus, in dem sie von ihrem Leben in Nachbarschaft von Menschen beschreibt, die Knochen als Nasenschmuck tragen und Streitereien mit anderen Stämmen schon mal blutig austragen. Das Buch wurde ein Beststeller, trug ihr aber eine Menge Kritik von Ethnologen ein, weil sie ein unrealistisches Bild des "edlen Wilden" zeichne. Von "romantischer Verklärung" war die Rede. In ihrem zweiten Buch, "Ruf des Dschungels", rehabilitierte sie sich, weil sie darin auf die Verbrechen der indonesischen Armee und den Kampf für die Unabhängigkeit Papuas einging.
"Männer neigen dazu, Geld für unsinnige Dinge auszugeben"
Jetzt ist das dritte Buch erschienen, diesmal in einem anderen Verlag - Zabert Sandmann statt bisher Droemer/Knaur -, geblieben ist aber neben dem Kueglerschen Konterfei auf dem Titel die Schwarzweiß-Malerei der Autorin.
Ihre steile These ist zugleich der Buchtitel: "Gebt den Frauen das Geld! Und sie werden die Welt verändern." Zwar schreibt sie präventiv in ihr Vorwort, dass dies kein Buch gegen Männer sei, "es ist ein Appell, das verlorene Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern wiederherzustellen". Aber dann zieht sich durch den gesamten Text doch eine recht schlichte Rollenzuweisung, beruhend auf Erfahrungen und Erzählungen: "Männer, die durch Glück oder Arbeit zu etwas Geld gelangt sind, neigen dazu, es für unsinnige Dinge oder jedenfalls allzu leichtfertig zu vergeuden. Sie kaufen Konsumartikel, mit denen sie vor ihren Freunden angeben können, oder sie betrinken sich einfach, bis das Geld aufgebraucht ist, oder sie investieren es in ein viel zu riskantes Geschäft - mit der Folge, dass sie kurz darauf wieder mit leeren Händen dastehen."
Und warum haben Frauen mehr ökonomischen Sachverstand?
Weil sie die kleinen Summen, die man ihnen zur Verfügung stellt, fast ausnahmslos in ein Unternehmen investierten, "das nach außen armselig aussehen mag, jedoch fast immer funktioniert". "Sie kaufen kein Auto, dessen Unterhaltskosten den Besitzer binnen kürzester Zeit ruinieren, sondern ein paar Hühner oder eine Nähmaschine und machen sich mit einer Geflügelzucht oder als Schneiderin selbstständig." Den Gewinn steckten sie in die Erweiterung ihres Betriebes sowie in bessere Nahrung und Bildung für ihre Kinder - "während die Männer längst wieder pleite sind und auch vorher meist keinen Gedanken an die Möglichkeit verschwendet haben, ihre Familie an dem geringen finanziellen Segen teilhaben zu lassen".
"Frauen sitzen im Kerker der Armut und Entrechtung fest"
Spätestens hier sollte klar sein: Es geht Kuegler darum, die Probleme in den ärmsten Schichten von Entwicklungsgesellschaften zu beschreiben. Es geht um Männer, die nicht in der Lage sind, sich und ihre Familien aus ihrer miserablen Lage zu befreien; und um Frauen, die in diesen Gesellschaften meist bessere Wirtschafter sind, aber leider zu häufig unterdrückt werden und keinen Zugang zu Geld haben.
Kueglers Thema sind Mikrokredite, seit Oktober 2006 in allen Facetten beschrieben, weil da der Banker Muhammad Yunus aus Bangladesh dafür den Friedensnobelpreis erhielt: Arme Frauen bekommen Kleinstkredite, damit sie sich damit selbstständig machen können. Den Kredit müssen sie mit dem verdienten Geld zurückzahlen, und zwar mit Zinsen, aber dafür ohne Verlust der Selbstachtung. Das Prinzip Mikrokredit hat sich in vielen armen Ländern bewährt: Laut Yunus zahlen die Kreditnehmer ihre Schulden zuverlässig zurück. Wer sich für Mikrokredite interessiert, erfährt in den Schriften Yunus' alles Wissenswerte. Kuegler dagegen behauptet selbst von sich, sie kenne sich im Detail mit Mikrokrediten nicht aus, sie sei keine Bankerin.
Kuegler versteigert sich zu Sätzen wie diesem: "Die Frauen sitzen im Kerker der Armut und Entrechtung fest - und die Männer hocken derweil im Käfig eines übersteigerten Männlichkeitswahns, der sie dazu zwingt, ihr Leben mit Kriegen und sonstigen Gewalttaten zu vergeuden, und sie daran hindert, jemals partnerschaftliche Liebe, Harmonie und Vertrauen zwischen Mann und Frau kennenzulernen."
Und warum die Autorin - oder ihr Verlag - den Titel so gewählt haben, dass sich der Eindruck aufdrängt, es handele sich bei dem imperativen Titel "Gebt den Frauen das Geld!" um eine weltumspannende Forderung, um ein allgemeingültiges ökonomisches Gesetz, bleibt ein Rätsel. Vielleicht, weil sich ein Buch über Mikrokredite, untermauert von (übrigens durchaus spannenden) persönlichen Erfahrungen Kueglers in Papua, Tansania, Guatemala, Burkina Faso nicht gut verkauft hätte. Da musste eine knackige These her, egal, wie simpel die Begründung ist.
Das Buch dürfte also, seit ein paar Tagen im Handel, ein Bestseller werden. Nach Angaben der "Bild am Sonntag" zählte es zu den meistgeklauten Büchern der Frankfurter Buchmesse. Und diese Bücher seien diejenigen, die später auf den Beststellerlisten landeten.
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