Wirtschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
24.10.2007
 

Deutsche Exil-Ärzte

Zack-zack-Teutonen kurieren die Schweiz

Von Michael Soukup, Luzern

Hohe Gehälter, beste Bedingungen: Deutsche Ärzte wandern in Scharen in die Schweiz aus. In mancher Kantonsklinik stammt schon jeder zweite Mediziner aus Deutschland. Doch nicht überall werden die ehrgeizigen Einwanderer mit Liebe begrüßt.

Luzern - Es gibt Orte in der Schweiz, da wähnt man sich in Deutschland. Zum Beispiel unterhalb des Bettenhochhauses des Kantonsspitals Luzern. In einer Waldstrasse stehen Dutzende Autos mit deutschem Kennzeichen aneinandergereiht. Sie gehören deutschen Ärzten und Krankenschwestern, die in einem der größten Krankenhäuser der Schweiz arbeiten. Jeder vierte Arzt hier ist Deutscher.

Krankenhaus (in Genf): "Viele deutsche Assistenzärzte haben mehr Biss als ihre Schweizer Kollegen", sagte der Präsident der Gesundheitsdirektoren-Konferenz
Zur Großansicht
DPA

Krankenhaus (in Genf): "Viele deutsche Assistenzärzte haben mehr Biss als ihre Schweizer Kollegen", sagte der Präsident der Gesundheitsdirektoren-Konferenz

Noch größer ist der Anteil in den ländlichen Nachbarorten: In den kantonalen Krankenhäusern in Ob- und Nidwalden stammt sogar jeder zweite Arzt aus Deutschland. In der Gesamt-Schweiz sind mehr als zehn Prozent der rund 28.000 aktiven Ärzte Deutsche – eine Verdreifachung seit 2004.

"Ohne die deutschen Kolleginnen und Kollegen könnten wir den Betrieb der Spitäler gar nicht aufrechterhalten", sagt Peter Studer, Präsident des Verbands Schweizerischer Assistenz- und Oberärzte. Die deutschen Ärzte fehlen freilich in ihrer Heimat. "In den neuen Bundesländern werden Ärzte händeringend gesucht", sagt Roland Stahl, Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

"Man spürt, dass die Schweizer zufriedener sind"

Als Lockmittel für die Auswanderer wirken: der attraktive Lohn und die oft besseren Arbeitsbedingungen in der Schweiz. "So schön Dresden und Leipzig sind, die schlechte Bezahlung und der akute Personalmangel in den Krankenhäusern sprechen gegen einen Job dort", sagt Henning Fischer im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Der 33-Jährige aus dem Ostharz ist Assistenzarzt in der allgemeinen Chirurgie des Kantonsspitals Luzern. Von den 23 Ärzten dort stammt die Hälfte aus Deutschland.

"Während in deutschen Krankenhäusern auf einen Arzt 20 bis 25 Patienten kommen, sind es in der Schweiz bloß zehn bis zwölf", sagt Fischer. Auch die Entlohnung ist besser: In der Schweiz verdienen Assistenzärzte monatlich bis zu 4700 Euro, in Deutschland höchstens 2500 Euro.

Geld allein macht natürlich nicht glücklich - nicht zuletzt, weil die Lebenshaltungskosten in der Schweiz höher sind. "Die Menschen sind hierzulande aber viel freundlicher", sagt eine 35-jährige Medizinerin aus Mecklenburg. "Man spürt im Berufsalltag, dass die Schweizer zufriedener sind mit ihrem Leben als die Deutschen." Die Assistenzärztin arbeitet ebenfalls im Luzerner Spital. In ihrer Abteilung gibt es mehr Deutsche als Einheimische.

Auch das Fehlen eines ausgeprägten Hierarchiedenkens macht die Arbeit angenehmer. "Spitalabteilungen werden nicht wie militärische Einheiten geführt, wo Leute angeschrieen und fertiggemacht werden", stellt Caroline Thyes fest. Sie arbeitet als Assistenzärztin für Innere Medizin in einem Krankenhaus in der französischsprachigen Schweiz. Statt sich wie in Deutschland zu siezen, duzt man sich in der Schweiz über die Hierarchien hinweg.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP