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Deutsche Exil-Ärzte Zack-zack-Teutonen kurieren die Schweiz

2. Teil: "Gopferdammi, müssen uns eigentlich die Deutschen die besten Jobs wegnehmen?"

Bei den Schweizer Ärzten herrscht zwar Vollbeschäftigung – eben deshalb werden ja Personallücken durch ausländische Mediziner gestopft. Trotzdem blicken einige mit Neid und Ärger auf die deutschen Kollegen. "Ich finde jeden einzelnen nett, aber manchmal denken wir Schweizer: 'Ja, Gopferdammi, müssen uns eigentlich die Deutschen die besten Jobs wegnehmen?'", fragt sich besorgt ein Oberarzt aus einem Kantonsspital in der Zentralschweiz.

Den Stimmungswandel veranschaulichen die Schlagzeilen in den Zeitungen. Hieß es vor drei Jahren noch "Die Deutschen kommen - na und?" oder "Sie sind die kulturelle Rettung der Schweiz", titelte die Schweizer Presse in den vergangenen Monaten "Deutsche schnappen Schweizern die Arztpraxen weg", "Deutsche Ärzte fliehen in die Schweiz" oder "Deutsche Ärzte stehen Schlange".

Für große Aufregung sorgte zuletzt eine Aussage von Markus Dürr, Gesundheitsdirektor des Kantons Luzern und Präsident der Schweizer Gesundheitsdirektorenkonferenz: "Viele deutsche Assistenzärzte haben mehr Biss als ihre Schweizer Kollegen. Sie sind bereit, auch Wochenend- und Bereitschaftsdienste zu übernehmen. Das ist ein Wettbewerbsvorteil."

Vorurteile gegen vermeintlich verweichlichte Schweizer halten sich seit Jahren. Im Frühling 2005 schrieb die "Weltwoche": "Wie wählerisch Schweizer sind, zeigt sich in der Medizin. Von Karrierefächern wie Herzchirurgie und Neurologie lassen sie die Finger." Und Professor Hans-Reinhard Zerkowski, Leiter der Herzchirurgie am Spital Basel und eingewanderter Deutscher, ergänzte: "Die jungen Leute überlegen sich heute: Wie bringe ich den Beruf mit einer Familie in Einklang, wie kann ich mal eine Praxis eröffnen." Da falle die Entscheidung nicht zugunsten einer Chirurgenkarriere aus.

"Mit unserer Direktheit kommen wir nicht weit"

Jacques de Haller, Präsident des Verbandes der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH), schränkt ein: "Viele deutsche Ärzte betrachten ihren Aufenthalt in der Schweiz als Weiterbildung. Da wird Tag und Nacht gearbeitet." Genauso verhielten sich Schweizer Ärzte, die für ein, zwei Jahre in die USA gehen.

REUTERS
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Bei allem gegenseitigen Wohlwollen lassen sich die Mentalitätsunterschiede nicht leugnen. "Sie haben dieses deutsche Auftreten: Zack, zack", meint ein Assistenzarzt aus der Ostschweiz schmunzelnd. Die Deutschen gelten als selbstbewusst, redegewandt, direkt, durchsetzungsfähig und laut. "Mit unserer berühmt-berüchtigten Direktheit kommt man in der Schweiz nicht weit", sagt Henning Fischer, der seit mehr als sechs Jahren in der Schweiz lebt. Umgekehrt ärgert sich seine deutsche Arbeitskollegin: "Die Schweizer sagen nie, was sie denken. Geschimpft wird meist hinter dem Rücken."

Klartext spricht immerhin Jacques de Haller: "Wir müssten etwa 20 Prozent mehr Medizinstudenten ausbilden, doch ob die Kantone die entsprechenden Mehrkosten an den Unis und Spitälern zu tragen bereit sind, ist fraglich." Auch dieses Jahr gibt es im Fach Medizin in der Schweiz mindestens dreimal mehr Anwärter als Plätze. Mit jedem aus dem Ausland importierten Arzt spart die Schweiz rund eine Million Franken Ausbildungskosten.

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