Hamburg - Wladimir Jakunin ist Chef von 1,2 Millionen Eisenbahnern und Herr über eines der größten Streckennetze der Welt. Im SPIEGEL-Interview streckt er nun die Fühler nach Berlin aus - und bringt einen Einstieg der Russischen Eisenbahn (RSD) bei der DB ins Spiel.
Auch eine Über-Kreuz-Beteiligung kann sich Jakunin nach eigenen Worten vorstellen. "Wenn unsere Bahn an die Börse geht, bin ich dafür, dass auch ausländisches Kapital zum Zuge kommt, die Deutschen, die Slowaken, die Polen, die Länder, mit denen wir kooperieren", erklärt er.
Damit bekommt die Debatte über die Reglementierung ausländischer Investitionen bei strategisch wichtigen deutschen Unternehmen neue Nahrung. Die Merkel-Regierung und die CDU/CSU haben gerade unter Führung des hessischen Länderchefs Roland Koch (CDU) ein Arbeitspapier ausgearbeitet, das der Bundesregierung eine Art Veto-Recht geben würde, um größere Beteiligungen ausländischer Investoren zu stoppen. Berlin könnte Beteiligungen von mehr als 25 Prozent bei strategisch wichtigen Unternehmen verbieten - betroffen wäre auch die Bahn.
"Gegen alle Logik Kurven eingebaut"
"Leider aber werden solche Entscheidungen am Kabinettstisch getroffen und nicht nach dem freien Spiel der Kräfte im Markt", sagt Jakunin denn auch in Anspielung auf die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Jakunin hatte bereits in der russischen Presse geäußert, er sei an einem Engagement in Deutschland interessiert. Die deutsche Bahn könne viel von der russischen lernen, so Jakunin in einem Interview im Sommer.
Der russische Eisenbahner und Bahn-Chef Hartmut Mehdorn gründeten bereits ein Gemeinschaftsunternehmen für den Güterverkehr zwischen Europa und Asien. "Wir Eisenbahner suchen immer den kürzesten Weg von A nach B", sagt Jakunin. "In der Politik ist es manchmal so, dass gegen alle wirtschaftliche Logik viele Kurven eingebaut werden."
Die deutsche Bahn ist das letzte große Unternehmen in Staatsbesitz. Die Pläne von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) zur Privatisierung sind heftig umstritten, so dass der Verkauf vielleicht nicht mehr in diesem Jahrzehnt über die Bühne gehen kann.
itz/Reuters
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