Berlin - Weber rief die Tarifparteien auf, sich dem moderaten Kurs in der Tarifpolitik der vergangenen Jahre anzuschließen. Bahn und Lokführergewerkschaft GDL müssten ihre Verantwortung für die Preisstabilität wahrnehmen. Gerade die moderate Tarifpolitik der letzten Jahre habe zur Belebung der Beschäftigung beigetragen. "Jetzt sollte dieser Beschäftigungsschub nicht gefährdet werden", sagte der Bundesbank-Präsident dem "Tagesspiegel am Sonntag".
Die Lokführergewerkschaft GDL ist mit der Forderung nach 31 Prozent mehr Verdienst in den Tarifkonflikt gegangen, den sie zuletzt mit bundesweiten Streiks durchgefochten hat. Hinter vorgehaltener Hand lassen die GDL-Oberen inzwischen durchblicken, dass ihnen wohl auch 15 Prozent recht wären.
Aus Sicht des Bundesbank-Chefs wäre aber auch das noch zu viel. Er zeigte sich besorgt, dass es "in den letzten Monaten schon deutlich höhere Abschlüsse als in der Vergangenheit, etwa in der Metallindustrie, in der Chemie, auch am Bau" gegeben habe. Er akzeptiere aber die Tarifautonomie, sagte Weber.
GDL informiert um 16 Uhr über Streikpläne
Die GDL zeigte sich am Wochenende bereit, den Streik schon am Montag weiterzuführen. Wann genau wieder Nahverkehrszüge stillstehen werden, will die Gewerkschaft jeweils am Tag vorher bekanntgeben. Der stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Claus Weselsky erklärte, die Wahrscheinlichkeit, dass es am Montag sowie am Dienstag und Mittwoch Streiks geben werde, sei sehr hoch. Es sei aber kein dreitägiger Streik geplant.
Heute will die GDL um 16 Uhr über die Streikpläne informieren. Sie hält laut Weselsky weiter an ihrer Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag fest und ist bei der Höhe der Entgelterhöhung verhandlungsbereit.
Die Bahn forderte die Gewerkschaft erneut zu weiteren Verhandlungen auf. "Die GDL-Funktionäre müssen endlich ihre Verweigerungshaltung aufgeben", erklärte Unternehmenssprecher Oliver Schumacher. Der Sprecher nannte das zuletzt von der Bahn vorgelegte Angebot "gut und fair". Doch die Gewerkschaft sage immer nur "nein" und rufe nach der Politik.
Wegen der Streiks haben mehrere Bundesbürger Strafanzeige gegen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn gestellt. Insgesamt seien zwölf Strafanzeigen gegen Mehdorn und andere Mitglieder des Bahn-Vorstands eingegangen, sagte der Berliner Oberstaatsanwalt Karlheinz Dalheimer laut "Bild am Sonntag". Unter anderem verlangten einige Angestellte Schadensersatz, da sie zu spät zur Arbeit gekommen seien und die ausgefallene Zeit vom Lohn abgezogen bekämen.
itz/AP/dpa
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