Hannover – Zunächst mal eine unangenehme Nachricht für Bahn-Kunden: "Für Dienstag und Mittwoch stehen die Zeichen auf Streik", sagte der GDL-Chef. Die GDL wolle den Arbeitskampf auch auf den Fernverkehr ausweiten, falls das bisherige gerichtliche Streikverbot aufgehoben werde. Das Arbeitsgericht in Chemnitz will heute einen Termin für die Berufungsverhandlung bekanntgeben.
Im Interesse der Bahn-Kunden werde die Gewerkschaft jeweils am Vortag um 16 Uhr mitteilen, ob gestreikt wird, sagte Schell der "Neuen Presse" aus Hannover.
Der Gewerkschafter hat offenkundig die Hoffnung verloren, dass die Bahn von sich aus einlenken könnte. "Die Bundesregierung kann sich nicht länger aus dem Konflikt heraushalten", sagte er. "Das Land hält das auf Dauer nicht aus. Wir brauchen eine Einigung." Die Regierung sei zu einer Vermittlung verpflichtet.
Schell räumte ein, dass nun beide Seiten Zugeständnisse machen müssten. "Aber die Bahn ist ja bisher nicht einmal zu Verhandlungen bereit."
Der Gewerkschaftschef verteidigte erneut seinen derzeitigen Kuraufenthalt gegen Kritik. "Hier wird eine gezielte Kampagne gegen mich geführt." Er habe den Kuraufenthalt bereits mehrfach wegen der Tarifauseinandersetzung verschoben. "Wenn ich jetzt in Frankfurt säße, würde dies auch nichts ändern. Wir warten weiter auf ein Angebot", sagte er.
GDL: Einem Lokführer schon gekündigt / Bahn dementiert
Zurückhaltend äußerte sich Schell zu den Strafanzeigen gegen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn wegen Nötigung und Schadensersatz. "Auch wir hatten solche Anzeigen. Einige wollten uns auf Schadensersatz verklagen. Das wird ausgehen wie das Hornberger Schießen. Solche Anzeigen haben keine Aussicht auf Erfolg", sagte Schell.
Die GDL wirft der Bahn vor, im laufenden Tarifstreit mit Abmahnungen und Kündigungen gegen ihre Mitglieder vorzugehen. Bundesweit sei gegen mindestens zehn Lokführer eine fristlose Kündigung eingeleitet und mehr als 200 seien abgemahnt worden, berichtet das "Westfalen-Blatt" unter Berufung auf die GDL.
Einem Lokführer sei bereits gekündigt worden, weil er am 3. Juli, dem ersten Tag des Streiks, einen leeren Intercity-Zug auf einer eingleisigen Strecke habe stehen lassen. Eine Gefahr sei von dem Zug nicht ausgegangen, sagte der Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft in Nordrhein-Westfalen, Frank Schmidt, der Zeitung.
"Die Bahn hat sich nur geärgert, dass andere Züge erhebliche Umwege in Kauf nehmen mussten und Verspätungen hatten." Die Bahn hatte im Zusammenhang mit Streiks in diesem Monat dementiert, dass Kündigungen ausgesprochen worden seien.
itz/ddp/dpa-AFX
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Bahnstreik 2007/08 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH