Verschärft wird das Problem dadurch, dass immer weniger Windräder aufgestellt werden. Weil in Deutschland die Flächen knapp werden, konzentrieren sich die Hersteller auf den boomenden Export. Bei der Sonnenenergie ist es genau umgekehrt: Wegen der hohen Vergütungssätze wird der deutsche Markt mit Solarmodulen aus der ganzen Welt überschwemmt.
Das Geschäft machen Produzenten wie Suntech
aus China und Sharp
aus Japan - auf Kosten der hiesigen Verbraucher. "Wir haben heute dreimal so viel Ökostrom wie früher", sagt ein Brancheninsider. "Nur leider zum vierfachen Preis."
Beim Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) sieht man das naturgemäß anders: Die Ökolobbyisten halten die Zubau-Zahlen des Europressediensts für viel zu hoch. Ihren eigenen Angaben zufolge werden pro Jahr nur 750 Megawatt installiert.
Branchenkenner zweifeln dies allerdings an. "Der BSW hält den Zubau in Deutschland bewusst klein, um die Importe ausländischer Hersteller zu kaschieren", sagt ein Insider. Gleichzeitig könne die Branche ihre eigene Exportquote so künstlich hochrechnen.
Auch das Umweltministerium mag auf die Argumente des BSW immer seltener hören. Mittlerweile gilt die Maxime: erneuerbare Energien ja, aber nicht zu jedem Preis. Beim Solarstrom will Ressortchef Gabriel deshalb den Rotstift ansetzen. Im Gespräch ist eine strengere Kürzung der Vergütung - statt um fünf Prozent sollen die Sätze jährlich um bis zu acht Prozent sinken.
Sogar Fachleute aus der Branche begrüßen dies. Hätte die Solarwirtschaft ihre früheren Versprechen zur Kostensenkung gehalten, dann wäre heute eine Vergütung "zwischen 34 und 35 Cent" möglich, sagt Kai Dobelmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie, in der Fachzeitschrift "Photon".
Verbraucherschützer wollen noch weiter gehen. Sie schlagen vor, den Preis für Solarstrom an die Produktionskosten zu koppeln. Für die Branche würde dies herbe Einbußen bedeuten. Nach einer "Photon"-Studie kostet die Herstellung einer Kilowattstunde Solarstrom in Süddeutschland nur 24 Cent - also die Hälfte der aktuell gewährten 49 Cent.
"Die Produktionskosten sinken deutlich", sagt Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. "Die Politik ist daher gefordert, die Vergütungssätze eng an der tatsächlichen Kostenentwicklung zu orientieren."
Die Solarbranche selbst zeigt sich davon unbeeindruckt. Sie will ihre Lobbyarbeit sogar noch verstärken. Das geht aus einem Papier des Bundesverbands Solarwirtschaft hervor. Darin heißt es: "Gabriel betonte, dass Konsultationen mit der Branche bevorstünden. Dies deutet darauf hin, dass noch Spielräume bestehen." Diese Chance will der Verband jetzt nutzen.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH